25.09.2013 | OTZ

Göllnitz: Eine Gemeinde – eine Baustelle

Aktuell entsteht ein Nahwärmenetz für die Orte Göllnitz und Zschöpperitz. Die Wärme ist ein Abprodukt der Biogasanlage und erreicht ab Dezember vorerst 67 Haushalte und verschiedene Betriebe.

Göllnitz/Zschöpperitz. Es wird gehämmert und gebaggert, Schweres auf- und abgeladen, Laster mit Erde fahren hin und her. Es ist die Geräuschkulisse zu diesem emsigen Tun, das dem Besucher sofort auffällt, ist er in diesen Tagen in Göllnitz zu Gast. Und all der Baulärm ist keine akustische Täuschung. Der Ort gleicht einer einzigen Baustelle. In Zschöpperitz sieht es nicht anders aus.

Die Gemeinde lässt ein Nahwärmenetz verlegen. Mehr als vier Kilometer Rohre und dicke Kabel kommen ins Erdreich. Nicht mit gerechnet sind die Strecken für die Hausanschlüsse, die auf den Privatgrundstücken zurückgelegt werden, und auch nicht die Übergabestationen an den Verbindungen.

Im August dieses Jahres begannen die Arbeiten. Geht es nach dem Willen von Bürgermeister Hans-Jürgen Heitsch (FDP) sollen Göllnitz und Zschöpperitz noch im Dezember dieses Jahres mit Wärme aus eigener Produktion versorgt werden. 36 Häuser in Göllnitz, 31 in Zschöpperitz. Auch das Gewerbegebiet wird angeschlossen und die Option auf Erweiterung des Netzes besteht.

Die Wärme selbst ist ein Abprodukt der Göllnitzer Biogasanlage, die privat betrieben wird und erst 2011 an Netz ging. “Gefüttert” wird sie stündlich mit Festmist, Mais und Rindergülle. Die Abwärme ist praktisch ein Nebenprodukt. Strom wird mit der Biogasanlage bereits erzeugt und an Stromanbieter verkauft. In wenigen Monaten sollen Haushalte und Betriebe im Gemeindegebiet via Biogasanlage und Blockheizkraftwerke gewärmt werden.

Rund zwei Millionen Euro schwer ist dieses Projekt, das enorme Vorbereitung und auch reichlich Informationsarbeit kostete. Eine Mühe, die sich laut Heitsch gelohnt hat. “Unsere Einwohner stehen hinter dem Projekt”, sagt er. Beleg dafür seien die 67 Hausanschlüsse.

Die Gemeinde selbst konnte für ihr Vorhaben Fördermittel vom Bund in Höhe von 952.000 Euro in Anspruch nehmen. 600.000 Euro steuert die Kommune selbst hinzu, dafür nahm sie sogar einen Kredit auf, der in 15 bis 20 Jahren abgezahlt sein soll. Und auch die Nahwärmenutzer steuern mit Anschlussgebühren etwas bei zum Bau des Nahwärmenetzes. Mit Einmalbeiträgen von 5.000 Euro. “Das ist schon eine beträchtliche Summe”, so Heitsch. Verweist aber zugleich auch auf verschiedene Zahlungsmöglichkeiten, um Härtefälle zu vermeiden. Und er verweist auf das Sparpotenzial durch die Nahwärme. Laut Heitsch stünden jährliche Einsparungen von rund 800 Euro zu Buche im Vergleich beispielsweise zu den Kosten üblicher Ölheizungen. Denn ganz Göllnitz, so haben die Experten ausgerechnet, braucht mit dem neuen Nahwärmenetz jährlich etwa 280.000 Liter Heizöl weniger.

Neben dem eigenen Nahwärmenetz hat die Gemeinde Göllnitz noch weitere Pfunde, mit denen sie in Sachen Eigenversorgung und Nutzung erneuerbarer Energien wuchern kann. Denn Göllnitz macht bei der Abwasserentsorgung und der Trinkwasserversorgung eigene Sache. Mit dem Nahwärmenetz kommt nun ein dritter Eigenbetrieb zur Kommune hinzu.

Jana Borath