22.10.2013 | OVZ

Weiter kein Konzept für Vermarktung

Altenburg. Der Landkreis verzichtet auf ein einheitliches Konzept zur Wirtschaftsförderung. Ein Antrag der Liberalen, ein solches Dokument zu erstellen, soll nun im Wirtschaftsausschuss weiter diskutiert werden. Dort schmorte ein gleichlautendes Papier schon vor Jahren, bevor es völlig verschwand.

Auf Nimmerwiedersehen

Der Landkreis wird auch weiterhin keine einheitliche Wirtschaftsförderung und Vermarktung betreiben

Altenburg. Das Altenburger Land verzichtet auf ein einheitliches Konzept zur Wirtschaftsförderung und Vermarktung. Ein Antrag der Liberalen, ein solches Dokument zu erstellen, soll nun im Wirtschaftsausschuss weiter diskutiert werden. Genau dort schmorte ein gleichlautendes Papier von Ex-Landrat Sieghardt Rydzewski (parteilos), ehe es mangels Interesse völlig verschwand.

Von Jens Rosenkranz

Die Liberalen wunderten sich sehr, dass Landrätin Michaele Sojka (Linke) nach über einem Jahr Amtszeit die Themen Wirtschaft und Vermarktung noch nicht angefasst habe, bemerkte FDP Kreischef Daniel Scheidel zur Kreistagssitzung im September. Deswegen wollen nun die Freien Demokraten etwas Druck machen. Laut ihrem Antrag sollte die Landrätin beauftragt werden, ein Wirtschaftsförderungs- und Marketingkonzept für das Altenburger Land zu erstellen.

Bislang werden diese Themen mehr oder weniger von den Kommunen und dem Landkreis beackert. Die Zusammenarbeit und inhaltliche Abstimmung der Beteiligten scheint dabei verbesserungsfähig zu sein, meinen die Liberalen. Deswegen sollen Ziele, Maßnahmen und Arbeitsteilung bei der Wirtschaftsförderung besser aufeinander abgestimmt werden. Besonders bei den Chancen, die sich im Zuge der S-Bahn-Anbindung nach Leipzig ab Dezember ergeben. Ziele sind mehr und sichere Jobs, Neuansiedlungen und die Erweiterung vorhandener Investitionen. “Das Thema ist zu wichtig, dass sich der Kreistag damit nicht befassen sollte”, sagte Scheidel.

Die Lust darauf hält sich bei den Volksvertretern aber in Grenzen. Ein einheitliches Wirtschafts- und Marketing-Konzept, so wie es den Liberalen vorschwebt, wird es vorerst nicht geben. Eine Abstimmung darüber fand erst gar nicht statt. Stattdessen soll darüber im Ausschuss für Wirtschaft, Umwelt und Bauen geredet werden. Wie schon einmal. Am 4. November 2009 hatte der damalige Landrat Sieghardt Rydzewski ein Entwicklungs- und Marketingkonzept des Landkreises dem Kreistag vorgelegt – zur zustimmenden Kenntnisnahme, wie es damals hieß.

Das Rydzewski-Papier basierte auf einem bereits 2004 erstellten Konzept, das bis zur Vorlage im November 2009 mit großem Aufwand aktualisiert worden war. In Arbeitsgruppen, mit insgesamt über 60 Akteuren, wurde damals das Altenburger Land auf den Prüfstand gestellt. Es wurden Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken analysiert, Ziele formuliert und Maßnahmen vorgeschlagen. In den Ergebnissen sollten sich die regionale Identität, eigene Kreativität sowie Orts- und Sachkenntnisse widerspiegeln. Die erhoffte Resonanz auf die wohlklingenden Absichten blieb aus.

Das 93-seitige Konzept verschwand nach seiner Vorlage im Wirtschaftsausschuss. Auf Nimmerwiedersehen. Fast genau ein Jahr später, also im November 2010, zog es Rydzewski wieder zurück. Wie es hieß wegen nicht mehr vorhandener Aktualität und zu geringem Interesse.

Kommentar

Konzept gehört nicht in den Papierkorb

Von Jens Rosenkranz

Der Antrag der Liberalen zur Erarbeitung eines Marketing-Konzepts wird mit Sicherheit dort landen, wo ein gleichlautendes Dokument schon vor Jahren verschwand: im Papierkorb. Dort aber gehören solche Pläne nicht hin.

Das Altenburger Land kann es sich nämlich nicht leisten, auf eine gemeinsame Werbestrategie und Wirtschaftsförderung zu verzichten. Dafür gibt es trotz guter Konjunktur nach wie vor zu wenige Jobs, zu viele Arbeitslose, eine zu hohe Abwanderung junger Leute und noch einige schlecht oder gar nicht gefüllte Gewerbegebiete. Wer etwas anderes wahrnimmt, macht sich etwas vor.

Was genauso schlimm wiegt, ist die Tatsache, dass es gegen diese Standortnachteile kein Konzept gibt. Ebenso fehlt eine Strategie, wie und wo der Landkreis seine Zukunftschancen sieht und diese umsetzt. Solange dies nicht geklärt ist, nimmt man all die negativen Folgen des demografischen Wandels nur willenlos in Kauf. Allein schon deswegen muss ein Marketing-Konzept her.