24.10.2013 | OVZ

Landrätin: Zu wenig Neuansiedlungen

Michaele Sojka fordert mehr Mut und weniger Streit

Altenburg (jr). Für weniger Streit und mehr Kooperation im Kreistag sowie zwischen Landkreis und den Gemeinden vor allem bei der Wirtschaftsförderung hat sich Michaele Sojka (Linke) ausgesprochen. Die Landrätin wies gegenüber der OVZ damit gleichzeitig einen Vorwurf der FDP zurück, wonach sie dieses Thema seit ihrem Amtsantritt vor über einem Jahr vernachlässigt habe. Die 50-Jährige räumte ein, dass es in den letzten Jahren nur wenige Neuansiedlungen gegeben habe. Eben diese Schwachstelle wolle sie beseitigen. “Ich will eine gute Zusammenarbeit mit der Landesentwicklungsgesellschaft und den Ministerien weiter pflegen”, sagte sie. “Es hat mich einige Zeit gekostet, dass zerschlagene Porzellan meines Vorgängers aufzusammeln und zu versuchen, es zu kitten.”

Sojka stimmte den Liberalen in dem Punkt zu, dass es nach dem Mauerfall im Landkreis zu wenige wirtschaftliche Erfolge gegeben habe. Was erreicht wurde, war zu gering, um die weggebrochenenen Arbeitsplätze auch nur annähernd zu kompensieren.

Auch wegen dieser Entwicklung kündigte Sojka einen anderen Umgang mit Konzepten an, die eine bessere Wirtschaftsförderung und eine einheitliche Vermarktung des Landkreises beinhalten. Dass solche Pläne in Ausschüssen schmoren oder ein “Polit-Bla-Bla zum Abheften für den berühmten Rundordner” werde es ihr nicht geben.

Stattdessen sprach sich die Landrätin für eine öffentlich geführte Diskussion aus, unter Einbeziehung der Fachleute des Kreistages sowie der Vertreter von Industrie und Handwerk. “Bekanntlich haben wir einen sehr guten Stand in der Betreuung der vorhandenen Betriebe.” 80 Prozent der von der IHK befragten Unternehmen würden den Kreis als Unternehmensstandort gern weiterempfehlen. “Diesen Vorsprung müssen wir ausbauen, gerade jetzt, wo die S-Bahn-Anbindung dem Landkreis einen entscheiden Vorsprung gegenüber anderen Ostthüringer Regionen verschafft”, sagte Sojka.

Höre das Gegeneinander im Kreistag aber nicht auf, werde sich an den bedenklichen wirtschaftlichen Tatsachen, wie den zu geringen Neuansiedlungen, aber nichts ändern. Erfolge erforderten Mut und Kreisräte vom Schlag des ehemaligen Schmöllner Bürgermeisters Herbert Köhler, betonte die Landrätin.

“Geradezu ein Witz”

Kreischefs der Linken und AfD kritisieren FDP

Altenburg (jr). Der Antrag von FDP Kreischef Daniel Scheidel zur Erstellung eines Wirtschaftskonzepts und seine Kritik an der vernachlässigten Vermarktung des Kreises durch die Landrätin (OVZ berichtete) ist auf Widerspruch bei Linken und der Alternative für Deutschland gestoßen.

“Es ist geradezu ein Witz, wenn ausgerechnet FDP Fraktionschef Scheidel jetzt ein Wirtschaftsförderungs- und Marketingkonzept für den Landkreis einfordert und dabei auch noch ein derartiges Spektakel veranstaltet”, erklärte der Kreissprecher der AfD, Sieghardt Rydzewski. Der ehemalige Landrat erinnert in einer Presseerklärung an die Haltung der FDP Fraktion, die beim vorherigen Konzept Mitarbeit und Zustimmung komplett verweigert habe.“Ungeachtet dessen hat die Wirtschafts- und Tourismusförderung des Landkreises bis zum Ende meiner Amtszeit als Landrat erfolgreich nach den Vorgaben dieses Marketing- und Entwicklungskonzeptes gearbeitet.” Die umgesetzten Maßnahmen seien genauso belegbar, wie die in den letzten Jahren stattgefundenen Entwicklungen. Vielleicht sollte der zuständige Fachdienstleiter Wolfram Schlegel im Kreistag über diese Arbeit und deren Ergebnisse berichten, um die Wissenslücken bei einigen Leuten aufzufüllen, erklärt Rydzewski.

Das Thema sei zu wichtig, als dass es wieder zerredet werden dürfe, nimmt auch Linken-Kreischef Frank Tempel in einer Erklärung Bezug auf die FDP Kritik. Die Linke werde im Kreistag den Antrag für ein Wirtschaftsförderkonzept unterstützen, und zwar in der Fassung des Verbesserungsvorschlags der Landrätin. “Im Gegensatz zu anderen Fraktionen stimme die Linke nicht einfach aus Prinzip gegen etwas, nur weil es jemand Bestimmtes eingebracht hat. Wirtschaftsförderung wird nur im Dialog aller Fraktionen gelingen, nicht aber als Wahlkampfbudenzauber der FDP“, erklärt Tempel.