25.10.2013 | OVZ

Göllnitz baut Heizung für zwei Millionen Euro

Nahwärmenetz entsteht / Fertigstellung Ende November / 67 private Haushalte werden versorgt

Göllnitz/Zschöpperitz. Endlich: Es wird gehämmert und gebaggert, Schweres auf- und abgeladen, Laster mit Erde fahren hin und her. Die Geräuschkulisse zu diesem emsigen Tun fällt dem Besucher dieser Tage in Göllnitz sofort auf. Der Ort gleicht einer einzigen Baustelle und gleich daneben in Zschöpperitz sieht es nicht anders aus. Der Grund dafür ist, die Gemeinde lässt ein Nahwärmenetz verlegen.

Eigentlich sollten die rund vier Kilometer Rohrleitungen samt dicker Kabel bereits im Erdreich liegen. Doch – wie es so ist – schon der Baustart hat sich verschoben. Nicht wie geplant Anfang Juli (OVZ berichtete), sondern erst im August konnte es losgehen. Zwar hatte Bürgermeister Hans-Jürgen Heitsch (FDP) im Mai den Fördermittelbescheid in den Händen. “Doch das war reichlich spät, denn wir hatten noch keine Planung für das Projekt, die kann ich ja erst in Auftrag geben, wenn ich das Geld habe und wir benötigen zudem Spezialanfertigungen von Rohren”, erläutert Heitsch. Doch in Göllnitz ist man flink, spätestens Ende November werde es Wärme aus eigener Produktion geben.

Dann werden 36 Häuser in Göllnitz und 31 in Zschöpperitz sowie das Gewerbegebiet versorgt. Und die Option auf Erweiterung des Netzes besteht auch. Die Wärme ist ein Abprodukt der Göllnitzer Biogasanlage, die seit 2011 privat betrieben wird.

Rund zwei Millionen Euro schwer ist dieses Nahwärme-Projekt, das enorme Vorbereitung und auch reichlich Informationsarbeit kostet. Eine Mühe, die sich laut Heitsch gelohnt hat und noch lohnen werde. Die Gemeinde selbst konnte für ihr Vorhaben Fördermittel vom Bund in Höhe von 952 000 Euro in Anspruch nehmen. 600 000 Euro steuert die Kommune selbst hinzu, dafür nahm sie einen Kredit auf, der in 15 bis 20 Jahren abgezahlt sein soll.

Und auch die Nahwärmenutzer bezahlen mit einmaligen Anschlussgebühren von 5000 Euro den Bau mit. “Das ist schon eine beträchtliche Summe”, so Heitsch. Er verweist aber auf verschiedene Zahlungsmöglichkeiten, um Härtefälle zu vermeiden, und auf das Sparpotenzial. Es stünden jährliche Einsparungen von rund 800 Euro zu Buche im Vergleich zu üblichen Ölheizungen. Ganz Göllnitz, so haben die Experten ausgerechnet, verbraucht durch das neue Nahwärmenetz jährlich etwa 280 000 Liter Heizöl weniger.

Und auch die Gemeindekasse soll profitieren. Der Betrieb der Wärmeversorgung soll analog wie die Wasserversorgung als Betrieb gewerblicher Art der Gemeinde geführt werden. Die Kämmerei der Verwaltungsgemeinschaft Altenburger Land rechnet momentan mit Einnahmen von 125 000 Euro. Die laufenden Ausgaben werden voraussichtlich eine Höhe von 65 400 Euro erreichen, das bedeutet – wenn die Pläne aufgehen – die Wärmeversorgung erwirtschaftet einen Überschuss von rund 59 600 Euro. Davon gehen jährlich circa 30 000 Euro für die Kredittilgung sowie etwa 11 000 Euro Kreditzinsen ab.

Neben dem Nahwärmenetz betreibt die Gemeinde auch eine eigene Abwasserent- und der Trinkwasserversorgung.

J.B./reu