22.11.2013 | OVZ

Unruhe an FDP-Basis - offener Brief an Parteispitze

Erfurt. Die Thüringer FDP hat das Bundestagswahldebakel noch immer nicht verdaut: Vor dem kleinen Parteitag am morgigen Sonnabend in Erfurt braut sich an der Basis erhebliche Unzufriedenheit mit der Parteispitze zusammen. “Man schämt sich für die FDP in der Öffentlichkeit und wird ausgelacht”, schreibt Vera Hohlfeld, Parteimitglied und Chefin der Thüringen-Rundfahrt der Frauen, in einem offenen Brief (liegt OVZ vor). Die Parteispitze habe es versäumt, das niederschmetternde Wahlergebnis aufzuarbeiten und die Basis mitzunehmen – namentlich der Spitzenkandidat Patrick Kurth und Landesparteichef Uwe Barth stehen in der Kritik. “Ein Weiter so führt aus meiner Sicht direkt zum nächsten Desaster”, schreibt Hohlfeld. Die Parteibasis werde völlig im Stich gelassen. “Die Basis ist unwichtig, mit Ausnahme vor Wahlen. Es geht nur um Posten und Macht”, macht sie ihrem Ärger Luft. Die Aussichten der FDP, im Herbst 2014 erneut in den Landtag zu kommen, seien gleich Null. “Wofür steht eigentlich ganz kurz und knackig die FDP Thüringen? Die Bürger wissen es nicht! Ich weiß es auch nicht mehr.”

Der FDP-Kreisverband Ilmkreis hatte im Vorfeld beantragt, die Delegiertenversammlung zu verschieben und stattdessen über Konsequenzen aus der Wahl zu diskutieren. Der Landesvorstand lehnte dies ab. “Wir haben über die Bundestagswahl intensiv diskutiert. Wir müssen den Blick jetzt nach vorn richten”, sagt der FDP-Landtagsabgeordnete Thomas Kemmerich. Der Ostthüringer Abgeordnete Dirk Bergner sieht die Kritik gelassen: “Die FDP steht vor keiner Zerreißprobe. Es ist allen klar, dass wir nachdenken müssen, wie kommen wir besser rüber.” Die liberale Idee an sich habe längst nicht ausgedient. Die Thüringer FDP habe seit der Wahl 70 neue Mitglieder gewinnen können. Am Sonnabend treffen sich die Liberalen in Erfurt, um die Landesliste für die Landtagswahl im September 2014 zu wählen. Uwe Barth will als Spitzenkandidat antreten.

Robert Büssow