12.11.2008 | OTZ

Eine Stimme Unterschied

Dr. Johannes Frackowiak als Bundestagskandidat der Liberalen aufgestellt

Von OTZ-Redakteurin Ulrike Grötsch

Schmölln. In einer Kampfabstimmung hat die FDP entschieden, wer 2009 im Bundestagswahlkreis Altenburg/Greiz als Direktkandidat antritt. Mit 29 zu 30 Stimmen unterlag auf der Wahlveranstaltung der von den Liberalen aus Greiz favorisierte und bereits zur vergangenen Bundestagswahl als Kandidat angetretene Jens Zimmer aus Zeulenroda dem Altenburger Mitbewerber Dr. Johannes Frackowiak.

Auf der gemeinsamen Veranstaltung der zwei FDP-Kreisverbände ging es emotionsgeladen zu. Der Greizer Kreischef Dirk Bergner warb sachlich um die Stimmen der Altenburger. “Wenn es bergauf geht, spannt man das Pferd, das den Karren bisher gezogen hat, nicht aus!”, erinnerte er. Jens Zimmer habe bei den Zweitstimmen im jüngsten Bundestagswahlkampf die meisten in Thüringen gezogen. Doch Altenburgs Kreischef Daniel Scheidel hielt prompt dagegen, dass sie der Meinung seien, einen noch besseren Kandidaten mit Frackowiak zu haben. Die danach erfolgte Vorstellung der beiden Bewerber konnte unterschiedlicher nicht sein. Die von Dr. Frackowiak, er sprach als erster, war von starker Nervosität geprägt. Die FDP habe Wahlhelfer, nämlich die große Koalition, argumentierte er. Misswirtschaft führe dazu, dass liberale Konzepte immer mehr Gehör finden würden. Einen Überwachungsstaat zu bilden, wäre mit ihm nicht machbar. Weitere Allgemeinplätze folgten. Die Gäste aus Greiz und Zeulenroda zeigten sich enttäuscht, sie wollten eigentlich etwas über den Menschen Frackowiak erfahren. Das fehlte ihnen bis dahin.

Jens Zimmer, man merkte ihm seine im vorangegangenen Wahlkampf gesammelten Erfahrungen an, stellte sich vor, dankte den Altenburgern für ihre Unterstützung im Wahljahr 2005. Seine eingefahrenen Stimmen waren auch das Ergebnis guter Zusammenarbeit beider Kreisverbände, begann er. Spritzig erklärte er, dass man an einer Steilwand nun Gas geben müsse, und das wolle er. In der Region verwurzelt, müsse, angefangen im Altenburger Land, in Ostthüringen Arbeit geschaffen werden, um der Abwanderung entgegenzuwirken. Mit Zahlenjongliererei redete danach Scheidel plötzlich die Ergebnisse von Jens Zimmer klein. Das veranlasste Dirk Bergner zum Eingreifen. Er betonte, dass die FDP immer einen klaren Zweitstimmenwahlkampf geführt habe. “Ich halte es für wenig fair, das zu kritisieren, wofür sich Jens Zimmer eingesetzt hat”, argumentierte Bergner. Ihm jetzt in die Kniekehlen zu treten, hielt er für völlig daneben. Nach Kampfabstimmung, ob in der Vorstellungsrunde der Bewerber nur Fragen gestellt oder auch Erklärungen abgegeben werden können, gab es Einwürfe der Gäste aus dem Nachbarkreis, es möge bitte sachlich zugehen. “Es bringt nichts, wenn wir uns in die Fresse hauen”, so ein Greizer. Dirk Bergner appellierte, es möge Emotionalität um die Sache sein und nicht unterhalb der Gürtellinie. Zuvor hatte Torsten Grieger auf Jens Zimmer herumgehackt. “Die Gegner sitzen nicht hier, sie sind draußen, es sind die Roten, Dunkelroten und Schwarzen”, meinte Bergner. Auch einem Altenburger wurde es zu bunt. Wolfgang Kertscher stand auf und erklärte, es gehöre Mut dazu, Zweitstimmen einzufangen. Jens Zimmer gratulierte dem Sieger. So sind Mehrheiten, aber es werden nicht die letzten Wahlen sein, sprach er. Der Greizer FDP-Chef nahm's sportlich: Der Wahl folgen weitere. Scheidel am Ende: Wenn wir wieder mal 'nen Kandidaten haben, rufen wir euch beim nächsten Mal vorher an.

Kommentiert

Unbedingt Altenburger

Von Ulrike Grötsch

Schalla und Co. können sich an die Brust klopfen. Ihr Husarenstreich war erfolgreich. Sie haben ihren Bundestagskandidaten durchgepeitscht. Am Ende zählen in einer Demokratie Mehrheiten. Die haben sie erreicht.

Ihr Beliebtheitsgrad muss mit diesem Husarenstreich bei einigen Parteifreunden aus dem Nachbarkreis und auch bei den Gästen der Landes-FDP nicht zwangsläufig damit gestiegen sein. Im Gegenteil, ihr Agieren hatte den Anschein, es gehe ihnen weniger um Stimmen und Sachthemen, sondern nur darum, dass es eben ein Altenburger sein müsse, den man unbedingt zum liberalen Bundestagskandidaten zu küren habe. Es ging wohl eher darum, jemandem (wem eigentlich) den dicken Daumen zu zeigen. Es muss sich erst erweisen, dass ihr Kandidat solche Ergebnisse einfahren kann wie Jens Zimmer. Aber die FDP ist ja dafür im Kreis bekannt, dass sie auf jedem herumhackt, nun auch auf den eigenen Leuten.