13.09.2002 | OVZ

Jens Güther: Ein ehrlicher Macher

Bundestagskandidaten vorgestellt (2)

Altenburg (OVZ). Es regnet und die meisten Kneipen ringsum, in denen man sich unterhalten könnte, haben zu. “Ja so ist das bei uns in Ostthüringen.” Jens Güther, Bundestagskandidat der FDP für den Wahlkreis Altenburger Land/Greiz lässt zunächst offen, ob er damit ständig schlechtes Wetter oder geschlossene Gaststätten meint. Wer ihm länger zuhört, merkt aber bald, dass ihm kleine Betriebe, wie eben auch Wirtshäuser, am Herzen liegen. Und damit es denen bald besser geht, dafür steht der Freie Demokrat ein.

Deshalb steht auf seinen Plakaten und Handzetteln auch markig: “Der macht's!” Wenn er etwas anfange, erläutert Güther seinen Slogan, “dann mache ich das ordentlich und bis zum Ende.” Das wird man in seiner Bergaer Firma, wo Güther als Elektroinstallateur angestellt ist, bestätigen. Und genau diesen vollen Einsatz für etwas, legt er nach, “den habe ich bei Kahl und Friedrich vermisst”, die bislang für den hiesigen Wahlkreis für CDU und SPD im Bundestag saßen.

Säße Güther bald in Berlin, würde er bestimmt etwas tun gegen die schlechte Zahlungsmoral, mit denen sich der Mittelstand ständig herumplagt und er würde etwas tun für eine Fachhochschule in der Region, damit die jungen Leute hier bleiben und hier ihr Geld ausgeben.

Doch der strohblonde Greizer weiß genau, er wird in den nächsten 4 Jahren gewiss nicht für die FDP im Bundestag sitzen. Ein Direktmandat hat, bis auf ein, zwei Ausnahmen, noch nie ein Freier Demokrat gewonnen. Und könnte er über seinen Listenplatz acht doch auf den blauen Sesseln im Reichstag landen, dann müsste die FDP 30 % in Thüringen einfahren. Also selbst die magischen 18 %, für den 35-Jährigen ein “wunderbares Ziel”, würden längst nicht reichen.

Und so versteht der Hobby-Gleitschirmflieger seinen Kampf ums Direktmandat in erster Linie als Einsatz für die FDP. Dass Parteichef Guido Westerwelle nicht an den Kanzlerduellen im Fernsehen teilnehmen durfte, nennt Güther dann auch prompt die “größte Sauerei, die es gibt”.

Nach dem Altenburger Land gefragt, fällt dem Greizer zuerst die hohe Arbeitslosigkeit ein, die man über eine bessere Infrastruktur bekämpfen könne. Altenburg braucht “die …, die …, na Sie wissen schon, welche Bundesstraße unbedingt ausgebaut werden muss.” Und der Autobahnanbinder sei auch ganz wichtig. Das Altenburger Land und seine Probleme kenne er bis ins Detail natürlich nicht, gibt er zu, er gehe schließlich jeden Tag auf Arbeit und sei kein Berufspolitiker, wie seine Kontrahenten von SPD und CDU. Ziemlich ehrlich geht der Familienvater auch mit der Verantwortung seiner Partei um, die vor Rot-Grün immerhin 29 Jahre an der Regierung war. Da seien auch Fehler gemacht worden, und wenn einige altbekannte Gesichter nun wieder auftauchen, dann müsse das nicht unbedingt sehr glaubwürdig sein.

Egal, wie die Wahlen ausgehen, von Jens Güther wird man nach dem 22. September wieder hören. Bei den nächsten Landtagswahlen strebt er erneut einen Parlamentssitz an, dann in Erfurt.

Jens Rosenkranz