30.10.2002 | OTZ

Struktur des Kreisverbandes sorgt für reichlich Zündstoff

Von OTZ-Redakteurin Jana Borath

Gleina. Die Auswertung der Bundestagswahl fiel kurz aus auf der Kreisverbandsversammlung der FDP Altenburger Land am Montag Abend in Gleina. Vielmehr brannten den Anwesenden die Themen Struktur, Arbeit und Organisation des eigenen Kreisverbandes unter den Nägeln. Zumal die Liberalen anstreben, bei den nächsten Kommunalwahlen in Gemeinde- und Stadtparlamente sowie in den Kreistag einzuziehen.

Kontrovers verlief die Diskussion, in deren Mittelpunkt die Gründung von Ortsverbänden im Altenburger Land stand. Ein Vorschlag des Kreisvorstandes, um die Parteiarbeit auf breitere Schultern zu verteilen, um klassische Basisarbeit leisten zu können, d. h. Parteiinhalte an die Leute zu bringen.

Klaus Kertscher aus Lehndorf gehört zu den Befürwortern: “Ohne Organisation vor Ort geht es nicht. Wir brauchen Sprachrohre”, sagte er. Möglich wäre, so Vorstandsmitglied Eberhard Heinze, einen Ortsverband Altenburg zu gründen, dort seien 12 Mitglieder registriert. In Schmölln und Gößnitz gebe es elf Mitglieder, was für einen Ortsverband Schmölln/Gößnitz spräche.

Torsten Grieger aus Altenburg hingegen lehnte den Gedanken an solche Strukturen ab: “Wie wär's, wenn wir erst mal einen funktionierenden Kreisverband aufbauen würden”, fragte er. Zumal der Kreisverband mit Blick auf die Mitgliederzahlen viel zu klein sei für Ortsverbände. “Wir sollten die Kräfte bündeln und zwar im Kreisverband, statt sie zu spalten durch Ortsverbände.” Karsten Schalla aus Schmölln pflichtete Grieger bei: Mit Blick auf die Mitgliederliste Ortsverbände auszuwählen, sei eine Milchmädchenrechnung. Vielmehr wäre es zunächst angebracht, im Kreisverband auf einander zu zu gehen, Inhalte zu formulieren, um sich klar darüber zu werden, was die Liberalen im Landkreis erreichen wollen. Dann müsse man nach Wegen suchen, liberale Ziele den Bürgern nahe zu bringen. Klaus Kertscher pflichtete dem bei und ergänzte, dass man aber gerade dafür ein Organisations-System benötige.

“An der Tiefenarbeit kommen wir nicht vorbei.” Zumal für die FDP die meisten Wählerstimmen am 22. September in den Städten des Kreises wegbrachen, nicht in den Gemeinden. “Dort kennen sich die Leute, kommen in Gespräche, nicht selten über Politik”, begründete Klaus Kertscher.

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Netze flechten

Von Jana Borath

Beim Anblick der siebzehn Leute, die sich als FDP-Kreisverband in der Backstube des “Kertscher Hofes” Gleina um die liberale Zukunft im Kreis ihre Sorgen machen, mutet der Gedanke an zu gründende Ortsverbände im Altenburger Land zweifelsohne seltsam an. Aus welchem Mitgliederpotenzial sollten sich selbige wohl speisen?

Es ist unumstritten, dass die Liberalen im Altenburger Land zunächst Kompetenzen und Kräfte bündeln müssen. Sie müssen sich klar darüber werden, welche Themen sie in nicht mehr ferner Zukunft besetzen können, um den Einzug in kommunale Parlamente zu meistern. Andererseits liegt es auf der Hand, dass sie vor allem eines brauchen, um dieses hohe Ziel zu erreichen: die Stimmen der Wähler. Selbige mobilisiert man in erster Linie wohl doch vor Ort in den Städten und Gemeinden, deren Geschicke die Liberalen rein kommunalpolitisch gerne mit bestimmen möchten. Dafür notwendig ist sicher mehr als ein elitärer Kreis von einigen Unentwegten, die Visionen besitzen und strategisches Denken. Denn was nützt die rhetorische Brillanz der Kreisverbändler, wenn ihnen kaum jemand zuhört, da sie nur wenigen bekannt sind? Insofern führt kein Weg daran vorbei, dass eine geeinte FDP-Kreisspitze ausstrahlt und Netze flicht, um ihre politischen Themen und Anliegen überhaupt transportieren zu können. Ob selbiges Geflecht dann die Züge von Ortsverbänden trägt, spielt dabei wohl eine eher untergeordnete Rolle.