01.11.2002 | OVZ

FDP will wieder in den Kreistag und Stadtparlamente

Die Freien Demokraten des Altenburger Landes lecken nach der Bundestag “ihre Wunden”, blicken aber gleichzeitig auch in die Zukunft, denn am 27. Januar 2003 soll ein neuer Kreisvorstand gewählt werden. Kreisvorsitzender Rolf Hermann machte in dieser Woche klar, dass es den Liberalen unbedingt gelingen müsse, bei den nächsten Kommunalwahlen wieder in den Kreistag, aber auch in die Kommunalparlamente der Städte Altenburg und Schmölln einzuziehen. Sein Vorschlag, Ortsverbände zu bilden, wurde jedoch heftig kritisiert.

Liberale wollen wieder in den Altenburger Kreistag einziehen

Kontroverse Debatte über Ortsverbände / Vorstandswahl am 27. Januar

VON JÜRGEN HOFMANN

Gleina (OVZ). Ungewohnte Enge herrschte in der “Backstube” des Landhotels “Kertschers Hof” in Gleina. Wo sich sonst bei FDP-Veranstaltungen fünf oder sechs Liberale nicht gerade drängelten, war kaum noch ein Platz zu bekommen. Die FDP des Altenburger Landes leckte nach der Bundestagswahl ihre Wunden, blickte gleichzeitig aber auch in die Zukunft, denn am 27. Januar 2003 soll ein neuer Kreisvorstand gewählt werden.

Vor dem Blick nach vorn gab es aber zuerst einen kurzen Blick zurück. In seinem Resümee der Bundestagswahl-Ergebnisse konstatierte Kreisvorsitzender Rolf Herrmann: “Natürlich sind wir mit den erreichten Ergebnissen auf Bundesebene nicht glücklich. Trotzdem können wir konstatieren, dass die Liberalen im hiesigen Wahlkreis 197 sowohl bei den Erst- als auch bei den Zweitstimmen das beste Ergebnis in Thüringen holten.”

Herrmann machte klar, dass es den Liberalen unbedingt gelingen müsse, bei den nächsten Kommunalwahlen wieder in den Kreistag, aber auch in die Kommunalparlamente der Städte Altenburg und Schmölln einzuziehen. Gleiches gelte für die Landtagswahlen im Freistaat.

Der Vorsitzende regte an, in Zukunft Ortsverbände im Altenburger Land zu bilden, um die Präsenz der FDP in verschiedenen Orten zu verstärken. Außerdem sollen innerhalb des Kreisvorstandes Ausschüsse besetzt werden, damit die Vorstandsmitglieder mehr in die Verantwortung eingebunden werden.

Dies traf auf energischen Widerstand von einigen Mitgliedern. “Wir brauchen keine neuen Ortsverbände, sondern endlich einen vernünftig funktionierenden Kreisverband”, hielt beispielsweise Torsten Grieger aus Altenburg dagegen. Man habe viel zu wenige aktive Mitglieder, um jetzt auch noch die Kräfte zu zersplittern. “Vielleicht sollen mit diesem Vorschlag kritische Stimmen mundtot gemacht werden”, vermutete Grieger.

Der Schmöllner Karsten Schalla legte noch einen nach, als er dem Kreisvorstand vorwarf, viele Aktivitäten im Wahlkampf einfach “abgewürgt” zu haben. Schalla erinnerte in diesem Zusammenhang besonders an das Projekt “Liberales Frühstück”, das dem Vorstand offensichtlich nicht genehm war. Außerdem habe er bei Wahlveranstaltungen des eigenen Direktkandidaten Jens Güther nicht ein einziges Mitglied des Kreisvorstandes gesehen.

Schalla wies in diesem Zusammenhang jedoch entschieden Vorwürfe, die offenbar noch vor der Mitgliederversammlung erhoben worden waren, zurück, man wolle den Vorstand stürzen. Dies sei Unsinn, viel mehr solle der Einfluss der FDP im Altenburger Land stärker werden. Auch im neu zu wählenden Vorstand müssten wieder bewährte Parteifreunde mitwirken. “Wir brauchen ganz einfach die Kompetenz von solch erfahrenen Mitgliedern wie Rolf Herrmann oder Peter Bugar und anderen”, unterstrich Schalla. Jetzt dürfte man bis zu den Wahlen im Januar aber keine Zeit mehr verstreichen lassen, sondern sich über wichtige Grundzüge liberaler Kommunalpolitik im Altenburger Land verständigen.

Meine Meinung

Noch steinigen Weg vor sich

VON JÜRGEN HOFMANN

So ganz haben die Liberalen im Altenburger Land die schmerzliche Niederlage noch nicht verwunden. Nein, nicht jene vom 22. September dieses Jahres, als Rot-Grün wieder triumphierte. Vielmehr kaut noch so mancher an den 4,96 Prozent herum, die der FDP im Jahr 1999 den Einzug in den Kreistag kosteten. Und da auch in den fünf Städten des Altenburger Landes kein Liberaler mehr ein Mandat bekam, ist der Einfluß der Freien Demokraten in der Region ziemlich bescheiden geworden. Das soll sich bei den nächsten Wahlen gründlich ändern. Auch deshalb haben sich einige der jüngeren Mitglieder schon in Stellung gebracht, um im neuen Kreisvorstand kräftig mitmischen zu können. Die jetzt erstmals auch öffentlich geäußerte Kritik an den bisherigen Vorständlern lässt im Januar sogar einen “Machtwechsel” möglich erscheinen.

Das kann allerdings nur der erste Schritt sein. Wenn es der FDP nicht gelingt, mehr Mitglieder für sich zu gewinnen – im Moment sind es gerade 36 – kann auch der beste Vorstand keine Wunder vollbringen. Denn bei den Wählern kann man bekanntlich nur mit dem Einsatz für ganz konkrete Sachthemen, nicht aber mit Sprüchen punkten.

Die Freien Demokraten haben also im Altenburger Land noch einen steinigen Weg vor sich.