19.12.2002 | OVZ

"Ländlicher Raum gerät ins Abseits"

VG-Chef Bugar fordert den Ausbau der Eisenberger Landstraße und kritisiert Altenheimbau in Schmölln

VON JENS ROSENKRANZ

Mehna (OVZ). Der Chef der Verwaltungsgemeinschaft (VG) “Altenburger Land” Peter Bugar (FDP) hat davor gewarnt, den ländlichen Raum weiter zu vernachlässigen. Bugar forderte auf einer Gemeinschaftsversammlung am Dienstag in Mehna insbesondere den Ausbau der “Eisenberger Landstraße” und kritisierte die Verlagerung des Alten- und Pflegeheimes von Lumpzig nach Schmölln. Die VG-Versammlung beschloss des Haushalt 2003, der eine höhere Gemeindeumlage enthält.

Der Ausbau der “Eisenberger Landstraße” sei die einzig nennenswerte Chance für eine wirtschaftliche Entwicklung im VG-Gebiet, sagte Bugar. Bei über 7.000 Fahrzeugen am Tag mit erhöhtem Schwerlastverkehr und den Nadelöhren Hartha und Göhren reichten kosmetische Veränderungen nicht aus, um den Raum für Investoren attraktiv zu machen. Außerdem sei die Straße die kürzeste Verbindung von Altenburg nach Gera. Daher müsse nun darum gerungen werden, den Abschnitt auf der Dringlichkeitsliste ganz nach oben zu bekommen.

Anstatt das VG-Gebiet zu entwickeln, deuteten eine Reihe von Beispielen auf Stagnation und Abwicklung hin. Der VG-Vorsitzende nannte dabei unter anderem geschlossene Verkaufsstellen und Poststuben, nur mit Mühe und Not erhaltene Arztpraxen und gefährdete Sparkassenzweigstellen. Geradezu gravierend sei das dichtgemachte Kinderheim Zweitschen, das, nachdem es mit Umlagen der Gemeinden zuvor renoviert wurde, nun zum Verkauf steht.

Ein Zeichen von Rückbau von Lebens- und Wohnqualität auf dem Lande sei auch die Schließung des Altenpflegeheimes Lumpzig. Dafür soll Schmölln für 5,6 Millionen Euro eine zweite Senioren-Einrichtung bekommen. Statt eines zweiten Hauses für die Sprottestadt hätte man mit diesem Geld das alte Heim in Lumpzig renovieren können. Bugar forderte die elf Mitgliedsgemeinden auf, dieser für die Region bedrohlichen Entwicklung entgegen zu treten.

Einstimmig beschloss die VG-Versammlung den Haushalt der Gemeinschaft für das kommende Jahr, der mit 763.000 Euro um 17.000 Euro höher als im vergangenen Jahr ist. Einziger Diskussionspunkt am Dienstag war dazu die Erhöhung der VG-Umlage für die Gemeinden von 91,91 auf 94,55 Euro pro Einwohner und Jahr, die vom VG-Chef mit einer Verringerung der Einwohnerzahl um 96 begründet wurde.

Während einige Gemeindevertreter dies murmelnd als “nicht gerade wenig” kommentierten, kritisierte Egon Steinicke aus Dobitschen die Steigerung offen als verhängnisvolle Entwicklung und nahm auch die Begründung dafür aufs Korn. Wenn die Einwohnerzahlen sinken, könne die VG nicht die Umlage erhöhen. Denn bei sinkenden Zahlen, rechnete Steinecke vor, bekämen schließlich auch die Gemeinden weniger Geld und hätten bei höheren Umlagen noch weniger davon. Steinecke forderte stattdessen, die Umlage unter den gegebenen Bedingungen zu senken.

“Dann sind wir nicht mehr in der Lage, unsere Aufgaben zu erfüllen”, beharrte VG-Chef Bugar auf der Erhöhung. Seit 1994 habe man in Mehna dafür gesorgt, auch das Personal der Verwaltung zu reduzieren, von 22 auf 15, und dabei der gesunkenen Einwohnerzahl Rechnung getragen. Bugar verteidigte die Höhe der Zahlungen auch mit Investitionen der Mitgliedsgemeinden in Einrichtungen, die von allen genützt würden. Dabei nannte er besonders das Festzelt samt Hänger oder das Computerkabinett der Regelschule Dobitschen, wofür die VG 10 000 Euro beigesteueret hatte. Darauf hätte man, einer niedrigeren Umlage zuliebe, verzichten können. “Aber das wollen wir nicht”, sagte Bugar.

Unterstützung bekam er vom Starkenberger Bürgermeister Wolfram Schlegel (SPD), der die Dienstleistungsfunktion der VG hervorhob. Diese, forderte Schlegel, “solle uns allen am Herzen liegen.”