04.12.2013 | OVZ

Überraschung kurz vorm Nikolaus

Mit verschiedenen Plänen sollen gefährdete Schulen erhalten werden

Altenburg. Vor der heutigen Kreistagssitzung zeichnet sich nicht klar ab, dass im Zuge der neuen Schulnetzplanung bis 2019 eine der gefährdeten Einrichtungen geschlossen wird. Allerdings kursieren Papiere, in denen von der Übergabe einer Grundschule von der Trägerschaft des Kreises in die der jeweiligen Gemeinde und von der Umwandlung in eine musikalische Grundschule die Rede ist. Sogar der Neubau einer Gemeinschaftsschule im Gebiet der Verwaltungsgemeinschaft Oberes Sprottental soll geprüft werden.

Von Jens Rosenkranz

Wegen sinkender Schülerzahlen gilt vor allem der Bestand der Grundschulen Ponitz und Großstechau als gefährdet. Bisherige Beschlussvorschläge sahen vor, dass Ponitz für die Schuljahre 2014/15 und 2015/16 nur noch befristet weitergeführt und zum 31. Juli 2016 geschlossen wird. Die Schulanfänger im September 2015 werden bereits in die Grundschule Gößnitz eingeschult. Für dieses Modell zeichnet sich aber keine Mehrheit ab. Erst kürzlich hatte sich Jürgen Ronneburger als Chef der größten Kreistagsfraktion, die der CDU, für den Erhalt kleiner Schulen ausgesprochen.

Außerdem macht seit einigen Tagen ein fraktionsübergreifender Antrag die Runde: Ponitz bis 2019 eine Chance zu geben. Initiatoren sind Kreistagsmitglieder aus Ponitz, Unterzeichner sind Mitglieder von SPD, CDU, Linken, Grünen und der Regionalen sowie der FDP, obwohl die Liberalen sich im Nachgang heftig wunderten, dass sie als Antragsteller genannt werden. Dennoch hat die FPD signalisiert, Ponitz keinesfalls schließen zu wollen. Hinzu kommt, dass auch die Gemeinde selbst 100 000 Euro in die Grundschule investieren würde, obwohl sie gar kein Schulträger ist und ein solches Finanzierungsmodell bei Fachleuten höchst umstritten ist. Der fraktionsübergreifende Antrag sieht vor, die Ponitzer Bildungsstätte zu einer “Musikalischen Grundschule Thüringens” zu entwickeln. Die Initiatoren versprechen sich dadurch, die prognostizierten Schülerzahlen deutlich zu verbessern. 2017 will man sehen, ob diese Pläne aufgehen. Im Moment sieht es so aus, dass die Grundschule zu Beginn des nächsten Schuljahres 46 Schüler hat, unter anderem fünf in Klasse 2, 13 in Klasse 3 und neun in Klasse 4.

Für Erhalt und Weiterentwicklung der ebenfalls über Schülermangel klagenden Regelschule Nöbdenitz könnte es heute einen überraschenden Vorstoß des nichtöffentlich tagenden Schulausschusses geben, der auf Vorschlag der FDP zustande kam. Danach soll eine Variantenuntersuchung im Gebiet der Verwaltungsgemeinschaft Oberes Sprottental veranlasst werden, die einen Umbau oder sogar den Neubau einer Schule prüft, die die Klassen eins bis zehn in Form einer Thüringer Gemeinschaftsschule vereint. Klarheit darüber soll bis Ende 2016 bestehen. Im Februar 2017 würde dann der Plan für die Schulorganisation der Grundschulen Thonhausen und Großstechau sowie der Regelschule Nöbdenitz aktualisiert werden. Für Erhalt und Erweiterung der Regelschule Nöbdenitz wurde mittlerweile eine Unterschriftensammlung initiiert (siehe Kasten unten).

Sollten Um- oder Neubau sich nicht als sinnvoll erweisen, gibt es sogar einen Plan B. Der betrifft speziell den Erhalt der Grundschule Großstechau und hat seinen Ursprung in der Gemeinde Löbichau. Diese hat sich OVZ-Informationen zufolge grundsätzlich für eine Übernahme der Trägerschaft der Grundschule am Standort Großstechau ausgesprochen.

Unterschriftensammlung und Demonstration

Vor Beginn der heutigen Kreistagssitzung um 17 Uhr wird mit einer Demonstration vor dem Landratsamt gerechnet. Als Teilnehmer haben sich vor allem Einwohner der Gemeinde Ponitz angesagt, die den Erhalt ihrer Grundschule einfordern wollen.

Möglich ist, dass sich der Kundgebung auch Lehrer und Eltern aus dem Raum Nöbdenitz anschließen werden. Dort läuft seit einiger Zeit eine Unterschriftensammlung. OVZ-Informationen zufolge wurde ein Großteil davon bereits im Landratsamt abgegeben. Insgesamt wird mit über 800 Unterzeichnern gerechnet. Die Bürger unterstützen auf diese Weise die Forderung zum Erhalt und zur Erweiterung einer weiterführenden Schule in der Verwaltungsgemeinschaft Sprottental, wie es im Antrag heißt.

Auf den Begriff Gemeinschafts- oder Regelschule haben die Initiatoren bewusst verzichtet, um die Inhalte der Schule und nicht den Namen zu betonen. Als Vorteile werden unter anderem das Lernen in kleinen Klassen in einer ruhigen Schule, in vertrautem Umfeld sowie Übergangsmöglichkeiten zum Gymnasium nach den Klassen 5, 6, 7, 8 und 10 ohne Schulzeitverlängerung genannt. Weiterhin geht es um individuellen, leistungsorientierten Unterricht, breitere Angebote durch Ganztagsbetreuung und Vernetzung mit Firmen, Gemeinde und Vereinen, mehr Zeit für die Arbeit mit dem Kind sowie eine Berufs- und Studienorientierung ab Klasse 7.

jr

Kommentar

Merkwürdige Rettungsversuche

Von Jens Rosenkranz

Es ist völlig verständlich, dass Eltern, Lehrer und aktive Bürger sich für den Erhalt ihrer Schulen einsetzen. Mitunter wünschte man sich nur, dass der gleiche Druck gemacht wird, wenn es um die Reduzierung von Unterrichtsausfall, Lehrermangel oder jahrelang unbesetzte Leiterstellen geht.

Darüber haben die Kreisräte heute nicht zu entscheiden. Sie haben guten Gewissens zu verantworten, ob der Kreis bis 2019 jene Schulen unterhalten kann, die im Plan aufgelistet sind. Dabei weiß jeder von ihnen, dass schon jetzt der Investitionsstau in die Millionen geht und Jahr für Jahr weiter wächst. Auch um diese Frage dreht es sich heute, obwohl sie nicht direkt auf der Tagesordnung steht.

Ganz nebenbei geht es um Merkwürdigkeiten, wie jenen 100 000 Euro, die Ponitz für etwas übrig hat, wofür es nicht zuständig ist. Oder Löbichau, das seine Schule gleich ganz in die eigene Obhut nehmen würde. Und sogar um einen Neubau, dessen Finanzierung in den Sternen steht.