12.11.2008 | OVZ

Reaktion auf Klüngel-Vorwurf

“Ich kenne diesen Prinzen nicht”

Altenburg. Der Vorwurf des Klüngels gegen die Linken-Fraktionschefin im Kreistag, Michaele Sojka, war deutlich formuliert: “Frau Sojka hat den Landrat nicht nur einst mit in den Sattel gehoben, sie war wiederholt zusammen mit ihm zur Jagd auf den Gütern derer von Schaumburg-Lippe”, verkündete am Montag in einer öffentlichen Mitteilung der FDP-Kreischef, Daniel Scheidel. Gestern folgte die Reaktion der linken Politikerin. “Die Aussage, ich hätte irgendwo auf blaublütigen Gütern gejagt, ist schlicht falsch”, antwortete Michaele Sojka in einem offenen Brief. Und sprach von einem Wahlkampf “auf unterstem Stammtisch-Niveau”.

Auslöser des verbalen Gefechts ist die Neubesetzung eines Sitzes im Kreisausschuss, dem wichtigsten Fachgremium des Kreistages. Der FDP, die sich von Peter Bugar trennte, steht der Platz mangels ausreichender Fraktionsstärke nicht mehr zu – stattdessen besetzen nun die Linken den frei werdenden Sitz. Michaele Sojka beschrieb diesen Umstand als Genugtuung, was Daniel Scheidel zu Kritik an der politischen Glaubwürdigkeit der Linken veranlasste. Und damit zu dem Hinweis auf angebliche Jagdausflüge mit Landrat und Adel.

Michaele Sojka äußerte sich gestern “verwundert”, dass der Vorstand der FDP “selbst vor Lügen nicht zurückschreckt”. “Ich kenne diesen Prinzen nicht und meine bisherige politische Erfahrung lehrt mich, dass diese Herren mit blauem Blut auch eher Ihrer Partei als Mitglied beziehungsweise Sympathisant zuzurechnen sind als unserer. Verschrecken Sie also bitte Ihr Wählerklientel nicht, indem Sie behaupten, eine echte Linke hätte in deren Wald gehaust”, wandte sich die Linken-Fraktionschefin an die Liberalen. Und bot an, die “Irritationen” im persönlichen Gespräch auszuräumen. “Wir sind politische Konkurrenten, aber keine Feinde. Lügen nützen nur den Stammtischen zum Schüren von Politikverdrossenheit.”

Unterstützung bekam Sojka gestern von der Pressestelle des Landratsamtes. Der Ordnung halber werde mitgeteilt, dass der Landrat “noch niemals auf den Gütern beziehungsweise den Liegenschaften der Familie von Schaumburg-Lippe zur Jagd gewesen ist.” Somit sei “die Behauptung, dass der Landrat mit Frau Sojka dort zur Jagd gewesen ist”, unzutreffend.