14.01.2014 | OVZ

Viele profitieren, nicht alle zahlen

Bürgermeister uneinig, wie die Tourismus-Förderung organisiert und finanziert werden soll

Gößnitz. Wer soll für die Tourismus-Förderung im Altenburger Land bezahlen? Der Kreis aus der Kreiskasse? Oder nur jene Städte und Gemeinden, Hotels und Gaststätten, die von diesem Wirtschaftszweig profitieren und deshalb im Fremdenverkehrsverband zusammenarbeiten? Die Bürgermeister sind uneins.

Von Günter Neumann

Freundlich und kollegial im Ton, aber teils völlig gegensätzlich in den Standpunkten, so diskutierten die Bürgermeister die künftige Finanzierung der Tourismus-Vermarktung im Kreis – immerhin eine der ganz wenigen Wachstumsbranchen der Region. Das letzte Treffen des Gemeinde- und Städtebundes im alten Jahr bot eine gute Gelegenheit zum Gedankenaustausch, zumal der Kreistag gerade den Vorschlag vertagt hatte, dem Fremdenverkehrsverband diese Aufgabe offiziell zu übertragen – und dafür jährlich 320.000 Euro zu überweisen.

Wolfgang Scholz, einerseits Gößnitzer Bürgermeister, andererseits Kreistagsmitglied und Chef des Kreisverbandes, konnte das Dilemma aus eigenem Erleben schildern: Seine Stadt ist nicht Mitglied im Fremdenverkehrsverband und zählt mithin zu den “Trittbrettfahrern”. “Bei mir im Stadtrat ist das Thema schon zweimal einstimmig abgelehnt worden. Ich war als einziger dafür.”

Aber auch die Finanzierung des Tourismus-Marketings über die Kreiskasse bleibt umstritten. “Was ist es uns wert, gemeinsam als Landkreis aufzutreten und zum Beispiel den Haselbacher See und die Kohlebahn zu bewerben?”, fragte die Meuselwitzer Bürgermeisterin Barbara Golder (CDU). “Wir können auch nicht unter den Tisch kehren, was wir mit dem Fremdenverkehrsverband erreicht haben. Wir müssen das gemeinsam verantworten, das ist eine kommunale Aufgabe für alle.”

Schmöllns Bürgermeisterin Kathrin Lorenz (CDU) sah es ähnlich. “Wer nicht wirbt, der stirbt. Es gehört sich einfach für Kommunen, im Verband mitzumachen.” Es müssten aber auch all jene endlich ins Boot geholt werden, die Nutzen aus dem Tourismus ziehen, vom Gastwirt und Hotelier bis zum Heimatverein. Uwe Melzer (CDU), Kreistagsmitglied, Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft Pleißenaue, argumentierte mit dem Radwegekonzept. “Tourismus ist Wirtschaftsförderung, und der Fremdenverkehrsverband macht seine Sache sehr professionell.”

Doch das löst die finanziellen Sorgen der Kommunen nicht. Windischleuba ist freiwillig Verbandsmitglied und zahlt 500 Euro im Jahr. “Nach dem im Kreistag vorgelegten Modell wären es 4.000 Euro”, stöhnte Bürgermeister Gerd Reinboth (CDU). Auch für Langenleuba-Niederhain würde der Beitrag aufs Fünffache steigen, so Bürgermeister Jürgen Schneider (parteilos). “Andererseits sind wir von Anfang an dabei, und es bringt uns was.”

Rolf Hermann (FDP) aus Löbichau, ebenfalls Kreistagmitglied, brachte einen anderen Vorschlag ins Spiel. “Der Fremdenverkehrsverband sollte seine Hausaufgaben machen, Produkte entwickeln, die sich vermarkten lassen”, meinte er. Dann könnte es für konkrete Projekte, wie beispielsweise Radwege, einen Zuschuss vom Kreis geben. “Das wären überschaubare Größenordnungen. Und wenn alle im Boot sind, sind wir auch gern bereit, mehr zu zahlen.”

Am Ende machte die Schmöllner Rathauschefin einen Vorschlag, den alle gut fanden. Christine Büring, die Tourismusexpertin, die auch die Geschäfte des Verbandes managt, sollte zum nächsten Treffen des Gemeinde- und Städtebundes eingeladen werden, damit sich die Bürgermeister aus erster Hand über Projekte, Probleme und Lösungsmöglichkeiten informieren können.