17.04.2014 | OTZ

Eine gut gebaute Verbindung zwischen Wildenbörten und Großstechau

Mit der Straßenfreigabe feiern die Gemeinden Wildenbörten und Löbichau auch ihre langjährige Zusammenarbeit.

Wildenbörten/Großstechau. Sie misst 2.175 Meter, ist wirklich gut gebaut und der ganze Stolz von Rolf Hermann (FDP) und Gerhard Fischer (parteilos). Weshalb es sich die beiden Bürgermeister gestern nicht nehmen ließen, sich mit ihr gern und oft fotografieren zu lassen. Mal mit, mal ohne Ortseingangsschild im Hintergrund.

Die gute Nachricht

Die Rede ist von jener Verbindungsstraße, die beide Orte und damit auch beide Gemeinden miteinander verknüpft. Nach mehrmonatiger Sanierung ist sie seit gestern wieder befahrbar.

Lang genug hatte es gedauert, ehe die Arbeiter der Firma Wachenfeld ihr Werk beginnen konnten. Das war im vergangenen August gewesen. Davor waren beide Bürgermeister seit 2006 bemüht, ihr gemeinsames Straßensanierungsprojekt auf den Weg zu bringen. Die größte Geduld mussten sie bei der Fördermittelvergabe aufbringen. Hier kamen die Wildenbörtener und Löbichauer mit ihrem Projekt zwar mehrmals in die engere Auswahl. Aber leider nicht weiter und demzufolge auch nicht zu Geld. Was allerdings den Vorteil hatte, dass sich beide Kommunen auf dieses Straßenbauprojekt vorbereiten konnten. Schließlich galt es, Geld für den obligatorischen Eigenanteil aufzubringen. Den Löbichauern gelang dies etwas leichter, aufgrund ihrer Einnahmequellen via Gewerbegebiet Beerwalde. Die Wildenbörtener indes mussten ihr Tafelsilber in Form von Envia-Anteilen verkaufen. “Eigentlich wollten wir einen Kredit aufnehmen, um den Eigenanteil aufzubringen”, erzählt Gerhard Fischer. Doch die Kommunalaufsicht habe der Gemeinde einen Strich durch die Rechnung gemacht. So sei nur der Verkauf der Anteile geblieben. “Aber sie gingen nach Löbichau und damit in die unmittelbare Nachbarschaft”, nennt der Wildenbörtener einen kleinen Trost. Die Baukosten auf Löbichauer Seite – mit 1.725 Metern läuft hier der größte Teil der Verbindungsstraße – betragen laut Rolf Hermann insgesamt 602.000 Euro. Rund 466.000 Euro davon sind Zuwendungen vom Land Thüringen. Den Rest der Bausumme beglich die Gemeinde.

Der erste Bauabschnitt von Ortseingang zu Ortseingang kostete den Wildenbörtenern 132.500 Euro. Die Gesamtkosten hier lagen bei 394.500 Euro. Im zweiten Bauabschnitt führte die Kommune die ausgebaute Straße an die bereits 2012 sanierte Kreisstraße im Ort heran. Kostenpunkt: insgesamt 399.300 Euro, wovon die Wildenbörtener 31.400 Euro zahlen mussten.

Gerhard Fischer war gestern besonders froh und auch dankbar, dass die Anbindung der sanierten Straße an den 2012 instand gesetzten Ortskern mit der sanierten Kreisstraße gelang. “Und schön ist auch, dass sich Telefon- und Stromanbieter sowie die Gemeindewerke an diesem Projekt beteiligten”, so Fischer. Die Gemeindewerke beispielsweise schufen mit der Verlegung von Wasser- und Abwasserkanal die Voraussetzungen für die Kläranlage, die für Wildenbörten perspektivisch geplant ist.

Die Straßensanierung war übrigens auch strahlenschutztechnisch begleitet worden, weil in der alten Betonstraße zu DDR-Zeiten Haldenmaterial mit verarbeitet worden war. Das Material wurde im Zuge der Straßensanierung aufgebrochen und tief in den neuen Straßenkörper eingebaut. Nach erneuter Prüfung in Sachen Strahlenschutz konnte die Fahrbahn problemlos abgenommen werden. “Damit ist eine der letzten Straßen hier in der Region verschwunden, die noch mit kontaminiertem Haldenmaterial gebaut worden war”, sagte gestern Manfred Knittel von der Wismut GmbH.

Jana Borath

Jana Borath kommentiert

Mit Langmut zum Ziel

Jana Borath über Projekte und Grenzenlosigkeit

Was lange währt ,wird endlich gut. Das trifft mit Sicherheit auf die Straße zwischen Wildenbörten und Großstechau zu. Immerhin sieben lange Jahre verfolgten die Bürgermeister der beiden Nachbargemeinden dieses Projekt, ehe im vergangenen August die ersten Straßenarbeiter anrücken konnten. Immer wieder waren die beiden Kommunen vom Land Thüringen vertröstet worden, wenn es um ihre Fördermittelanträge ging. Nun hat es endlich geklappt, die 2175 Meter lange Piste ist für insgesamt gut eine Million Euro ordentlich ausgebaut und seit gestern wieder befahrbar. Obwohl die Wildenbörtener einen recht hohen Preis zahlen mussten dafür mit dem Verkauf ihres Tafelsilbers in Form von Envia-Anteilen. Doch auch das sieht Bürgermeister Gerhard Fischer noch recht optimistisch angesichts des Ergebnisses.

Eine gehörige Portion Langmut wünscht man jetzt nur noch den Löbichauern für eine einzige Strecke in ihrem Gemeindegebiet. Nämlich für die Straße zwischen Drosen und Ingramsdorf. Was lange währt wird endlich gut? Dass dies auch für diesen Flickenteppich gilt, der zu den schlechtesten Kreisstraßen im Altenburger Land gehört, dafür muss der Optimismus in der Tat unerschütterlich und grenzenlos sein.