05.11.2008 | OVZ

FDP wählt Kandidaten

Altenburg (E.P.). Früher als alle anderen Parteien hat die FDP Altenburger Land vorgestern Abend ihre Spitzenkandidaten für die Kommunalwahlen 2009 nominiert. Für die Stadt Altenburg ist es Wolfgang Krause, für den Kreis Karsten Schalla, der damit den Rücktritt vom Rücktritt wagt. Gewählt wurden auch die Landtags-Direktkandidaten.

FDP macht Nägel mit (bekannten) Köpfen

Spitzenkandidaten für Kreis und Städte nominiert

Altenburg/Kosma. Mehr Abgeordnete im Kreistag als jetzt, nach 15 langen Jahren der Abstinenz den Wiedereinzug in den Altenburger Stadtrat schaffen, im Schmöllner nicht mehr länger nur mit einem Mann sitzen – das sind die erklärten Ziele der Liberalen für die Kommunalwahl 2009. Früher als alle anderen Parteien gibt die FDP sich und ihren Vorhaben ein Gesicht. Vorgestern Abend wurden nicht nur die Landtags-Direktkandidaten gewählt, sondern auch die Spitzenkandidaten für den Kreis und die Städte Altenburg und Schmölln nominiert. Zwei weitere Personalentscheidungen lassen gleichfalls aufhorchen: Karsten Schalla ist wieder Chef der Kreistagsfraktion, aus der Peter Bugar ausgeschlossen wird.

Auf ihren beiden Wahlkreissitzungen sowie der anschließenden Mitgliederversammlung hat die FDP vorgestern Abend in Kosma Nägel mit Köpfen gemacht – und zwar sehr bekannten. So erhielten im Wahlkreis 43 der Löbichauer Bürgermeister Rolf Hermann und in Wahlkreis 44 der Kreisvorsitzende Daniel M. Scheidel als Direktkandidaten für den Thüringer Landtag das Vertrauen. Während die FDP hier als fast letzte der etablierten Parteien ihre Kandidaten in Stellung bringt, macht sie in Sachen Kommunalwahl den Vorreiter. “Es ist zwar nicht unbedingt üblich, die Spitzenkandidaten vorab zu nominieren, doch wir wollen zeigen, mit wem wir in den Wahlkampf ziehen”, begründet Daniel Scheidel die ungewöhnliche Aktion. Denn die kompletten Listen für die Kommunalwahl am 7. Juni werden erst Anfang nächsten Jahres gewählt.

Spitzenkandidat für den Altenburger Stadtrat ist der ehemalige Werbegemeinschaftsvorsitzende Wolfgang Krause, für den Stadtrat Schmölln der Banker Bastian Schwotzer. Im Kreis stellt sich erneut Karsten Schalla an die Spitze. Und das nicht nur für die neue Wahl, sondern auch in der noch laufenden Legislaturperiode. “Ich übernehme wieder den Fraktionsvorsitz”, erklärte der Altenburger Unternehmer. Allerdings zählt die Kreistagsfraktion ab sofort nur noch drei Mitglieder: Karsten Schalla, Rolf Hermann und Hans-Jürgen Heitsch. Sie haben einstimmig beschlossen, den eigentlich vierten im Bunde, Peter Bugar, mit sofortiger Wirkung aus der Fraktion auszuschließen. Er habe sich inzwischen an die Spitze der neuen politischen Gruppierung “Die Regionalen” gestellt, die ihren Beinamen als Landrats-Unterstützungstrupp längst weg hätte, so Schalla, der die Sache noch unter einem ganz anderen Blickwinkel betrachtete. “Noch vor Wochen war Peter Bugar todsterbenskrank. Es ist schon erstaunlich, wie schnell man unter bestimmten Voraussetzungen genesen und neue Aufgaben übernehmen kann.” Hintergrund: Bugar war aus gesundheitlichen Gründen Anfang 2007 vom Landrat in den Ruhestand versetzt worden. “Da kann man nur spekulieren, ob es da schon Absprachen gab”, so Schalla. Selbiges treffe auch auf den von der SPD zu den Regionalen gewechselten Wolfram Schlegel zu. Der ehemalige Flughafen-Geschäftsführer sei “sehr krank gewesen”, als die Gesellschaft in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet. Doch mit der Installierung eines neuen Geschäftsführers fühlte sich Schlegel wieder fit genug, um Wirtschaftsförderer im Landratsamt zu werden.

Politisch will sich die FDP im Wahlkampf wie gewohnt klar positionieren. Das bedeute zum Beispiel, verantwortungsbewusst mit Steuergeldern umzugehen, erläuterte der Fraktionschef. “Derzeit befindet sich der Kreis in einer solchen finanziellen Schieflage, dass der Haushaltsplan nur noch Makulatur ist. Wir werden deshalb konsequent hinterfragen, was wir uns noch leisten können und was nicht.” Immer neue Versprechen, wie sie die Linken ihren Wähler machen, seien purer Populismus, weil es überhaupt keine Reserven mehr gebe.

Kreischef Daniel Scheidel ging außerdem auf die brisanten aktuellen Themen wie Prinzenraub-Finanzierung oder die “Kehrtwende” der Linkspartei ein. Eine Diskussion dazu gab es nicht.

Ellen Paul

Personalie

Rolf Hermann kandidiert im Wahlkreis 43

Rolf Hermann ist seit 1990 Bürgermeister der Gemeinde Löbichau. Zunächst war er hauptamtlicher Bürgermeister, nach der Kreisreform übt er dieses Amt ehrenamtlich aus. Ab dem Jahr 2000 war er Mitarbeiter im Außendienst beziehungsweise Baukoordinator in verschiedenen Betrieben. Jetzt ist Hermann eigenen Angaben zufolge Mitarbeiter im öffentlichen Dienst.

Im Oktober 1999 trat Rolf Hermann in die FDP ein, bis zum Juni 2008 war er Mitglied im Kreisvorstand. Seit 2004 gehört er im Kreistag des Altenburger Landes der FDP-Fraktion an.

Der 59-Jährige ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Personalie

Daniel Scheidel kandidiert im Wahlkreis 44

Mitglied der FDP ist Daniel Scheidel erst seit 2004, doch schon 2005 wurde er zum Stellvertreter, später zum Kreisvorsitzenden gewählt. Von sich reden machte der passionierte Motorradfahrer 2006 mit seiner Landrats-Kandidatur. Die Liberalen wurden thüringenweit auf ihn aufmerksam und wählten ihn zum Vize-Landeschef. Seine Ämter ließ er ruhen, als staatsanwaltlich gegen ihn ermittelt wurde. Im Sommer wurde er als Kreisvorsitzender im Amt bestätigt, im Landesvorstand trat er aufgrund seiner beruflichen Neuorientierung als Marketingchef der Gumpert Sportwagenmanufaktur nicht wieder an.

Daniel Scheidel ist 49 Jahre alt, verheiratet und wohnt in Altenburg.

Kommentar

Rücktritt vom Rücktritt

Von Ellen Paul

Da hat sich bei den Liberalen einer mit Pauken und Trompeten auf der politischen Bühne zurückgemeldet, der sie schon fast verlassen hatte: Karsten Schalla. Nachdem ihn seine Parteifreunde im Kreistag mehrfach im Stich ließen oder gar öffentlich brüskierten, schmiss er nicht nur den Fraktionsvorsitz hin, sondern machte zudem keinen Hehl daraus, für den neuen Kreistag erst gar nicht wieder kandidieren zu wollen. Ständig allein gegen Windmühlenflügel anzurennen, das wollte er sich einfach nicht mehr antun.

Dass er jetzt den Rücktritt vom Rücktritt wagt, hat nicht nur mit dem reinigenden Prozess in seiner Partei und Fraktion zu tun, sondern vor allem auch mit der sich anbahnenden neuen politischen Kultur im Kreistag.
Rund scheint alles nach dem längst überfälligen Rausschmiss von Peter Bugar trotzdem noch nicht alles zu laufen. Oder wie sonst soll man werten, dass sich mit Rolf Hermann jemand um ein Landtagsmandat bewirbt, der seine jetzige Tätigkeit verschweigt? Der die Anstellung im Bauhof seiner von ihm als ehrenamtlicher Bürgermeister geleiteten Gemeinde mit “öffentlicher Dienst” verbrämt. Der seiner Sekretärin verbietet, darüber Auskunft zu geben. Damit hat nicht nur er, sondern auch seine Partei im Wahlkampf ein ziemlich hausgemachtes Glaubwürdigkeitsproblem.