01.11.2008 | OVZ

“Wir sind nicht die fünfte Kolonne des Landrats”

Neue politische Gruppierung gegründet: Die Regionalen wollen in den nächsten Kreistag

Kratschütz. Das Herumgeheimnissen hat ein Ende. Seit Dienstagabend hat das Altenburger Land eine politische Gruppierung mehr. Von Teilnehmern der Gründungs-Runde noch Stunden vorher dementiert, formierten sich im Altenburger Hof in Wintersdorf “Die Regionalen im Altenburger Land”. Darüber wurde vorgestern Abend offiziell auf einer Pressekonferenz in Kratschütz informiert.

Vorsitzender ist der aus der FDP ausgetretene ehemalige Chef der Verwaltungsgemeinschaft Altenburger Land, Peter Bugar. Zum Vorstand gehören weiterhin sein Nachfolger als VG-Chef, Sören Huppert, der gerade aus der SPD ausgetretene Starkenberger Bürgermeister und Wirtschaftsförderer im Landratsamt, Wolfram Schlegel, Lutz Misselwitz von der Wintersdorfer Unabhängigen Wählervereinigung sowie Manuela Barth aus der Verwaltungsgemeinschaft Oberes Sprottental.

Nach eigenen Angaben zählen die Regionalen derzeit 14 Mitglieder, darunter der Wintersdorfer Ex-Bürgermeister Thomas Reimann und Klaus-Peter Liefländer, die beide schon beim 2004 auf Kreisebene gescheiterten UWG-Projekt (Unabhängige Wählergemeinschaft) dabei waren. Das Trio aus Wintersdorf, wo es die Wählergemeinschaft noch gibt, komplettiert Klaus Gellrich. Mit dabei sind außerdem der Chef der Altenburger Hut und Putz GmbH, Harald Etzold, und die Schmöllner Schulleiterin Steffi Kersten. Nicht dazu gehört hingegen die Nobitzer Bürgermeisterin Martina Zehmisch, um die sich ebenfalls Spekulationen rankten.

Wert legte Bugar auf die Klarstellung: “Wir sind nicht die fünfte Kolonne des Landrats, sondern wir sind eigenständig und unabhängig. Und der Landrat ist bei uns auch nicht Mitglied.” Auf Nachfrage bestätigte Bugar allerdings, dass Rydzewski an der Gründungsversammlung am Dienstagabend in Wintersdorf teilgenommen hatte: “Der Landrat hat nur geschaut, ist dann aber wieder weg.” Er sei bei der Gründung nicht federführend gewesen und habe nicht versucht, Mitglieder zu werben, versicherte Bugar. “Also, ich sage nur, was ich weiß. Davon habe ich keine Kenntnis. Ich möchte es auch nicht.”

Auf klare Distanz ging der Regionalen-Chef zu den Freien Wählern in Thüringen, die nach den Wahlerfolgen in Bayern wieder Zulauf verzeichnen. Man habe als regionale Vereinigung keinerlei Ambitionen, auf Landesebene tätig zu werden und eigene Landtagskandidaten aufzustellen. “Unsere Aktivitäten konzentrieren sich ausschließlich auf das Altenburger Land.” Zur Kreistagswahl 2009 wolle man mit einer eigenen Liste antreten. Fünf bis sieben Abgeordnete im nächsten Kreistag seien ein realistisches Ziel. Bis Weihnachten soll ein konkretes Wahlprogramm vorliegen.

Bugar betonte, man sehe sich als eine Kraft der Mitte und sei bereit, mit allen demokratischen Parteien zusammenzuarbeiten.

Günter Neumann

Kommentar

Wirkungsvolle Fehlkonstruktion

Von Günter Neumann

Vermutlich hat es die CDU-Führungscrew noch nicht gemerkt, aber die neuen Regionalen sind ein Frontalangriff auf die Stammwählerschaft der Christdemokraten. Ein Blick auf die Mitgliederliste zeigt, dass das neue Bündnis fast ausschließlich auf Leute setzt, die im ländlichen Raum populär sind, dem letzten Reservat der Union. Angesichts der aktuellen Umfragewerte müsste der Antritt von Bugars Landrats-Unterstützungs-Trupp eigentlich Großalarm bedeuten.

Da sollten sich die Christdemokraten auch nicht damit trösten, dass sich die Regionalen wohl doch überschätzen. Die sogenannten freien oder unabhängigen Wähler profitieren in der Tat immer dann – siehe Bayern-Wahl – wenn sie kräftig auf einen politischen Gegner einschlagen können. Im Altenburger Land aber sollen sie das gerade nicht tun, sondern dem Landrat Entlastung verschaffen, der immer härter von FDP, Linken und Teilen der SPD attackiert wird.

Die Wählergemeinschaft mag politisch eine Fehlkonstruktion sein. Für schmerzliche Stimmenverluste bei der CDU ist sie allemal gut genug.