24.02.2015 | OTZ

“So weit waren wir noch nie”

Verkauf der Schlossanlage Tannenfeld möglich

Klappt das Vorhaben, in Tannenfeld ein Spezialpflegezentrum für Demenzkranke zu errichten, bleibt die Anlage ihrer Tradition treu. Auch deswegen ist Bürgermeister Hermann froh über die Pläne.

Tannenfeld. Optimistisch sei er. Und guter Dinge, dass der angekündigte Verkauf der Schlossanlage Tannenfeld nun endlich auch gelingt, sagt Löbichaus Bürgermeister Rolf Hermann (FDP) gestern. Entscheidend sei dabei, dass nun alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Alle, das sind nicht nur die Leipziger Investoren sowie der Betreiber des Zentrums aus Erfurt, sondern auch die Behörden. Tannenfeld ist im Besitz des Landkreises und für eine Sanierung müssen nicht wenige Belange der Denkmalpflege einbezogen werden. “Wir müssen nun zusammen mit allen Beteiligen Kompromisse finden, sonst wird der Plan nicht umsetzbar sein”, sagt Hermann.

Denn für den Umbau der Anlage stehen endliche Mittel zur Verfügung. Zehn Millionen Euro – mehr dürfen Planungs- und Baukosten nicht­ verschlingen. “Wir gehen davon aus, dass alles klappt und in Tannenfeld endlich wieder Leben einzieht”, so Hermann weiter. Dafür mussten sich alle lange in Geduld üben, schließlich steht das Anwesen schon seit 2004 leer. Und genauso lange wurde nach Interessenten gesucht. “So weit wie jetzt waren wir dabei noch nicht”, sagt der Bürgermeister. “Wenn es jetzt nichts geworden wäre, hätte Tannenfeld ein Fall für die Abrissbirne sein können.” Hermann betonte zudem die Bedeutung eines Zentrums für die Region, denn damit würden Arbeitsplätze entstehen. “Das ist in unserem Landkreis besonders wichtig.”

Eine Tradition wird fortgeführt

Werden die Pläne nun umgesetzt, bleibt Tannenfeld seiner Tradition treu, dass sich das Anwesen der Gesundheit verschreibt. “Auch darüber sind wir froh”, sagt Herrmann. Schließlich wurde die herrschaftliche Anlage ab 1899 als Sanatorium genutzt. Ein promovierte Nervenarzt Arthur Tecklenburg erwarb das Anwesen. “Gemüts- und Nervenkranke” wurden hier behandelt. Zu dessen prominentesten Patienten gehörte Hans Fallada, der unter seinem bürgerlichen Namen Rudolf Ditzen zweimal Kurgast in Tannenfeld war.

Das Sanatorium erfreute sich immer wachsender Nachfrage, Krankenvillen, Liegehallen und ein Wirtschaftshof wurden gebaut. Größere Umbauten erfolgten auch 1910 bei denen der Neobarock in der Anlage Einzug hielt. Dabei wurde nicht auf viele Annehmlichkeiten verzichtet: Holzvertäfelungen und Einbaumöbel in Zimmern, elektrisches Licht und sogar eine Dampfheizung standen zur Verfügung, wobei die Energie auf dem Anwesen selbst erzeugt wurden. Für die Wasserversorgung wurde der Wasserturm errichtet, für Strom sorgte ein Windrad und selbst Obst- und Gemüsegärten sowie eine Fischzucht befanden sich auf dem Gelände. Die Rhododendren, die noch heute viele Besucher anziehen, wurden 1908 gepflanzt.

Kommt es tatsächlich zum Verkauf des Anwesens, dann sollen Spaziergänger auch weiterhin Zutritt zu der Anlage erhalten, hieß es in der vergangenen Woche. Das Sanatorium wurde 1949 an die Sozialversicherungsanstalt Thüringen verkauft. Fortan war Tannenfeld ein Fachkrankenhaus für Neurologie und Psychiatrie, später dann bis 1990 eine Reha-Klinik. Bis 2004 wurde es als Seniorenheim genutzt. Blickt man noch weiter zurück in die Geschichte, war Tannenfeld im 19. Jahrhundert auch als “Klein-Weimar” bekannt. Die Herzogin von Kurland versammelte regelmäßig prominente Gäste um sich. Zu den Besuchern gehörte neben Wolfgang von Goethe und Anselm von Feuerbach auch Jean Paul, der für Tannenfeld viele lobende Worte fand: “Ein lieblicheres, mehr italienisches, heitereres Landgut kann ich mir nicht vorstellen, als das in Tannenfeld.”