25.02.2015 | OVZ

“So weit waren wir noch nie”

Wenn Tannenfeld ein Zentrum für Demenzkranke wird, bleibt die Anlage seiner Tradition treu

Tannenfeld. Optimistisch sei er. Und guter Dinge, dass der angekündigte Verkauf der Schlossanlage Tannenfeld (die OVZ berichtete) nun endlich gelingt, sagt Löbichaus Bürgermeister Rolf Hermann (FDP). Entscheidend sei dabei, dass nun alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Alle, das sind nicht nur die Leipziger Investoren sowie der Betreiber des Zentrums aus Erfurt, sondern auch die Behörden. Tannenfeld ist im Besitz des Landkreises, und für eine Sanierung müssen die Belange der Denkmalpflege beachtet werden.

“Wir müssen jetzt zusammen mit allen Beteiligten Kompromisse finden, sonst ist der Plan nicht umsetzbar”, sagt Hermann. Denn für den Umbau der Anlage stehen endlich Mittel zur Verfügung. Zehn Millionen Euro – mehr dürfen Planungs- und Baukosten allerdings nicht­ verschlingen. “Wir gehen davon aus, dass alles klappt und in Tannenfeld endlich wieder Leben einzieht”, so der Bürgermeister weiter. Dafür mussten sich alle lange in Geduld üben, schließlich steht das Anwesen bereits seit 2004 leer. Und genauso lange wurde nach Interessenten gesucht.

“So weit wie jetzt waren wir dabei noch nie”, sagt das Gemeindeoberhaupt. “Wenn es jetzt nichts geworden wäre, hätte Tannenfeld ein Fall für die Abrissbirne sein können.” Hermann betonte zudem die Bedeutung eines Spezialpflegezentrums für die Region, denn damit würden Arbeitsplätze entstehen. “Das ist in unserem Landkreis besonders wichtig.”

Werden die Pläne eines Zentrums für Demenzkranke umgesetzt, bleibt Tannenfeld seiner Tradition treu – das Anwesen verschreibt sich der Heilung. “Auch darüber sind wir froh”, sagt der Gemeindechef. Schließlich wurde die herrschaftliche Anlage ab 1899 als Sanatorium genutzt. Der promovierte Nervenarzt Arthur Tecklenburg erwarb das Anwesen. Gemüts- und Nervenkranke wurden hier behandelt. Zu den prominentesten Patienten in Tannenfeld gehörte Hans Fallada, der unter seinem bürgerlichen Namen Rudolf Ditzen zweimal Kurgast war. Das Sanatorium erfreute sich immer wachsender Nachfrage, Krankenvillen, Liegehallen und ein Wirtschaftshof wurden gebaut.

Größere Umbauten erfolgten auch 1910, bei denen der Neobarock in der Anlage Einzug hielt. Dabei wurde nicht auf Annehmlichkeiten verzichtet: Holzvertäfelungen und Einbaumöbel in den Zimmern, elektrisches Licht und sogar eine Dampfheizung standen zur Verfügung, wobei die Energie auf dem Anwesen selbst erzeugt wurde. Für die Wasserversorgung wurde der Wasserturm errichtet, für Strom sorgte ein Windrad und selbst Obst- und Gemüsegärten sowie eine Fischzucht befanden sich auf dem Gelände. Die Rhododendren, die noch heute Besucher anziehen, wurden 1908 gepflanzt. Kommt es tatsächlich zum Verkauf des Anwesens, dann sollen Spaziergänger auch weiterhin Zutritt zu der Anlage erhalten, hieß es in der vergangenen Woche.

Das Sanatorium wurde 1949 an die Sozialversicherungsanstalt Thüringen verkauft. Fortan war Tannenfeld ein Fachkrankenhaus für Neurologie und Psychiatrie, später dann bis 1990 eine Reha-Klinik. Bis 2004 wurde es als Seniorenheim genutzt. Blickt man noch weiter zurück, war Tannenfeld im 19. Jahrhundert als “Klein-Weimar” bekannt. Die Herzogin von Kurland versammelte regelmäßig prominente Gäste um sich. Zu den Besuchern gehörten neben Wolfgang von Goethe und Anselm von Feuerbach auch Jean Paul, der für Tannenfeld viele lobende Worte fand: “Ein lieblicheres, mehr italienisches, heiteres Landgut kann ich mir nicht vorstellen, als das in Tannenfeld.”

M.G.