30.05.2015 | OVZ

Munition und Klinikmüll:

Was genau lagert in der Alt-Deponie am Stadtrand?

Umweltbehörde rät Altenburger Stadtrat, Tiefbauarbeiten im Terrain an der Zwickauer Straße zu unterlassen

VON JÖRG WOLF

Altenburg. Die vor Jahrzehnten stillgelegte und versiegelte Deponie an der Zwickauer Straße könnte die Stadt Altenburg noch vor erhebliche Probleme stellen. Dies wurde Donnerstagabend auch dem letzten Stadtrat bei den Ausführungen von Birgit Seiler klar. “Aussagefähige Akten zu der Deponie und was dort detailliert abgelagert wurde, gibt es leider nicht. Allerdings sollen dort neben Asche auch Krankenhausabfälle sowie Munition abgekippt worden sein”, sagte die Fachdienstleiterin Umwelt und Naturschutz im Landratsamt des Altenburger Landes.

Hieb- und stichfest belegen könne man dies freilich nicht: “Der Deponiekörper selber ist nie untersucht, sondern beim damaligen Bau des nach der Wende wieder abgerissenen Betonwerkes mit einer Betonschicht versiegelt worden”, führte Seiler aus. Ende der 1990er-Jahre sei das in der Deponie lagernde Unbekannte von den zuständigen Behörden genauer in Augenschein genommen worden. Mangels Informationen aus Akten führten die Experten damals eine sogenannte historische Recherche durch. So werden in Fachkreisen beispielsweise Befragungen von Zeitzeugen genannt, die die Deponie noch in Betrieb kennen. “Die Behörde hat schon damals festgestellt, dass von der Deponie keinerlei Gefährdung, beispielsweise durch ausgespühlte Schadstoffe, aus geht”, erklärte Birgit Seiler.

So sieht es im Übrigen der heute zuständige Fachdienst im Landratsamt noch immer. Allerdings schob Seiler dann gleich das große Aber nach. “Diese Unbedenklichkeit besteht nur, wenn die versiegelte Betonschicht bestehen bleibt. Wenn dort eine Baggerschaufel in den Deponiekörper greifen würde, könnte es durchaus passieren, dass wir als jetzt zuständige Behörde die genauere Untersuchung und gegebenenfalls Beseitigung des Deponiekörpers anordnen”, sagte die Fachfrau unmissverständlich. Das Beste wäre also, die Deponie unberührt so zu belassen, wie sie jetzt ist. “Was die weitere Nutzung des Areals erheblich einschränkt. Möglich sind nur eine Fotovoltaikanlage, wie geplant, oder eine Begrünung”, sagte Seiler.

Eine weitere große Unbekannte auf dem Areal ist der dort fließende Nonnengrundbach, der schon zu DDR-Zeiten verrohrt wurde und damit in den Untergrund durch die Alt-Deponie kam. “Am Einlauf sieht das Wasser noch normal aus. Am Auslauf hingegen weist es eine sichtbare Verockerung auf, was auch Rost des Rohres sein könnte”, führte Seiler aus. Da der Bachlauf direkt in den Großen Teich mündet, riet sie dringend, das Wasser auf mögliche Schadstoffbelastungen untersuchen zu lassen.

Dem stimmte FDP-Stadtrat Detlef Zschiegner zu: “Speziell der Nonnengrundbach bereitet mir Sorgen, weil das austretende Wasser immer anders aussieht”, sagte er. Antje Winkler von der Unteren Wasserbehörde des Landratsamtes konnte nicht ausschließen, dass die Verunreinigungen des Wassers daher kommen, “weil die Verrohrung undicht ist”.

Kommentar

Schelditz scheint überall zu sein

VON JÖRG WOLF

In Wintersdorf wird zu einem Tag der offenen Tür eingeladen, um jedermann die fortschreitende Sanierung der Ex-Sondermülldeponie vom Bezirk Leipzig zu präsentieren. Nur zur Erinnerung: Mehr als 20 Jahre ist dort so gut wie nichts passiert.

Und in diesem Kontext wird sich mancher an das Schulterklopfen erinnern, als nach ebenso langer Zeit endlich die Sanierung vom Teersee Neue Sorge in Rositz über die Bühne war. Nur dass es dort in Sachen Umweltverseuchung noch viel schlimmer kam, weil die Giftbrühe nun in Schelditzer Keller drückt und die Aschehalde in Fichtenhainichen nebst weiterem Teersee abzurutschen droht – mit vorerst offenem Ausgang und keinerlei Termin für eine Beseitigung.

Jetzt könnte selbst in Altenburg Ungemach drohen, wenn sich die eigentlich von vielen schon vergessene Deponie an der Zwickauer Straße als handfeste Umweltgefahr entpuppen sollte.

Dass die Öffentlichkeit sensibel auf solche Botschaften reagiert, ist kein Wunder. Vor allem wegen der in den oben genannten Extremfällen immer wieder zu erlebenden Hinhaltetaktik, mit der vor allem Landes- und Bundesbehörden die vor Ort Betroffenen vertrösteten.

Und die die Umweltexperten im Landratsamt auch mehrfach ziemlich im Regen stehen ließen. Glücklicherweise nennt man zumindest hier Ross und Reiter. Stoff dafür dürfte es genug geben: Das Altlastenregister für den Kreis hat 730 Einträge.