08.10.2008 | OVZ

FDP gründet Stadtverband

Altenburg (G.N.) Die FDP hat am Montagabend für Altenburg einen eigenen Stadtverband gegründet. Ziel ist der Einzug in den Stadtrat zur Kommunalwahl im nächsten Frühjahr. Erster Vorsitzender ist Detlef Zschiegner, als Stellvertreter setzte sich in einer Kampfabstimmung Johannes Frackowiack durch.

FDP startet in Altenburg mit Wahlkrimi

Ziel des neuen Ortsverbandes ist Einzug in Stadtrat

Altenburg. Die FDP hat am Montagabend für Altenburg einen eigenen Stadtverband gegründet. Ziel ist der Einzug in den Stadtrat zur Kommunalwahl im nächsten Frühjahr. Doch die beinharte Kampfabstimmung schon um den Stellvertreterposten illustrierte die innere Zerrissenheit der anderthalb Dutzend skatstädtischen Freidemokraten.

Wahlkrimis gibt es nicht nur in Hessen oder Bayern, sondern auch in der Provinz: Erst neun zu acht gewonnen, aber satzungsmäßig ungültig, denn er erreichte nicht über 50 Prozent der Stimmen. Dann in der ersten Wahlwiederholung neun zu neun patt und schließlich in der zweiten Wiederholung zehn zu acht verloren – so bilanzierte sich der Start der FDP-Karriere für den einstigen Chef der Altenburger Werbegemeinschaft, Wolfgang Krause. Selbst bei der eigentlich unstrittigen Beisitzerwahl fuhr der erklärte Favorit des Kreisvorstandes das schlechteste Ergebnis ein. “Darüber muss ich erst einmal in Ruhe nachdenken”, meinte Krause sichtlich enttäuscht.

Eigentlicher Gewinner des Abends ist der Chef des Altstadt-Bürgervereins, Johannes Frackowiak. Er hatte klar zu erkennen gegeben, den Stellvertreter-Posten anzustreben und gewann das Amt am Ende knapp – sicher auch dank der Stimme manches FDP-Neumitglieds, das mit ihm vom Bürgerverein in die Partei gewechselt war. Eindringlich für Frackowiak geworben hatte Detlef Zschiegner, der kurz zuvor mit 14 Jastimmen und drei Neinstimmen als erster Vorsitzender des neu gegründeten Ortsverbandes gewählt worden war. Frackowiak arbeite sehr engagiert im Bürgerverein und sei ein studierter Politikwissenschaftler. “Er hat Vieles, was wir brauchen können, vor allem auch Theoretisches”, so sein Appell vor der alles entscheidenden dritten Wahlrunde.

Dagegen hatte sich FDP-Kreisvorsitzender Daniel Scheidel ebenso eindeutig für Krause stark gemacht. Krause habe über Jahre die Werbegemeinschaft erfolgreich geführt. Zusammen mit Zschiegner als Vorsitzendem sei die Kombination ein gutes Gespann, das vor allem bei Händlern und Freiberuflern ein hohes Ansehen hätte und dafür stehe, dass es in der Altenburger Innenstadt vorwärts gehe. Auch der Kreisvorstand hatte sich einstimmig für Krause ausgesprochen.

Doch bereits in der Debatte waren die unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen der beiden Kontrahenten deutlich geworden. Der Historiker Frackowiak erinnerte an einstige Wahlerfolge der Liberalen, die 1946 in Altenburg schon mal über 30 Prozent geholt hatten, forderte staatsmännisch, “die Menschen zur Demokratie mitzunehmen” und versprach, nicht als Vertreter eines Flügels, sondern integrierend zu wirken.
Krause dagegen hatte sich an der allgemeinen Diskussion gar nicht beteiligt. In seiner Bewerbungsrede betonte er vor allem die erfolgreiche Arbeit in der Werbegemeinschaft und erklärte selbstbewusst: “Ich traue mir zu, die FDP in den Stadtrat zu führen.”

Im Gegensatz zum Gerangel um den Vize-Posten war die Wahl des Alt-Liberalen Zschiegner zum Vorsitzenden unstrittig. Gleich als erster Redner hatte er eher allgemein FDP-Positionen von Gerechtigkeit und Chancengleichheit bis Vereinsförderung und Jugendpolitik erläutert. Motto: “Die FDP setzt auf den mündigen Bürger, nicht auf Politik-Konsumenten.”

Die Begründung für den Aufbau eines eigenen Stadtverbandes lieferte Karsten Schalla, unter dessen Verantwortung die FDP in den vergangenen fünf Jahren wieder zu einem politischen Faktor im Altenburger Land geworden war. Der Kreisvorstand könne aber inzwischen nicht mehr all die Themen bearbeiten, mit denen sich die Parteimitglieder vor Ort im Interesse der Bürger befassen. Parteichef Daniel Scheidel verwies dazu auf Beispiele aus der Stadtentwicklung, wie die Bebauung der Pauritzer Straße oder die Marktgestaltung, aber auch das momentan ins Leere laufende bürgerschaftliche Engagement am Teehaus: “Man hat den Eindruck, hier wird etwas kaputt gemacht, das hätte blühen können.”

Günter Neumann

Personalie

Detlef Zschiegner ist Altenburgs FDP-Chef

“Geben Sie acht, die Liberalen kommen!” Altenburgs neuer FDP-Chef Detlef Zschiegner wollte seinen Ausblick auf das Superwahljahr 2009 weniger als Drohung an die anderen Parteien verstanden wissen, als vielmehr als Hoffnungsschimmer für mündige Bürger. Was die Liberalen von dieser Ankündigung in den nächsten Monaten wahr machen können, wird nicht zuletzt von seinem Wirken als Ortsverbands-Vorsitzender abhängen.

Zschiegner gilt als Altenburger FDP-Urgestein, selbst wenn er in den letzten Jahren politisch nicht mehr in der ersten Reihe stand. Zu DDR-Zeiten war er Mitglied der Blockpartei NDPD, die in der Wende im Bund Freier Demokraten aufging, der sich anschließend mit der FDP vereinigte. Der ehemalige HO-Kaufhausdirektor, der 1993 das elterliche Geschäft in der Altenburger Baderei übernahm, hatte zuvor im Landratsamt Schmölln das Gewerbeamt mit aufgebaut. Zudem war er Mitglied des ersten Thüringer FDP-Landesvorstandes und auch viele Jahre im Altenburger Kreisvorstand.

Detlef Zschiegner ist 52 Jahre alt, verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne.

man

Kommentar

Liberale Konkurrenz, möglichst mit Pfiff

Von Günter Neumann

Nach den Volksparteien CDU, SPD und Linke hat nun auch die FDP in der größten Stadt der Region einen eigenen Ortsverband. Das löst bei der Konkurrenz sicher keinen Jubel aus, die Bürger darf es auf jeden Fall freuen. Denn Konkurrenz belebt auch in der Politik das Geschäft.

Und gerade in Altenburg ist in den vergangenen Jahren manches Thema, insbesondere aus dem bürgerlichen Interessenspektrum, nicht mehr so recht ernst genommen worden. Stichwort Teehaus, Stichwort Altstadtentwicklung. Wenn sich die Liberalen auf solche konkreten Themen konzentrieren – und das Philosophieren über Freiheit und Gerechtigkeit Westerwelle und Co. überlassen -, dann haben sie gute Chancen, im nächsten Stadtrat zeigen zu können, was sie drauf haben. Stolpern können sie nur noch über die eigenen Füße. Beispielsweise, wenn sie die am Montag offenkundig gewordenen persönlichen Abneigungen und Eitelkeiten weiter pflegen. Wenn hinter den immer gleichen Vorwürfen von Altstadt-Hausbesitzern und Markt-Händlern nicht bald konstruktive Ideen und Vorschläge sichtbar werden.

Möglichst mit Pfiff und Frische, die den anderen mit den Jahren etwas abhanden gekommen sind.