22.09.2015 | OVZ

Heftiges Echo aus der Nordregion

Auch in Meuselwitz lehnt man Sojkas Schulpläne ab

VON THOMAS HAEGELER

Altenburg/Meuselwitz. Die Reaktionen auf die von Landrätin Michaele Sojka (Die Linke) in die Diskussion geworfene Verlegung von gymnasialen Kursen und Klassen nach Altenburg reißen nicht ab. Allerdings bleibt der von FDP, Junger Union und Schüler Union sowie von Schmöllns Bürgermeister Sven Schrade (SPD) und Betroffenen des Roman-Herzog-Gymnasiums vorgegebene Tenor gleich. Denn auch in Meuselwitz und der gesamten Nordregion führten Sojkas Äußerungen zu einem ablehnenden Echo.

So konstatieren Schulleitung, Mitglieder der Schulkonferenz und des Fördervereins sowie die Schüler- und Elternsprecher des Veit-Ludwig-von-Seckendorff-Gymnasiums in einer gestern verbreiteten Mitteilung, dass “unser Schulfrieden erheblich beeinträchtigt” ist. Eltern seien besorgt, Lehrer und Schüler verunsichert. “Die über Jahrzehnte geleistete Arbeit, die sich in einer sehr guten Schulqualität und leistungsfördernden Lernatmosphäre spiegelt, wird damit sabotiert”, heißt es weiter. “Eine lapidar dahingeworfene öffentliche Verlautbarung zu einer derart bedeutungsvollen Problematik ist inakzeptabel und extrem rufschädigend.”

Daher fordert man die Landrätin auf, den argumentativen Dialog mit den Betroffenen zu suchen. “Schüler, Eltern und Lehrer verdienen einen respektvollen Umgang”, heißt es in dem Statement. “Auch und besonders in einem Grundzentrum an der Peripherie des Landkreises Altenburger Land haben Kinder und Jugendliche das Recht auf gleichwertige Bildungschancen.”

Diese Meinung teilen die Meuselwitzer Bürgermeisterin Barbara Golder (CDU), die die Erklärung ebenfalls unterzeichnet hat, und ihre Kollegen aus Kriebitzsch und Lucka. Gemeinsam werde man alle Potenziale nutzen, um sich für den Erhalt des Gymnasiums Meuselwitz in der vorhandenen Form einzusetzen und fordere den Erhalt des Schulstandortes, “besonders im Rahmen der von der Landesregierung geplanten Gebietsreform und der Stabilisierung des funktionsteiligen Grundzentrums Meuselwitz/Lucka im letzten Zipfel Ostthüringens”, erklärte Golder stellvertretend für die Bürgermeister der Nordregion. Man werde sich aktiv und “mit akzeptablen Lösungsvorschlägen” an der Schulnetzplanung beteiligen und den Schulstandort verteidigen. “Dazu brauchen wir alle Beteiligten an einem Tisch und keine Schnellschüsse.”

Kommentar

Echo ist eine Kampfansage

VON FRANK PRENZEL

Landrätin Michaele Sojka hat mit ihren Äußerungen zur Zukunft der Gymnasien im Landkreis ein Erdbeben ausgelöst und sich vermutlich keine neuen Freunde geschaffen. Wie aus dem Nichts stellte sie am Rande der Eröffnung des Linken-Büros in Altenburg die gymnasialen Standorte in Schmölln und Meuselwitz infrage. Der Schock nicht nur bei Politikern, Lehrern und Schülern in den nach Altenburg größten Städten des Kreises sitzt tief, und das Echo kommt einer Kampfansage gleich.

Dabei sollte Sojka froh sein, dass es im Altenburger Land eine ausgewogene gymnasiale Struktur gibt, die sich nicht auf ein Zentrum konzentriert und vielen Schülern damit lange, zeitraubende Schulwege erspart – Fahrtkosten inklusive. Nicht zuletzt ist ein Gymnasium für eine Stadt auch ein Pfund, mit dem sie wuchern und die Bevölkerungsentwicklung beeinflussen kann.
Sicher, es sind nicht wenige Probleme, die sich vor Sojka auftun – ob sinkende Schülerzahlen, Sanierungsstau oder Erfurter Entwicklungsvorgaben. Doch statt sich über den Abzug von Abiturklassen Gedanken zu machen, sollte sich die Kreischefin gemeinsam mit den Akteuren überlegen, wie die schulische Vielfalt zwischen Lucka und Ponitz erhalten werden kann – zumal die Gymnasien in Schmölln und Meuselwitz einen guten Ruf genießen.

Nicht zuletzt hat die Akteure vor Ort, die von den Äußerungen kalt getroffen wurden, Sojkas Stil verletzt. So hat sie ohne Not neue Sorgen und Verunsicherungen geschürt.

f.prenzel@lvz.de