30.08.2008 | OVZ

Erneutes Nein zur Gartenschau

Jetzt Bewerbung für 2017 im Gespräch

Altenburg. Es bleibt dabei: Die Skatstadt wird sich nicht um die Ausrichtung der Landesgartenschau 2013 bewerben. Wie schon vor drei Jahren, so wurde auch vorgestern Abend ein entsprechender Antrag mit der Mehrheit von SPD und Linken im Stadtrat abgelehnt. Die fehlenden finanziellen Mittel sowie die Kürze der noch ausstehenden Bewerbungsfrist waren diesmal die Hauptargumente. Neu ist allerdings die Option, eine Bewerbung für die nächste Schau 2017 ernsthaft ins Kalkül zu ziehen.

Die Ausrichtung der Landesgartenschau wäre für Altenburg eine große Chance, hatte die CDU-Fraktion ihren Antrag begründet. “Altenburg ist eine grüne Stadt, ist Gartenstadt und Skatstadt”, argumentierte Fraktionsmitglied Wido Hertzsch. “Und wer gute Karten hat und nicht reizt, ist kein guter Skatspieler.” Es gehe dabei, so Hertzsch, nicht um riesige Projekte, sondern eine Gartenschau in überschaubarer Größenordnung – klein, aber fein.

Genau dies berge freilich die Gefahr, dass Altenburg kaum Chancen auf den Zuschlag habe, hielt Wolfgang Preuß entgegen. Der Chef der Kleingärtner des Altenburger Landes, der für die SPD im Stadtrat sitzt, war schon in die Vorbereitung mehrerer Gartenschauen eingebunden und weiß daher: “Es hat noch immer das finanzträchtigste Konzept den Zuschlag erhalten.” Außerdem gehe es bei einer Gartenschau um Renaturierung, Revitalisierung und Rekultivierung von Flächen, nicht aber um die Rekonstruktion von Gebäuden. Daher sei die von den Christdemokraten genährte Hoffnung, mit der Landesgartenschau endlich den Marstall auf Vordermann zu bringen und womöglich einer Nutzung zuführen zu können, völlig unrealistisch. Dennoch sei es wert, den Gedanken im Kopf zu behalten, sagte Preuß und warf als erster die Idee, sich in Ruhe auf eine mögliche Bewerbung für 2017 vorzubereiten, in die Debatte.

“Bis zum 30. September etwas zusammenzuschreiben, was Hand und Fuß hat, ist eine absolute Illusion”, ist die Fraktionschefin der Linken, Birgit Klaubert, überzeugt. “Bei anderen Städten liegen solche Bewerbungen schon griffbereit in der Schublade.” Auch sie riet aber, den Blick vielmehr auf 2017 zu richten. Und ihr Kollege Harald Stegmann fand es ziemlich dreist, dem OB einfach mal so den Auftrag erteilen zu wollen, acht Millionen Euro über Sponsoring einzuwerben.

Werner Strasser von der SPD-Fraktion machte noch eine ganz andere Rechnung auf. “Wir haben noch nicht entschieden, wie es nach 2010 mit dem Prinzenraub weitergehen soll, auch die Zukunft des Theaters nach 2012 ist völlig ungewiss, und wir binden uns jetzt noch die Landesgartenschau ans Bein.” Unternehmen, die fürs Sponsoring in Frage kämen, seien jetzt schon mit Spenden an einer Schmerzgrenze angekommen. Jetzt neue Forderungen aufzumachen, sei völlig unrealistisch.

“Kein Gelände, kein Konzept, kein Geld. Da weiß ich schon, wie ich abstimmen werde”, argumentierte Barbara Plötner (Linke) im kürzesten aller Diskussionsbeiträge, den Christoph Zippel (CDU) ebenfalls kurz und prägnant konterte: “Ich bin schon etwas schockiert, dass den anderen Fraktionen Visionen fehlen.”

Sein Fraktionschef Peter Müller, erst seit wenigen Wochen in diesem Amt, sah die Sache hingegen wesentlich entspannter. “Im jedem Ausschuss sind wir so was von abgelöffelt worden und jetzt denkt man plötzlich an 2017. Selbst wenn wir heute eine Niederlage einstecken, sind wir daher zu 60 Prozent Gewinner.”

So kam es denn auch. Mit zwölf zu 24 Stimmen wurde der CDU-Antrag abgelehnt. Unter den Gegnern übrigens auch der fraktionslose Abgeordnete Stephan Riechel, seit Anfang des Jahres Mitglied der FDP. Die Liberalen freilich hatten in einer Presseerklärung das Projekt Landesgartenschau ausdrücklich befürwortet.

Ellen Paul