20.02.2016 | OTZ

Jana Borath kommentiert

Stier bei den Hörnern packen

Jana Borath über Angriffslust und schlechte Beratung

Veränderung war in dieser Woche das große Thema in Schmölln und Umgebung. Allerdings bestimmten die mitunter schmerzhaften Prozesse das Geschehen, die damit oftmals verbunden sind.

So in Heukewalde, Vollmershain und Nöbdenitz. Dort müssen die Einwohner über Wichtiges entscheiden, obwohl sie Notwendigkeit nicht einsehen. Erfurt wünscht Veränderung in Gestalt einer Gebietsreform. Der Rest des Landes hat zu folgen. Oder eben nicht.

Die Vollmershainer wollen um ihre politische Eigenständigkeit kämpfen und sich für ein Volksbegehren einsetzen. Mindestens die Gemeinde Löbichau wissen sie sicher an ihrer Seite. Dessen Bürgermeister Rolf Hermann war gestern nämlich bei der Gründung des Vereines „Selbstverwaltung für Thüringen“ in Altengönna bei Jena dabei. Das Ziel dieser Organisation: Ein Volksbegehren gegen die Gebietsreform.

Die Volksseele kocht auch im Herzen der Knopfstadt. Händler und Gewerbetreibende machen mobil gegen die Idee, im Gewerbegebiet Crimmitschauer Straße Wurst-Werksverkauf, Drogeriemarkt und vielleicht einen Discounter anzusiedeln.

Die Furcht vor einem leeren Stadtzentrum und Umsatzeinbußen bis gegen Null geht um. Doch Angst war schon immer ein schlechter Berater. Auch für Einzelhändler in Kleinstädten. Warum nicht die eigene Kreativität entfalten und gemeinsam ein attraktives Gegengewicht zum möglichen Bau auf der grünen Wiese entwickeln? Extra etwas Neues gründen müssen die Schmöllner Einzelhändler gar nicht.

Denn es gibt ja schließlich die Interessengemeinschaft Stadtmarketing, die sich regelmäßig trifft, um für die Schmöllner etwas auf die Beine zu stellen. Sie ging übrigens aus der Gewerbegemeinschaft hervor, die es einst gab in der Sprottestadt. Allerdings engagieren sich aktuell nur vier Einzelhändler fürs Marketing ihrer Stadt – und nicht alle davon leben in Schmölln.

Wie Offensive geht, beweist übrigens in diesen Tagen das Schmöllner Gymnasium. Schüler und Lehrer packten den Stier bei den Hörnern, als die Zukunft des Schmöllner Standortes plötzlich in Frage stand. Was sie in wenigen Wochen seitdem erreicht haben, kann man heute nachlesen: Auf der ersten Seite der OTZ-Schmöllner Nachrichten.