26.11.2003 | OVZ

Altenburger FDP hofft auf Rückenwind

Die FDP schickt für die Landtagswahl am 13. Juni in beiden Wahlkreisen der Region eigene Direktkandidaten ins Rennen. Parteichef Karsten Schalla tritt im Wahlkreis 43 an, Martin Klimek im Wahlkreis 44. Doch vor allem hoffen die Liberalen, mit dem politischen Rückenwind des Landes-Wahlkampfes zwei Wochen später bei den Entscheidungen über Kreistag sowie Stadt- und Gemeinderäte kräftig punkten zu können. Schalla kündigte fürs Frühjahr ein Wahlprogramm an – und will auch selbst für Kreistag und Altenburger Stadtrat kandidieren.

FDP hofft auf Rückenwind aus Landes-Wahlkampf

Liberale nominieren eigene Direktkandidaten

VON GÜNTER NEUMANN

Altenburg (OVZ). Die FDP schickt für die Landtagswahl am 13. Juni in beiden Wahlkreisen der Region eigene Direktkandidaten ins Rennen. Doch vor allem hoffen die Liberalen, mit dem politischen Rückenwind des Landes-Wahlkampfes zwei Wochen später bei den Entscheidungen über Kreistag sowie Stadt- und Gemeinderäte kräftig punkten zu können.

Von den Rund 50 Mitgliedern, die die FDP im Altenburger Land zählt, hatten sich am Montagabend ganze 14 ins Altenburger Hotel am Roßplan aufgemacht, um Personalentscheidungen zu treffen, die in der Regel zu den wichtigsten einer Partei gehören: Wer soll für den neuen Landtag kandidieren?

Doch der Vorstand hatte die Weichen bereits gestellt, und so brauchten die Formalitäten mehr Zeit als die eigentliche Entscheidung samt politischer Bewerbungsreden. Zumal mit Karsten Schalla der gerade erst im Januar neu gewählte FDP-Kreisvorsitzende selbst im Wahlkreis 43 antritt.

Dass die Chancen nicht sehr groß sind, am 13. Juni ein Direktmandat zu gewinnen, weiß auch er. Seit Gründung des Landes Thüringen wurden die beiden Wahlkreise 43 und 44 stets mit klarer Mehrheit von den CDU-Bewerbern gewonnen.

Doch der Parteichef kalkuliert anders: “Mit unseren Direktkandidaten für den Landtag sind wir wie die anderen Parteien bei jedem Forum, in jeder Umfrage dabei und können den Wählern unsere Positionen direkt erklären.” Vor allem für die 14 Tage später anstehenden Urnengänge für den Kreistag sowie die Stadt- und Gemeinderäte soll dies Punkte bringen.

Schalla kündigte bereits an, im Frühjahr ein “schlüssiges und nachvollziehbares Wahlprogramm” vorzulegen – und auch selbst für den Kreistag und den Altenburger Stadtrat zu kandidieren.

Im Wahlkreis 44 tritt für die Liberalen Martin Klimek an, der seit der Wende als Dozent für verschiedenste Bildungseinrichtungen tätig ist. Die Politik habe in den letzten Jahren viel an Glaubwürdigkeit verloren, kritisierte er. Mit Blick auf das Altenburger Land forderte er unter anderem die Auflösung des Wasser-Zweckverbandes ZAL. Eine Kommission solle alle Geschäftstätigkeit der letzten fünf Jahre überprüfen: “Die Bürger müssen vor solchen Institutionen geschützt werden!”

Schalla erhielt in der Wahl zwölf Ja-, eine Nein- und eine ungültige Stimme, Martin Klimek bekam 13 Ja- und eine ungültige Stimme. Während Schalla ankündigte, auf dem Landesparteitag am Wochenende nicht für einen Listenplatz zu kandidieren, hielt sich Klimek diese Entscheidung noch offen.

FDP-Kandidaten für die Landtagswahl

Karsten Schalla tritt in Schmölln an

Der FDP-Chef tritt im Wahlkreis 43, und damit in der Region rund um Schmölln als Direktkandidat an. Hier hofft der ehemalige Feuerwehrmann und erfolgreiche Unternehmer auf ein “Heimspiel”. Sein Credo: Man wird nicht als Politiker geboren, aber mit gesundem Menschenverstand, Toleranz, Fingerspitzengefühl und wirtschaftlicher Erfahrung ist die Aufgabe zu packen.

Karsten Schalla ist 37 Jahre alt, ledig und lebt in Altenburg.

Martin Klimek stellt sich in Altenburg

Im Wahlkreis 44, der im Wesentlichen aus Altenburg und Umgebung besteht, kandidiert der in Braunschweig geborene Industriekaufmann für die Liberalen. Er ist seit 1991 als Dozent für Wirtschaft und Soziales an verschiedenen Bildungseinrichtungen der Region tätig und sieht seine wichtigsten Themenfelder vor allem in Wirtschaft, Kultur und Bildung.

Martin Klimek ist 51 Jahre alt, geschieden und wohnt in Frohnsdorf.

Meine Meinung

Unbequeme Konkurrenz

VON GÜNTER NEUMANN

So wie die Altenburger SPD-Genossen hoffen, dass sich bis zum Wahltag die miese Stimmung für ihre Bundesregierung verflüchtigen möge, so drücken sich die Liberalen gerade die Daumen, dass den Wählern der Endloss-Zoff in ihrer Landes-FDP egal ist. Und die Aussichten dafür sind nicht einmal schlecht, wenn man ohnehin die zwei Wochen nach dem Landtags-Urnengang angesetzte Kommunalwahl im Blick hat.

Denn dann zählen für die Wähler noch mehr bekannte Namen statt Partei-Kürzel. Bekannt ist der neue FDP-Kreischef schon lange, und vermutlich wird er sich auch noch eine Menge einfallen lassen, um die seit Jahren ein politisches Schattendasein führenden Altenburger Liberalen wieder mehr ins Zentrum des Bürgerinteresses zu rücken.

Dies mag aus Sicht der anderen Parteien unbequem sein, aus Sicht der Bürger ist es zu begrüßen. Denn schließlich schätzen es die Wähler, wenn sie am Wahltag auch wirklich eine Wahl haben.