08.06.2004 | OVZ

Ländlicher Raum wurde bewusst abgekoppelt

VG-Chef Peter Bugar im OVZ-Gespräch

Mehna (OVZ). Seit zehn Jahren leitet Peter Bugar (FDP) die Verwaltungsgemeinschaft (VG) “Altenburger Land” – so lange, wie die VG überhaupt existiert. Das Gespäch beendet die vierteilige OVZ-Interviewserie mit VG-Chefs des Kreises, in der zugleich ein Überblick über die Entwicklung des ländlichen Raumes in der zu Ende gehenden Wahlperiode gegeben wurde.

OVZ: Waren die zehn Jahre gut für die VG?

Peter Bugar: Auf jeden Fall. Wir haben eine moderne Verwaltung geschaffen, die bürgernah ist, und dabei die Eigenständigkeit der Gemeinden erhalten. Wir kooperieren bei den Kindergärten und haben gemeinsam unsere Schulstandorte Dobitzschen, Posa und Altkirchen erhalten. Die Feuerwehren wirken eng zusammen, was vor zehn Jahren noch undenkbar war. Alle Gemeinden helfen sich gegenseitig. Im Gegensatz zu vielen anderen Zweckverbindungen sind wir vernünftig miteinander umgegangen und jeder, ob groß oder klein, konnte vom Bündnis profitieren.

OVZ: Was ist nicht gelungen?

Peter Bugar: Auf den ländlichen Raum eine solche Aufmerksamkeit zu lenken, dass er die nötige Beachtung findet.

OVZ: Sie haben sich stets für eine bessere Finanzausstattung der kleinen Gemeinden eingesetzt und vor der Ausdünnung des ländlichen Raumes gewarnt. sehr erfolgreich waren Sie bei Ihren Bemühungen aber nicht?

Peter Bugar: Weil der ländliche Raum bewusst von der Entwicklung abgekoppelt wurde, um andere Dinge voranzutreiben, die sich besser verkaufen lassen. Mit einer Ortsumfahrung Altenburg kann man mehr punkten, als mit einer Landstraße, von der nur einige Dörfer profitieren. Aber wenn der ländliche Raum weiter ausgeklammert wird, gibt es irgendwann nur noch Dörfer mit 40 Einwohnern.

OVZ: Würde man eine 6000 Einwohner zählende VG ernster nehmen, wenn es sich um eine 6000 Einwohner zählende Gemeinde handelt?

Peter Bugar: Nein. Die nötigen Gelder sind nicht zu uns geflossen, weil wir zum Beispiel im Kreistag nicht genügend vertreten sind.

OVZ: Haben Gemeinden mit 100 oder 200 Einwohnern eine Überlebenschance?

Peter Bugar: Mir nützt die politische Eigenständigkeit nichts, wenn sie nicht wirtschaftlich untersetzt ist. Wenn die Gemeinden erkennen, dass sie allein nichts mehr bewegen können, sollten sie den Mut haben, sich mit ihren Nachbarn zusammenzutun.

OVZ: Wollen Sie tatsächlich solange warten, bis den kleinen die Luft ausgeht oder bis eine Gebietsreform von oben angeordnet wird?

Peter Bugar: Zusammenschlüsse haben sowohl finanzielle als auch verwaltungstechnische Vorteile. Elf Gemeinden sind elf Haushaltspläne, elf mal dies und elf mal jenes. So lange wir uns diesen Luxus leisten wollen, wird das noch eine Zeitlang gehen. Ich denke, dass es in den nächsten drei Jahren hier erste Veränderungen geben wird.

OVZ: Gleich alle auf einmal?

Peter Bugar: Alle elf werden sich sicherlich nicht auf einmal zusammenschließen. Das ist ein sehr sensibles Thema. Das Land wird auch nicht zum Mittel des Zwangs greifen. Das wäre politische Selbstmord.

OVZ: Gründe für die Gründung einer VG waren auch Einsparungen in der Verwaltung. Die Verwaltungen in den Gemeinden sind aber alle noch besetzt.

Peter Bugar: Verwaltungen gibt es da nicht mehr, vielleicht einen Ansprechpartner, kommunale Helfer für den Bürgermeister, sozusagen ein Stück Bürgernähe. Das ist aber eine ABM, die nicht im Haushalt der Gemeinden steht. Auf Dauer wird es das aus Kostengründen nicht mehr geben. Etwas anderes sind zum Beispiel Bauhöfe oder Technik. Hier wird uns die finanzielle Situation zwingen, Dinge gemeinsam anzuschaffen und zu nutzen.

Interview: Jens Rosenkranz