11.06.2004 | OVZ

VG "Altenburger Land" will Chefposten ausschreiben

Emotionale Debatte und knappste Abstimmung in schwüler Tagungsstätte

Mehna (OVZ). Am Ende waren alle schweißgebadet. Und das lag im obersten Stockwerk des Mehnaer Verwaltungsgebäudes nicht nur an der Abend-Schwüle, die am Mittwoch herrschte. 22 Mitglieder der VG “Altenburger Land” hatten gerade beschlossen, dass sie die Stelle ihres Vorsitzenden neu ausschreiben wollen. Angesichts des ruhigen Fahrwassers, in dem die 52 Ortsteile zählende Gemeinde im Westen des Kreises seit zehn Jahren stetig und stressfrei dahinzog, eine kleine Sensation. Denn es gab in dieser Zeit eigentlich nie eine öffentliche Kritik am Vorsitzenden Peter Bugar (FDP). Noch vor wenigen Tagen hatten alle gemeinsam das zehnjährige Jubiläum der Gemeinschaft begossen.

Doch das Rütteln an der Macht in Mehna hatte sich angebahnt. In einer geheimen Bürgermeister-Dienstberatung brachten kürzlich einige Teilnehmer erstmals eine Stellenausschreibung ins Spiel. “Da flogen die Fetzen”, erinnerte sich ein Augenzeuge.

Starkenbergs Bürgermeister nahm die Idee mit in seinen Gemeinderat und auch dort war man nun der Meinung, die Stelle neu auszuschreiben, lautet die Begründung von Wolfram Schlegel (SPD). “Weiter nichts”. Auch nicht, weil der sozialdemokratische Landrat derzeit etwa mit frechen Plakaten der FDP geärgert wird und sich nun am Freien Demokraten Bugar revanchieren möchte. Nein, schloss Schlegel aus, das sei gewiss nicht der Grund.

Die Gegner einer Ausschreibung waren da schon gesprächiger. “Wir wollen keinen Exoten als Chef, der von der Mentalität der Menschen hier nichts versteht”, schimpfte Egon Steinke (Dobitschen), und Matthias Schleich (Naundorf) sprach gar von einem “Ei, was wir uns ins Nest” gelegt haben. Denn über die Auswahl der Chef-Kandidaten müssen nun bald die neu zu wählenden Gemeinderäte oder Bürgermeister entscheiden, die nicht wüssten, worum es überhaupt geht.

Das Votum, ob ausgeschrieben wird, konnte knapper nicht ausgehen. 16 Stimmen dagegen verfehlten die nötigen Zwei-Drittel genau um eine Stimme. Bugar (auch schweißgebadet) kommentierte das Ergebnis nüchtern: “Ein legitime demokratische Entscheidung.”

Jens Rosenkranz