14.06.2004 | OVZ

Freude bei CDU und PDS - Katerstimmung bei SPD und FDP

Altenburg (OVZ). “Seid doch mal still, jetzt kommt Thüringen.” Als die ersten Prognosen der Landtagswahl über den Bildschirm flimmerten, verstummte das Stimmengewirr in der CDU-Geschäftsstelle in Altenburg und wich Sekunden später allgemeiner Erleichterung. Doch der große Jubel blieb aus. “Wir lassen den Sekt erstmal noch im Kühlschrank”, entschied Mitarbeiterin Simone Reichelt. Man habe schon mal bei einer Wahl die Korken vorzeitig knallen lassen. Das soll nicht nochmal passieren. Da übte man sich vorerst lieber in Wahlanalyse und auch ein bisschen in Häme: “Da wird es wohl nun nichts mit dem Ministerposten, muss der Landrat hier weiterwursteln.” Oder: “Das Projekt 18 ist bei der SPD ja gründlich gescheitert.” Auch die CDU-Spitze, die sich erst nach 19 Uhr am Kirchberg einfand und in kurzen Takten Auszählergebnisse durchgeben ließ, gab sich verhalten. “Die Sache mit den Grünen ist noch eine echte Zitterpartie”, so Kreischef Fritz Schröter.

Bei der SPD versuchte Kreischef Hartmut Schubert neun Minuten vor 18 Uhr noch ganz ruhig, ein Weißbier in sein Glas zu lassen. Die Altenburger Genossen rollten mit einem Kleinbus vors Gartentor und hatten sogar Blumen mitgebracht. Zehn Minuten später war die Gartenparty-Idylle dahin. “Na, Glückwunsch”, entfuhr es Schubert erbittert angesichts der 15-Prozent-Prognose des ZDF. Nur wenn es die Grünen nicht in den Landtag schaffen sollten, so Schuberts schnelle Überschlagsrechnung, könnte sein scheinbar so sicherer 13. Listenplatz noch für ein Erfurter Mandat reichen.

Sarkasmus machte sich in der Runde breit, das böse Wort von der “Splitterpartei” fiel. “Und ich hatte mich schon so auf die Lottomittel von unserem neuen Innenminister gefreut”, witzelte einer als Anspielung auf die Ambitionen von Landrat Sieghardt Rydzewski.

Schnell war auch der Schuldige an dem Desaster ausgemacht: Spitzenkandidat Matschie habe mit seinem “elitären Wahlkampf” keine Botschaften rübergebracht. “Was soll's, es ist eine schwere Niederlage”, gab Schubert zu. Derweil Altenburgs OB Michael Wolf schon grübelte: “Wie schaffen wir es nur, in 14 Tagen diesen Trend umzudrehen?”

Richtig gute Laune hatten gestern hingegen die Mitglieder und Anhänger der PDS. Die Partei sieht sich als der große Gewinner der Landtagswahl, legte deutlich zu. “25,5 Prozent!”, waren ihre ersten Worte, als Landtags-Kandidatin Michaele Sojka kurz nach 18 Uhr in der Altenburger Geschäftsstelle zur Tür hereinstürzte. Ihr Sohn hatte sie übers Handy informiert – noch bevor der Parteifernseher einsatzbereit war. Als der dann lief und immer genauere Freudenbotschaften ausspuckte, stand der fröhlichen Feier der rund zwei dutzend Gäste nichts mehr im Wege. “Ich kann's noch gar nicht richtig glauben”, meinte Sojka. “Nun sind wir als Opposition noch ein Stück stärker.” Aber auch die Europawahl-Hochrechnungen stimmten zufrieden. “Wir haben gezeigt, dass wir Fünf-Prozent-Hürden meistern können. Um so besser sind unsere Karten, uns 2006 in der Bundespolitik zurückzumelden.”

Ganz anders die Stimmung bei der FDP-Wahlparty im Altenburger Restaurant “Bellini's”. Statt Partylaune herrschte Enttäuschung. Das Europawahl-Ergebnis wurde erwartet, das der Landtagswahl nicht: “Eigentlich waren wir davon ausgegangen, dass wir die fünf Prozent schaffen”, sagte Listen-Mann Karsten Schalla. Auch die Wahlbeteiligung stimme “traurig”. Nun setzt Schalla seine Hoffnung auf die Kommunalwahl in zwei Wochen.

E. Paul/G. Neumann/K. Würker