30.06.2004 | OVZ

Die große OVZ-Wahlanalyse

Selbst verbockte Pleiten und Siege im Schlaf

Altenburg. Das Altenburger Land hat gewählt. Kreistag, Stadt- und Gemeinderäte wurden neu besetzt, und es gab manche Überraschungen. Weil die Parteien ihre Analysen wie üblich hinter verschlossenen Türen vornehmen, beantworten OVZ-Redakteure hier öffentlich, die – vermutlich – meist gestellten Fragen.

Wieso hat es die FDP geschafft, nach zehn Jahren Abstinenz wieder im politischen Geschäft zu sein?

Neue, wild entschlossene Leute und ein aggressiver Wahlkampf trugen offensichtlich Früchte. Ein solches, noch dazu sehr personifiziertes Trommelfeuer war kein Politiker mehr gewohnt. Die Liberalen haben die Messlatte der Erwartungen bei ihren Wählern hoch gelegt. Im Kreistag können sie dennoch nichts ohne Partner bewegen – und der dürfte vor allem die Union sein.

Wird sich die CDU auf solch eine Taktik einlassen?

Das muss sie wohl, wenn sie in zwei Jahren wieder den Landrat stellen will. Allerdings haben die Christdemokraten die Chance verpasst, in die neue Fraktion einen echten Herausforderer einzubauen. Der einzige, der mit seinem 16 000-Stimmen-Ergebnis unumstritten infrage käme – Ex-Landrat Christian Gumprecht – will nicht. Die letzte Chance der Union ist deshalb, einen passablen Vize-Landrat mit CDU-Parteibuch durchzusetzen, der sein Amt nutzt, um bei den Bürgern im Kreis bekannt zu werden und 2006 als glaubwürdige Alternative zu Sieghardt Rydzewski punkten könnte.

Blüht uns deshalb ein Dauerwahlkampf?

Kaum. Denn über Haushalt, Straßenbau, Müllgebühren oder Schulsanierung muss trotzdem entschieden werden, und so etwas eignet sich nicht für politische Hahnenkämpfe. 2006 stehen ohnehin nur Landrat und Oberbürgermeister zur Wiederwahl, was freilich die einflussreichsten Posten im Kreis sind. Vor allem im neuen Kreistag dürfte es deshalb von Anfang an haarig zugehen – zudem es dort mit der höchst umstrittenen Krankenhausprivatisierung auch ein Thema gibt, das tausende Bürger wirklich interessiert. Eigentlich ein Glücksfall für die Politiker.

Ellen Paul/Günter Neumann