10.07.2004 | OVZ

"Wir haben die Chance selbst verspielt"

FDP und Wirtschaftsverein werfen Landrat und Kreistag Mitschuld am verlorenen Kunststoff-Zentrum vor / PDS will Austritt aus AGO fordern

Altenburg. Das Platzen der Träume für ein Kunststoff-Zentrum in der Region sorgt zwei Tage nach der Entscheidung der Thüringer Technologiestiftung für Hermsdorf nun auch für erste Vorwürfe an die lokale Politik.

“An diesem Projekt”, so FDP-Kreisvorsitzender Karsten Schalla, “zeigt sich das Scheitern einer ganzen Region.” Zuerst habe Landrat Sieghardt Rydzewski (SPD) dem Wirtschaftsverein, der die Idee zu dem Projekt hatte, das Heft aus der Hand genommen. “Viele Ideen und Kontakte, die der Wirtschaftsverein aufgebaut hatte, hat Rydzewski verworfen. Das Ergebnis haben wir jetzt. Hochmut kommt vor dem Fall, und mit der Entscheidung von gestern ist das Altenburger Land ein weiteres Mal ins Leere gefallen”, heißt es in einer Presseerklärung.

Doch auch die Uneinigkeit innerhalb der beteiligten Firmen und persönliche Eitelkeiten seien mit Schuld daran, dass Hermsdorf den Vorzug erhalten habe. Man werde bei vergleichbaren Projekten auch in Zukunft scheitern, wenn es nicht gelänge, den Graben zwischen Altenburg und Schmölln zuzuschütten. “Es kann nicht sein, dass ein anderer Standort im Landkreis für manche Beteiligte schwerer zu akzeptieren ist als ein Standort außerhalb des Landkreises”, so Schalla.

Und auch die CDU habe “einen Funken Mitschuld an dieser, für die Region bitteren Entscheidung aus Erfurt.” Den Altenburger CDU-Abgeordneten sei es weder im Vorfeld noch jetzt, direkt nach der Wahl, gelungen, eine positive Entscheidung für das Altenburger Land durchzusetzen.

In die gleiche Kerbe schlägt auch der Wirtschaftsverein. “Nicht Erfurt hat dem Altenburger Land eine Chance genommen, sondern wir haben die Chance, das Applikationszentrum im Landkreis zu platzieren, selbst verspielt”, heißt es in einer Presserklärung des Vereins.

Jetzt die Schuld auf andere zu schieben oder nach zwei haushoch verlorenen Wahlen gen Erfurt parteipolitisch nachzutreten, sei das falsche Zeichen, kritisierte der Verein gestrige Äußerungen von Landrat Sieghardt Rydzewski und Oberbürgermeister Michael Wolf. “Die Verantwortung für das Scheitern der Ansiedlung liegt bei einem Landrat und einem Kreistag, die sich lange nicht zwischen Altenburg und Schmölln entscheiden wollten, bei den beiden Städten, die sich nicht einigen konnten, und bei uns allen, die in solchen wichtigen Standortfragen nicht an einem Strang ziehen”, betonte der Wirtschaftsverein.

Die PDS kritisiert dagegen vor allem die Landesregierung: “Thüringen hört für sie offenkundig am Hermsdorfer Kreuz auf”, heißt es in einer Erklärung der Altenburger Landtags-Vizepräsidentin Birgit Klaubert. Die Sozialisten wollen deshalb in den Kommunalparlamenten die Mitgliedschaft in der Aufbaugesellschaft Ostthüringen zur Diskussion stellen. Die AGO ist eine Tochter der Landesentwicklungsgesellschaft, die von der Entscheidung für Hermsdorf profitiert.