06.09.2004 | OVZ

Landesparteitag der FDP in Kosma

Altenburg/Kosma (dpa/E.K.). Der bisherige Thüringer FDP-Landeschef Uwe Barth ist in seinem Amt bestätigt worden. Beim Parteitag in Kosma bei Altenburg sprachen ihm am Samstag 72,1 Prozent der Delegierten das Vertrauen aus. Sein Gegenkandidat und einer der früheren Amtsvorgänger Andreas Kniepert erhielt lediglich 25,3 Prozent der abgegebenen Stimmen. nach dem gescheiterten Einzug in den Landtag will sich die FDP im Freistaat künftig verstärkt der Sozialpolitik und des Aufbaus Ost widmen, sagte Barth. Erfolgreiche Wirtschaftspolitik sei die beste Sozialpolitik.

Thüringer FDP stellt in Kosma Weichen

Landeschef Uwe Barth wiedergewählt / Ex-Chef Kniepert erweist sich als schlechter Verlierer

VON EIKE KELLERMANN

Kosma. Die Thüringer FDP hält trotz des verpassten Einzugs in den Landtag an Landeschef Uwe Barth fest. Beim Parteitag am Samstag in Kosma bei Altenburg lehnte eine deutliche Mehrheit die Rückkehr des früheren Vorsitzenden Andreas Kniepert ab. Statt dessen bekam Barth grünes Licht für seine langfristige Personalplanung.

Einem Vorwärts in die Vergangenheit mochten die Delegierten nicht folgen, auch wenn der Vorstoß der Barth–Kritiker zunächst Aussicht auf Erfolg zu haben schien. Die Stimmung in der Diskussion wogte hin und her. Ex-Parteichef Kniepert vermied zwar direkte Angriffe auf den Landesvorsitzenden Barth, trat dann aber überraschend als Herausforderer an. Die Heftigkeit des Beifalls für ihn aus einigen Kreisverbänden überdeckte jedoch die wahren Mehrheitsverhätnisse unter den rund 170 Delegierten. Als es zum Schwur kam, stellte sich eine gute Zwei-Drittel-Mehrheit hinter Barth, für den auch Gastrednerin Cornelia Pieper, Generalsekretärin der Bundes-FDP, geworben hatte.

Vor allem die erst geringe Zeit seit seiner Amtsübernahme, die Zuwächse bei der Wahl trotz des verpassten Einzugs in den Landtag und eine personelle Alternative Kniepert, die eher für den lange Zeit in der FDP vorherrschenden Zwist denn für Einigkeit steht, dürfte die Delegierten von einem Wechsel abgehalten haben. So wurde der Parteitag, der vor allem der personellen Konsolidierung und weniger der Programmatik gewidmet war, zum Erfolg für Barth. Er gewann nicht nur mit gut 72 Prozent gegen Kniepert, sondern setzte ebenfalls so seine langfristige Personalplanung durch.

Sein ungeliebter Parteivize Volker Weber (Saalfeld-Rudolstadt) flog aus dem Landesvorstand, für den er dreimal vergeblich kandidierte. Barth hatte den Delegierten kurz und bündig klargemacht, dass er nach kritischen Äußerungen Webers keine Zusammenarbeit mehr mit ihm wünsche. Auch der erste vor einigen Wochen in die FDP eingetretene Dirk Sterzig (Ilmkreis), der bei der Landtagswahl das beste Erststimmen-Ergebnis der Liberalen erreichte und im Begriff war, Shooting-Star des Parteitages zu werden, nahm sich mit einer missglückten Rede selbst aus dem Rennen. Sterzig unterlag bei den Stellvertreter-Wahlen zweimal deutlich. Stattdessen wurden Andreas Möller (Erfurt) und Percy Wessely (Gera) gewählt. Zum dritten Stellvertreter bestimmten die Delegierten Lutz Recknagel (Schmalkalden-Meiningen).

Auch bei den Beisitzern machten Barth-Anhänger das Rennen. Deshalb konnte der Landeschef anschließend “sehr zufrieden” sein. Auch seinem Vorschlag, den bisherigen Pressesprecher Patrick Kurth zum ersten Generalsekretär der Thüringer Liberalen zu wählen, stimmten die Delegierten mit großer Mehrheit zu. Mit dem neuen Personaltableau will Barth die FDP auf Landesebene so profilieren, dass sie langfristig zu einem Erfolg bei den Landtagswahlen 2009 kommt.

Der Unruheherd “Arbeitskreis Liberalismus”, der als Speerspitze von Kniepert gilt, konnte indes aus der verlorenen Landtagswahl kein Kapital schlagen. Vor dem Parteitag hatte er deutliche Kritik an Barth geäußert, in die ebenfalls der nun abgestrafte Vize Weber einstimmte.

Kniepert erwies sich zudem als schlechter Verlierer. Er konnte sich nicht aufraffen, Barth nach dessem Sieg zu gratulieren. Bei der Wahl des Landesvorsitzenden soll er nach Angaben von Mitgliedern der Zählkommission sogar versucht haben, sechs Stimmzettel in die Urne zu werfen.

Der Parteitag in Kosma war auch eine Geste an den Altenburger Kreisverband, der mit Karsten Schalla an der Spitze den Wiedereinzug in den Kreistag schaffte. Die liberalen Gäste wurden von Landrat Sieghard Rydzewski und Altenburgs Oberbürgermeister Wolf (beide SPD) begrüßt.

Personalie

FDP-Landesvorsitzender Uwe Barth

Uwe Barth hat den Landesvorsitz in der Thüringer FDP in einer schwierigen Zeit übernommen. Im November vergangenen Jahres setzte er sich nach monatelangen Personalquerelen in einer Kampfabstimmung auf dem Parteitag in Jena durch, führte die Liberalen als Parteichef und Spitzenkandidat in die Landtagswahl am 13. Juni. Das Ziel Wiedereinzug in den Landtag wurde verfehlt, dennoch blieb Barth am Samstag die Wiederwahl zum Landeschef auf dem Parteitag in Kosma nicht versagt.

Barth wurde am 23. Juli 1964 im nordthüringischen Bad Langensalza geboren. In Jena studierte er Physik an der Friedrich-Schiller-Universität. 1993 wurde Barth Referent im Thüringer Umweltministerium, wo er heute in den Bereichen Wismutsanierung und Anlagensicherheit tätig ist.

Bereits 1986 war Barth in die LDPD eingetreten. Während der Wende war er Mitbegründer der Jungliberalen Aktion in Thüringen. Von 1993 bis 1995 war er Beisitzer im FDP-Kreisvorstand in Jena, danach bis 1997 stellvertretender Kreisvorsitzender. In den Jahren 2002/03 war Uwe Barth stellvertretender Landesvorsitzender der FDP-Thüringen, bevor er den Parteivorsitz übernahm.