11.02.2005 | OVZ

FDP zog Bilanz ihres "Neustarts"

Zurück in der Politik, aber Mitglieder sind noch rar

Gleina (OVZ). Zwei Jahre nach dem “Putsch”, bei dem der Altenburger Brandschutzunternehmer Karsten Schalla überraschend die Macht im FDP-Kreisverband übernommen hatte, zogen die Liberalen am Montagabend auf einer Gesamtmitgliederversammlung im Kertzscher Hof Bilanz: Der Sprung in den Kreistag wurde klar geschafft, die Mitgliederentwicklung stagniert weiter – und Schalla ist der unbestrittene Chef der Partei.

Als Karsten Schalla im Januar 2003 an gleicher Stelle den scheintoten Kreisverband wiederbelebte und – mit Hilfe zahlreicher frisch eingetretener Freunde und Bekannten – auch gleich den Vorsitz übernahm, waren die Zweifel in den eigenen Reihen groß. Hauptziel sollte deshalb der Wiedereinzug in die Kommunalparlamente sein, um so wieder Einfluss auf die Politik in der Region zu gewinnen.

Zwei Jahre später stellte sich der damals gewählte Vorstand erstmals zur Wiederwahl, und Schalla nutzte die Gelegenheit zu einer ausführlichen Bilanz. Es gebe eine kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen Vorstand, Fraktion, Mitgliedern und anderen gesellschaftlichen Kräften, zeigte sich der Kreischef zufrieden.

Größter messbarer Erfolg der Liberalen war der Sprung in den Kreistag, der sogar in Fraktionsstärke geschafft wurde. Weil die CDU eine Änderung der Geschäftsordnung durchdrückte, kann die FDP sogar im wichtigen Kreisausschuss mitbestimmen. In anderen Kommunen freilich gingen die Planspiele der Freidemokraten nicht auf – nur in Schmölln errangen sie noch einen Stadtratssitz.

Hauptgrund dürfte die weiterhin viel zu dünne Personaldecke gewesen sein. Schalla erinnerte in diesem Zusammenhang kritisch an die schwierige Kandidatengewinnung für die Kommunalwahl, die für den Altenburger Stadtrat eher “Krampf” gewesen sei. Der Kreisverband zählt auch heute nur 50 Mitglieder und damit nicht mehr als zu Schallas Amtsantritt. Vom damaligen Ziel, innerhalb eines Jahres die Mitgliederstärke um 50 Prozent zu steigern, sei man “meilenweit entfernt”, räumte der Parteichef ein. Deshalb wurde es auch nichts mit der geplanten Gründung von Ortsverbänden und einer eigenen Geschäftsstelle.

Das hinderte die kleine Schar der Liberalen jedoch nicht, sich mit dem neuen Vorstand auch mit neuem Selbstbewusstsein in die Lokalpolitik einzumischen. Schalla erinnerte dabei an die klare Ablehnung des Krankenhausverkaufes und das Bekenntnis zum Flugplatz. Als einzige Kreistagsfraktion lehnen die Liberalen auch den Beitritt des Kreises zum Mitteldeutschen Verkehrsverbund ab, wegen der viel zu hohen Kosten.

Die Quittung der Basis – 18 Parteimitglieder waren anwesend – für diese Politik ließ sich auch in den Wahlergebnissen ablesen. Schalla, der vor zwei Jahren noch mit zahlreichen Gegenstimmen und Enthaltungen leben musste, schaffte ein 100-Prozent-Ergebnis. Seine Stellvertreter, VG-Chef Peter Bugar und der Altenburger Wirtschaftsförderer Daniel Scheidel, wurden ähnlich deutlich gewählt.

Günter Neumann

Personalie

Schalla hat Liberale fest in der Hand

Er wusste es wohl nicht, doch seine Bilanz kann sich trotzdem sehen lassen. Nach der personellen und inhaltlichen Erneuerung der Liberalen sowie einem ungewohnt scharfen Wahlkampf zog die FDP unter seiner Führung wieder in den Kreistag ein. Mit einer überraschend mutigen Haltung gegen die Krankenhaus-Privatisierung hatte die kleine Freidemokraten-Truppe auch inhaltlich gepunktet.

Doch nicht alle Blütenträume reiften. Als Chef des einflussreichen Wirtschaftsvereins hielt sich der gelernte Monteur und Berufsfeuerwehrmann, der heute ein florierendes Brandschutz-Büro betreibt, nur wenige Monate.

Karsten Schalla ist 38 Jahre alt, ledig und lebt in Altenburg.