05.03.2005 | OVZ

AWG sagt nein - Doppel-Chance verpasst

Umbau zum Wohnheim würde Steuergelder sparen und Stadtteil aufwerten

Altenburg. Mit Entsetzen und Fassungslosigkeit reagierten viele Skatstädter auf die Tatsache, dass die Altenburger Wohnungsgenossenschaft (AWG) im Wohngebiet Nord erstmals auch sanierte Wohnblöcke abreißen will.

Dabei hätte neuesten Informationen zufolge mindestens ein Häuserblock sogar vor der Abrissbirne gerettet werden können. Auf Vorschlag von Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) sollte das Landratsamt prüfen, ob statt des geplanten Neubaus eines Internats für die “Pierer”-Schule einer der direkt vis-à-vis liegenden, für den Abriss vorgesehenen Blöcke nicht einfach “umgerüstet” und als Wohnheim genutzt werden könnte. Der SPD-Politiker unterbreitete diesen Vorschlag im zuständigen Schul-Ausschuss des Kreistages.

Doch aus dieser Einsparung von Steuergeldern in Größenordnungen – Fördermittel für den Abriss auf der einen und Fördermittel für den Neubau auf der anderen Seite – wird nichts. Der AWG-Vorstand hat das Landratsamt wissen lassen, dass man kein Interesse an der Diskussion eines solchen Projektes habe, bestätigte der Ausschussvorsitzende Karsten Schalla (FDP) auf Anfrage. Die AWG ziehe den Abriss vor.

“Ich bin über diese brüske Ablehnung sehr enttäuscht”, so Schalla gegenüber OVZ. Wenn man bedenke, dass der Kreis angesichts der prekären Finanzsituation allein an Eigenmitteln für den Internats-Neubau im nächsten Jahr knapp eine Million Euro bereit stellen muss, sei dies eigentlich aus wirtschaftlicher Sicht nicht zu verantworten.

Auch PDS-Chefin Michaele Reimann ist über die harsche Ablehnung der “Umrüstungs”-Idee durch die AWG verärgert. “Der Vorstand will offenbar keine jungen Leute in dem Viertel und träumt lieber von einer verschlummerten grünen Wohnlandschaft für Rentner.” Dabei bedauert die Bildungs-Expertin und Landtagsabgeordnete besonders, dass mit dem Nein der AWG zugleich eine Gelegenheit verschenkt werde, dem Stadtteil Nord insgesamt mehr jugendliches Flair zu verpassen.

“Der Block mit seinen Wohnungen hätte doch kein klassisches Internat werden müssen”, erläuterte Michaele Reimann ihre Idee. Mit einer Art Studentenwohnheim, das die jungen Leute sogar teilweise selbst verwalten, könnte ein sehr modernes und attraktives Angebot entstehen, wünschte sie sich – Klub im Erdgeschoss inklusive. Doch daraus wird offenbar nun erst einmal nichts …

Ellen Paul/Günter Neumann