09.04.2005 | OVZ

Neuer Intendant - schon am Mittwoch fällt Entscheidung

Altenburg. Sie wollen ihn finden, und zwar schon am Dienstag. Eine neunköpfige Kommission – ausgestattet mit der Legitimation durch die Gesellschafterversammlung – ist in die entscheidende Phase bei der Suche nach einem neuen Intendanten für das Altenburg-Geraer Theater getreten. Und dies, OVZ-Recherchen zufolge, offensichtlich völlig überraschend für die hiesigen Abgeordneten, die bei der Neubesetzung des Chefsessels eigentlich ein Wörtchen mitreden wollten. Sie fühlen sich – nach dem Desaster um die Krankenhausprivatisierung – erneut “hintergangen”.“Ich gehe davon aus, dass wir am Dienstag eine Entscheidung treffen”, ist denn auch der Aufsichtsratsvorsitzende der Altenburg-Geraer Theater GmbH, Joachim Richar, überzeugt. Der hauptamtliche Mitarbeiter der PDS-Fraktion im Landtag ist Mitglied jener Findungskommission, die im Herbst des Vorjahres von den drei Gesellschaftern (Landkreis Altenburger Land sowie die Städte Gera und Altenburg) mit der Intendantenauswahl betraut wurden. Mit ihm sitzen die beiden Oberbürgermeister Rauch (parteilos) und Wolf (SPD) sowie Landrat Rydzewski (SPD), der sich bislang aber durch seine Vize Christine Gräfe (CDU) vertreten ließ, am Tisch; außerdem ein Vertreter des Personalrats, zwei vom Thüringer Kulturministerium, einer vom Deutschen Bühnenverein sowie ein sachkundiger Intendant.

Die Suche nach einem neuen Chef von Thüringens größter Mehrsparten-Bühne war notwendig geworden, nachdem Vorgänger René Serge Mund sein Amt ein Jahr vor Ablauf seines Vertrages im Sommer 2004 gekündigt hatte. 47 Bewerbungen aus Deutschland und dem europäischen Ausland waren eingegangen, aus denen die Findungskommission acht in die engere Wahl nahm. Mit ihnen werden am Montag (fünf Kandidaten) und Dienstag (drei) persönliche Gespräche geführt, um danach zu entscheiden.

“Die Prämissen dabei sind klar”, so Altenburgs OB Michael Wolf, “der Mann braucht Kompetenzen im künstlerischen wie im wirtschaftlich-kaufmännischen Bereich. Schließlich stehen wir vor tiefgreifenden Veränderungen in der Theaterlandschaft.” Auch Wolf ist überzeugt, dass am Dienstag entschieden und diese Entscheidung von Gesellschaftern und Aufsichtsrat dann auch akzeptiert wird.

An den gewählten Altenburger Politikern allerdings ist all das bisher komplett vorbeigelaufen. Die Vorsitzenden aller vier Kreistags-Fraktionen beispielsweise zeigten sich auf Anfrage unserer Zeitung außerordentlich überrascht über die schon weitgehend abgeschlossene Intendantensuche. Nicht einmal der für Kultur zuständige Ausschuss des Kreistages wurde bisher informiert, bestätigte Vorsitzender Karsten Schalla (FDP). Und er ist sauer: “Das war ganz anders verabredet.”

Die Schuld für diese Desinformation gibt der Liberalen-Chef vor allem Sieghardt Rydzewski. “Es läuft offenbar wieder so wie vieles in der Vergangenheit – zu viel wird auf dem Tisch des Landrates entschieden.”

“Ganz kritisch” sieht auch CDU-Fraktionschef Christian Gumprecht die Intendantenkür hinter dem Rücken der Abgeordneten. “Es gab schon vor Monaten Konsens im Kreisausschuss, dass wir uns vorher über inhaltliche Kriterien und Eckpunkte für die Auswahl verständigen.” Man könne doch die Findungskommission – an deren fachlicher Kompetenz es sicher keinen Zweifel gebe – nicht ohne jede Vorgabe arbeiten lassen.

Auch PDS-Fraktionschefin Michaele Reimann lebte bis vorgestern noch in dem Glauben, dass der Landrat ihre Anregung aufgegriffen habe und im nächsten Kreisausschuss inhaltliche Eckpunkte der Intendantenwahl zur Diskussion stellen würde. Daraus sollte so etwas wie ein politischer Auftrag für die Intendanten-Sucher entstehen. “Wir müssen dem Neuen doch reinen Wein einschenken, wie es unserer Meinung nach ab 2008 weitergehen soll, mit wie viel Geld und in welchen Strukturen.” Dieser einhellige politische Willen des Kreistages sei vom Landrat ignoriert worden, zeigte sich Reimann “ziemlich betroffen von diesem Stil”. Und sie bekräftigte: “Ich fühle mich hintergangen.”

Ellen Paul/Günter Neumann