13.05.2005 | OVZ

Gemeinsam ohne Vier

Mehna. Die Verwaltungsgemeinschaft “Altenburger Land” will ab Juli drei der fünf Kindergärten auf ihrem Gebiet, die bislang in Trägerschaft der Gemeinden waren, in eigene Obhut nehmen. Allerdings traten nur sieben der elf Mitglieds-Kommunen der dazu neu gegründeten Zweckgemeinschaft bei.

Anlass der Vereinbarung waren in die Höhe geschossene Kostenanteile und eine handfeste Drohung. So wollte Altkirchen ab diesem Jahr statt 190 künftig 260 Euro pro Kind und Monat von jenen Nachbargemeinden kassieren, die ihre beiden Kitas mitnutzen. Der Göllnitzer Bürgermeister Hans-Jürgen Heitsch (FDP) geriet wegen der Kostenspirale derart in Rage, dass er die Eröffnung eines eigenen Kindergartens ins Spiel und damit die ganze Gemeinschaft in die Bredouille brachte. Falls Heitsch die Göllnitzer Knirpse nämlich abgezogen hätte, hätte eine der beiden gut in Schuss befindlichen Altkirchener Kitas schließen müssen – und eine neue Einrichtung eröffnet worden. Ein Sündenfall.

Gewollt oder ungewollt schob Heitsch damit eine sechsmonatige Debatte an, die mit einer am Dienstag beschlossenen Vereinbarung einer Zweckgemeinschaft ein (beinahe) glückliches Ende fand. Altkirchen, Göllnitz, Mehna, Tegkwitz, Göhren, Drogen und Dobitschen traten bei und sorgen dafür, dass die zwei Altkirchener Kitas und jene in Dobitschen künftig von der VG verwaltet werden – als eine Einrichtung mit drei Standorten.

In diesem Jahr müssen die Mitgliedsgemeinden dafür pro Kind und Monat rund 158 Euro an die VG zahlen, eine Einsparung von immerhin 102 Euro gegenüber der alten Regelung. Das gelingt, weil fortan zum Beispiel die Reinigung von der Zentrale extern für alle drei Häuser vergeben wird. Außerdem wollen die beteiligten Gemeinden für die Unterhaltung der Spielplätze und Außenanlagen sorgen. Die Betriebskosten sinken, weil beispielsweise in den Sommer- oder Weihnachtsferien nur noch eine Einrichtung geöffnet werden soll. Ein Vorteil übrigens für jene Eltern, die in dieser Zeit bislang nicht wussten, wo sie ihre Sprösslinge unterbringen sollten. Daneben erhöht sich aber auch der Elternbeitrag pro Kind um 15 auf 75 Euro bei einer Ganztagsbetreuung.

Der amtierende VG-Chef Heitsch lobte die Vereinbarung vorgestern als historisch, womit die Eigenständigkeit der elf Mitglieder unter dem Dach der VG auch in Zukunft erhalten werde.

In den Freudenbecher kullern allerdings auch einige Wermutstropfen. So gibt es von den elf Mitgliedern immerhin vier, die der Zweckvereinbarung nicht beitreten. Lumpzig warb um Verständnis, da sich deren Kita in Trägerschaft der Johanniter befindet. Starkenbergs Bürgermeister Wolfram Schlegel sieht in der Vereinbarung keine Vorteile für seine Gemeinde, wie er der OVZ sagte. Außerdem fühlte er sich zu Beginn der Verhandlungen unter Druck gesetzt, da die Vereinbarung als einziger Ausweg herhalten musste, damit andere Gemeinden ihre Haushaltslöcher stopfen konnten. Ein Naundorfer Vertreter zeigte sich solidarisch – weil die Kinder seiner Gemeinde ja in die Starkenberger Tagesstätte gingen. Immerhin lobte der Gemeindevertreter die Vereinbarung als “richtigen Schritt” nach elfjährigem Bestehen der VG.

Davon betroffen sind im Moment 89 Kinder und acht Erzieherinnen. Die Öffnungszeiten werden sich nicht ändern, obwohl eine kleine Verschiebung von einigen, vor allem jüngeren, Gemeinderäten angeregt worden war. Die alteingesessenen Bürgermeister sahen allerdings keinen Grund, an der angeblich “jahrelang bewährten” Regelung zu rütteln.

Jens Rosenkranz