22.02.2006 | OTZ

Wahlkampf mit eigenem Kandidat

FDP: Weitere Legislatur Rydzewski verhindern – Aber Unterstützung für Michael Wolf

Von OTZ-Redakteurin Jana Borath

Gleina. Die FDP im Altenburger Land unterstützt Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) bei seiner erneuten Kandidatur für diesen Posten. Eine weitere Legislatur von SPD-Landrat Sieghardt Rydzewski wollen die Liberalen hingegen verhindern.

Diese Entscheidung und sogleich einen eigenen Landratskandidaten präsentierte der FDP-Kreisvorstand der Öffentlichkeit auf seiner Mitgliederversammlung am Montagabend im Kertscher-Hof in Gleina.

Einerseits kann sich die FDP im Altenburger Land mit der Politik von Michael Wolf und den infrastrukturellen Veränderungen in Altenburg anfreunden, ohne gleich in jeder Hinsicht einer Meinung zu sein mit dem Sozialdemokraten. Ein geplantes Vorgehen in der Stadt Altenburg sei zu erkennen, resümierte FDP-Kreischef Karsten Schalla am Montagabend mit Blick auf die sechsjährige Amtszeit von Wolf, den man deshalb unterstützen wolle für seinen Verbleib als OB im Altenburger Rathaus.

Andererseits ließ Karsten Schalla am Montagabend kein gutes Haar an Wolfs Parteifreund Sieghardt Rydzewski und dessen sechsjährigem Agieren als Landrat des Kreises. “In seinem Wirken können wir lediglich ein Kontra für Erfolg versprechende Lösungen im Interesse unseres Landkreises erkennen.” Damit ging er auf jene Ziele ein, mit denen Sieghardt Rydzewski 2000 um die Gunst der Wähler warb und an denen er sich – laut damaliger Wahlkampf-Visitenkarte – messen lassen wolle.

Mit Daniel Scheidel, derzeit Referatsleiter Wirtschaftsförderung und Beteiligungscontrolling in der Stadtverwaltung Altenburg, präsentierten die Freien Demokraten am Montagabend einen eigenen Kandidaten, mit dem sie ins Rennen um den Posten des Landrates gehen. Bei der Nominierung im Rahmen der Mitgliederversammlung konnte der Wahl-Altenburger dann auch 26 Ja-Stimmen auf sich vereinen und damit 100 Prozent der anwesenden Parteifreunde.

Bereits in der Aussprache zuvor hatte beispielsweise Detlef Zschiegner dem Bewerber sein Vertrauen zugesagt: “Wir brauchen einen Landrat für alle Bürger des Kreises. Einen Landrat, der nicht polarisiert, sondern der integriert”.

Hans-Jürgen Heitsch, Bürgermeister von Göllnitz, ging in der Debatte insbesondere auf das Thema Gebietsreform ein und bestand darauf, in jedem Falle Freiwilligkeit in dieser Hinsicht walten zu lassen. Sein Amtskollege aus Löbichau, Rolf Hermann, konnte dem nur beipflichten. Er sei dagegen, dass ein künftiger Kreis Altenburger Land nur noch aus drei, vier Städten bestehe und der Rest eingemeindet werde. Reformen sollten und müssten von oben nach unten erfolgen und nicht umgekehrt.

Sabine Bräutigam wollte von Daniel Scheidel wissen, wie er zum Thema Flugplatz Nobitz steht. “Ich bin mir nicht sicher, ob wir in diesem Bereich nicht noch besser werden können, beispielsweise bei der Akquise”, antwortete Scheidel diplomatisch, der das Thema Flugplatz Nobitz bewusst ausgespart hatte in seiner Rede; vor allem deshalb, um eine innerparteiliche Spalt-Debatte zu vermeiden.

Kreischef Karsten Schalla kritisierte am Montag zudem den Schulterschluss zwischen SPD und PDS (OTZ berichtete). Das habe man in der FDP mit Bestürzung zur Kenntnis genommen. Er wisse jedoch, so Schalla weiter, dass dieser Schulterschluss nur von einer Minderheit der SPD-Mitglieder im Landkreis mitgetragen werde. Allerdings, so fügte er hinzu, habe er von Michael Wolf schon erwartet, dass er zu diesem, seiner Meinung nach völlig unnötigen Schritt Stellung beziehe.Wir treten nicht an, um dabei zu sein. Wir treten an, um zu gewinnen.

Das Altenburger Land hat etwas Besseres verdient

Daniel Scheidel setzt auf Integration

Gleina (OTZ/Jana Borath). Daniel Scheidel, Landratskandidat der FDP Altenburger Land, lebt seit 2002 in Altenburg. Der gebürtige Frankfurter ist dort Referatsleiter Wirtschaftsförderung und Beteiligungscontrolling. Bis 2002 war der 46-jährige Diplom-Volkswirt auf internationaler Wirtschaftsebene tätig. So in der Madrider Filiale der Commerzbank AG und für fünf Jahre als Geschäftsführer der deutsch-peruanischen sowie vier Jahre der deutsch-argentinischen Industrie- und Handelskammer in Lima bzw. Buenos Aires.

Dass die PDS im Kreis zu Gunsten von Sieghardt Rydzewski auf einen eigenen Kandidaten verzichtet, empfindet Daniel Scheidel als demokratisch bemerkenswert. Von Wolfhardt Tomaschewski, seinem Arbeitskollegen in der Stadtverwaltung, hätte er indes gern gewusst, wo er in den letzten zehn Jahren Taten vollbracht habe, um sich für die CDU um den Landratsposten bewerben zu können.

Amtsinhaber Sieghardt Rydzewski misst der FDP-Herausforderer an seinen Wahlversprechen aus dem Jahr 2000. Damals hatte der Schmöllner neun gute Gründe, ihn zu wählen auf seiner Visiten-Karte verteilt. Beispielsweise an Grund zwei: Neuansiedlung von Gewerbe und Industrie durch aktive Standortvermarktung. Allein schon die Werbebroschüre für den Kreis als Wirtschaftsstandort sei eine Katastrophe, da voller handwerklicher Fehler, monierte Scheidel am Montag. Und vom Marketingkonzept des Kreises habe seit 2004 wohl niemand etwas gesehen oder gehört.

Hinsichtlich Rydzewskis “vollen Einsatz für eine Altenburger Fachhochschule” – Grund sechs der Wahlkampf-Visitenkarte 2000) – sei “voller Einsatz” wohl übertrieben, wie die Realität zeige. Selbiges treffe für Grund Nummer acht zu: neue Strukturen bei Wasser und Abwasser.

Stattdessen schmücke sich der Amtsinhaber laut Scheidel lieber mit fremden Federn. 2005 beispielsweise für die Deutschlandtour in Altenburg, für Unternehmenserweiterungen u. a. in Altenburg und Schmölln und für die Prinzenraubfestspiele.

“Wir sind nicht die Partei der Besserverdienenden”, sagte Scheidel, der seit 2004 der FDP angehört. “Aber das Altenburger Land hat etwas Besseres verdient.” Zum Thema Gebietsreform wollte er sich am Montag nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Fest steht für ihn jedoch, dass die Interessen der ländlichen Gemeinden im Altenburger Land stärkere Berücksichtigung finden müssen.

Das Kreiskrankenhaus soll Daniel Scheidels Meinung nach nicht privatisiert und die Sparkassen-Strukturen sollen beibehalten werden. Was sich bei diesem Finanzunternehmen ändern müsse, sei allerdings seine Politik. Auch gehe es nicht an, dass Landrat und Wirtschaftsverein nur noch per Anzeigen miteinander verkehren. Der FDP-Mann lehnt darüber hinaus die ständigen Scharmützel zwischen Altenburg und Schmölln ab. “Ein Landrat hat hier zu integrieren und zu verbinden”, betonte er. Weshalb für ihn ebenso die Arbeitnehmer mit ins Boot der Kreispolitik gehören.

Kommentiert

Das Rennen ist eröffnet

Von Jana Borath

Daniel Scheidel lässt mit Blick auf das Wahlamt des Landrates Altenburger Land keine Zweifel an seinen Absichten aufkommen: Sie sind ernst. Und es scheint ganz so, als ob die Liberalen einen guten Fang gemacht hätten mit diesem Neuling auf der politischen Bühne als Bewerber für den höchsten Posten im Kreis. Zumindest die erste öffentliche Präsentation des Kandidaten ist geglückt. Der Wahl-Altenburger ist rhethorisch geschickt und selbstbewusst. Er besitzt einen klaren Verstand, seine analytischen Fähigkeiten orientieren sich an den Realitäten. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, ohne dabei zu beleidigen. Sein Horizont – auch das wurde am Montag in Gleina deutlich – reicht über den eigenen Tellerrand hinaus.

Ob Daniel Scheidel als Vertreter einer Partei der vermeintlich Besserverdienenden das Wahlvolk erreichen und überzeugen kann in den nächsten Wochen, muss er unter Beweis stellen. Seine Konkurrenten Sieghardt Rydzewski und Wolfhardt Tomaschewski jedenfalls tun sicher gut daran, den FDP-Mann nicht zu unterschätzen. Ein Leichtmatrose ist der ganz sicher nicht.