24.03.2006 | OVZ

Kontroverse zwischen FDP und SPD um Sparkasse und Landrat geht weiter

Kreditantrag ist kein Banküberfall

Altenburg (G.N.). Die harsche Kritik von FDP-Landratskandidat Daniel Scheidel an Sparkasse und Landrat Sieghardt Rydzewski wächst sich zu einem politischen Schlagabtausch aus, wie ihn die Region lange nicht erlebte. Scheidel hatte dem SPD-Politiker unter anderem vorgeworfen, für die verfehlte Kreditpolitik der Sparkasse gegenüber dem Mittelstand mitverantwortlich zu sein (OVZ berichtete).

Rydzewski wies die Kritik eher pauschal zurück. Dafür verurteilte sein SPD-Kreisvorsitzender Hartmut Schubert die Attacke als “erschreckend und für einen Wirtschaftsförderer im höchsten Maße unfassbar”. Er warf dem Liberalen seinerseits vor, sowohl dem Ansehen der jeweiligen Betriebe als auch seiner Position als Wirtschaftsförderer der Stadt Altenburg zu schaden.

Scheidel vergesse, dass es der Landrat gewesen sei, der gemeinsam mit Oberbürgermeister Michael Wolf im Jahr 2001 den Begriff des Zentrums der Mitteldeutschen Automobilregion geprägt und damit wichtige Infrastrukturvorhaben im Landkreis vorangebracht habe. Damit sei auch die Grundlage geschaffen worden, “dass sich eine große Zahl von Automobilzulieferern in unserem Landkreis angesiedelt hat”.

Als falsch, unsachlich und am Thema vorbei wiesen nun gestern die Liberalen die SPD-Schützenhilfe für ihren Landrat zurück. “Was ist daran unseriös, wenn man darauf hinweist, dass wieder einmal ein Investor bei der Sparkasse Altenburger Land abgeblitzt ist und anderweitig erfolgreich einen Kredit erhalten hat? Und was berührt Firmeninterna und Bankgeheimnis?”, fragte Scheidel per Presseerklärung zurück. Die Werbung der Sparkasse Jena ziere nicht von ungefähr den neuen Apollo, ebenso wie beim Pressetermin am Montag nicht von ungefähr ein Vertreter des Jenaer Kreditinstituts zugegen gewesen sei.

Und der Sportwagenfabrikant sei nicht der einzige Investor, der schlechte Erfahrungen mit der Vergabepolitik der Altenburger Sparkasse gemacht habe. Nicht umsonst werde in Unternehmerkreisen immer wieder abgewandelt der alte Spruch zitiert: “Es gibt eine Sparkasse im Altenburger Land, die hält den Kreditantrag eines Mittelständlers schon für eine Form des Banküberfalls.”

Es sei keinesfalls unseriös, den Finger in die Wunde zu legen. Es sei sogar dringend notwendig, damit die Wirtschaft im Altenburger Land wachsen und gedeihen könne, betonte der FDP-Politiker. Arbeitsplätze würden nun mal von Unternehmen geschaffen, und es sei die Aufgabe der öffentlich-rechtlichen Sparkasse, die heimische Wirtschaft durch eine entsprechende Kreditvergabepolitik zu unterstützen.

Das Altenburger Land zur Automobilregion zu erklären, sei noch kein Beleg dafür, dass Rydzewski auch für die entsprechenden Firmenansiedlungen verantwortlich sei. So wie die Ansiedlung von Neumayer und Gutbrod in Schmölln ein Verdienst von Bürgermeister Herbert Köhler und seiner Wirtschaftsförderung seien, so gingen die Ansiedlungen der Bertrandt AG und der Antriebstechnik Altenburg auf das Konto von Oberbürgermeister Wolf. “Er ist da, wenn es darauf ankommt, und genießt bei den Investoren ein wesentlich höheres Ansehen als ein Landrat, der nur Sprüche klopft”, erklärte Scheidel. Deshalb unterstützten die Liberalen auch Wolfs Wiederwahl.