24.03.2006 | OTZ

Die Eigenständigkeit von Göllnitz bewahren

Nach dreißig Jahren als Bürgermeister ist das noch immer Ziel von Hans-Jürgen Heitsch

Göllnitz (OTZ/Jana Borath). Für die Liberal Demokratische Partei Deutschland (LDPD) wählten die Göllnitzer Hans-Jürgen Heitsch 1974 in den Gemeinderat. Zwei Jahre später übernahm er das Bürgermeisteramt amtierend. Seitdem begleitet er es.

Inzwischen wechselte das Gesellschaftssystem vom sozialistischen ins kapitalistische, Hans-Jürgen Heitsch selbst von der LDPD in die FDP. Geblieben ist das Ziel des seit drei Jahrzehnten ehrenamtlichen Bürgermeisters: die Eigenständigkeit der Gemeinde zu bewahren. 1976 war sie an das Vorhandensein eines Bürgermeisters aus den eigenen Reihen geknüpft. Heutzutage hängt sie von der Effizienz der Strukturen ab: möglichst große gelten derzeit vielerorts als Allheilmittel.

“Aber kleine Strukturen rechnen sich auch”, ist Heitsch überzeugt. “Weshalb es eine freiwillige Eingemeindung mit Göllnitz nicht geben wird”.

Blickt Hans-Jürgen Heitsch auf die dreißig Jahre zurück, ist es die Selbstständigkeit “seiner” Gemeinde, auf die er stolz ist. “Geschafft haben wir das mit vielen Leuten und deren Mut.” Keinen Ortsteil habe man vernachlässigt, die Einwohnerzahl liegt seit Jahren konstant bei rund 400.

Stolz ist Heitsch, dass in allen vier Göllnitzer Ortsteilen stets gebaut wurde. “Das war zu DDR-Zeiten ungern gesehen”, erinnert er sich. Trotzdem entstanden in seiner Amtszeit 42 neue Eigenheime. Inzwischen sind auch die meisten Vierseithöfe hergerichtet: “Und überall ist ordentlich Leben drin, auch junges”, berichtet der Bürgermeister.

Die Unabhängigkeit der Gemeinde Göllnitz spiegelt sich ebenso in ihrer Infrastruktur wider. So gibt es ein voll erschlossenes Gewerbegebiet – die Kosten dafür schulterte die kleine Kommune selbst -, eine viel genutzte Begegnungsstätte und in Sachen Wasser/Abwasser machen die Göllnitzer sowieso ihr eigenes Ding. “Wir brauchen uns also von niemandem gängeln zu lassen”, kommentiert Hans-Jürgen Heitsch all diese Tatsachen.

Träume hat er auch nach dreißig Bürgermeister-Jahren noch für die Gemeinde: Traum Nummer eins handelt von einem voll besiedelten Gewerbegebiet. “Aber so weit von der Autobahn weg haben wir keine guten Karten”, ist Heitsch realistisch. Doch immerhin gibt es sieben Betriebe im und fünf am Gewerbegebiet, insgesamt 30 in der Gemeinde. Traum Nummer zwei handelt von einem endgültig abgeschlossenen Flurbereinigungsverfahren, an die die Fördermittelzusage für Straßenbau, für Wege- und Gewässerplan sowie Abwasserbeseitigung geknüpft ist. Das Verfahren läuft seit 1996.

Hans-Jürgen Heitsch: Wiedereinrichter, Ehemann, dreifacher Vater und inzwischen Opa, feiert bald seinen 61. Geburtstag – Zeit zum Aufhören als Bürgermeister und FDP-Vorstandsmitglied? “Ich könnte mehr Sport treiben, regelmäßig mit meiner Frau verreisen, mit ihr häufiger zum Vergnügen gehen, endlich Tauben und Kaninchen züchten”, zählt Hans-Jürgen Heitsch auf. “Aber wissen Sie”, fügt er sogleich hinzu, “in den nächsten zehn Jahren hatte ich eigentlich nicht vor, an Ruhestand zu denken. Schließlich habe ich noch viele Ideen, die ich gern umsetzen möchte”.