05.04.2006 | OVZ

Kreisausschuss verwirft Kritik an Sparkasse

Altenburg (K.W.). Der Kreisausschuss hat sich mit pauschalen Zurückweisungen schützend vor die Sparkasse Altenburger Land gestellt. Die Kritik von Landratskandidat Daniel Scheidel (FDP) an der Geschäftspolitik des Kreditinstituts sei gegenstandslos und ohne Grundlage. Zu dieser Feststellung kam der Kreisausschuss in einer nichtöffentlichen Sitzung am Montag, der gestern eine Pressekonferenz folgte. Scheidel hatte vorgeworfen, die Sparkasse bremse durch verhaltene Kreditvergabe die Wirtschaft aus. Außerdem gönne sich der Verwaltungsrat “Lustreisen”. Dafür soll sich Scheidel nun nach dem Willen des Ausschusses entschuldigen. Landrat Sieghardt Rydzewski (SPD) sprach von “Rufschädigung”. Mit Verweis auf das Bankgeheimnis wurden Zurückweisungen allerdings nur allgemein begründet.

Nach Kritik an Sparkasse Altenburger Land: interne Vorstands-Anhörung im Kreisausschuss

FDP-Landratskandidat Scheidel soll sich entschuldigen

Altenburg (K.W.). Mit pauschalen Zurückweisungen reagiert der Kreisausschuss auf die Kritik an der Geschäftspolitik der Sparkasse Altenburger Land. In sechs Punkten werden die Vorwürfe als gegenstandslos abgewiesen. Das Kreditinstitut handele im Sinne seines öffentlichen Auftrags. Gefordert wird zudem eine Entschuldigung für die Angriffe.

Der FDP-Landratskandidat und Altenburger Wirtschaftsförderer Daniel Scheidel hatte der Sparkasse vorgeworfen, die Wirtschaft im Landkreis auszubremsen (OVZ berichtete). Als Beleg dafür verglich er die Bilanzen verschiedener Sparkassen und verwies darauf, dass im Altenburger Land ein deutlich geringerer Teil der Bilanzsumme für Kredite ausgegeben werde als anderswo. Die Kritik blieb nicht ohne Folgen: Am Montag beschäftigte sich der Kreisausschuss in nichtöffentlicher Sitzung mit dem Thema, lud die Sparkassen-Führung sowie Mitglieder des Verwaltungsrats zur Anhörung. Gestern gab es eine Pressekonferenz – mit Verweis auf das Bankgeheimnis allerdings ohne Detailinformationen.

“Die von Herrn Scheidel öffentlich getroffenen Kritiken zu vermeintlichen Finanzierungsangelegenheiten der Sparkasse Altenburger Land entbehren jeder Grundlage und sind somit gegenstandslos”, lautet einer der Beschlüsse, der im Ausschuss mit einer Gegen- und fünf Ja-Stimmen getroffen wurde. Zwar rüttelte Sparkassen-Chef Thomas Wagner gestern nicht an den von Scheidel angeführten Zahlen, jedoch sieht er sie falsch bewertet.

“Unsere Politik war es bisher, bei Unternehmensfinanzierungen auch andere Finanzierungsinstitute einzubinden, damit Risiken bei der Kreditvergabe von mehreren getragen werden. Dadurch fällt der Kreditanteil, der in unserem Hause verbleibt, kleiner aus”, erklärte Wagner. Insbesondere die Zusammenarbeit mit der Landesbank Hessen-Thüringen bei der Vergabe von Kommunalkrediten wirke sich auf die Gesamtkreditsumme aus. “Kommunen sind harte Verhandlungspartner, der Ertrag aus diesen Darlehen ist überschaubar. Deshalb arbeiten wir mit der Landesbank zusammen, die die Kredite abdeckt. Insgesamt haben wir 2005 aber ein Investitionsvolumen von 100 Millionen Euro begleitet.”

Sparkassen-Vorstandsmitglied Heiko Dennert verwahrte sich dagegen, dass womöglich “hunderte von Kreditanträgen von uns negativ beschieden wurden”. Es gebe gar nicht mehr viele Anträge im Altenburger Land. “Die Investitionsneigung hat abgenommen.” Sieghardt Rydzewski (SPD), Landrat und Verwaltungsratsvorsitzender der Kreissparkasse, warf Scheidel vor, er habe sich binnen vier Jahren nur einmal bei der Sparkasse gemeldet, um für einen Unternehmens-Kredit zu werben. Der Kreisausschuss hielt außerdem fest, dass “die FDP-Fraktion zu Sparkassenangelegenheiten in dieser Legislaturperiode in den Gremien des Kreistages bisher keinerlei Anfragen gestellt oder Kritiken geäußert” habe.

Auch der Vorwurf von “Lustreisen” des Verwaltungsrates wurde vom Ausschuss pauschal abgewiesen. Er entbehre jeder Grundlage. Stattdessen wird vom Kreisausschuss eine Entschuldigung gegenüber Vorstand, Mitarbeitern und Verwaltungsrat eingefordert. “Es ist eine Rufschädigung eingetreten”, sagte Rydzewski und ergänzte an die Adresse von Daniel Scheidel: “Es geht um Ehre und Anstand. Wenn man die hat, wird man dem Rechnung tragen.”

Leserbriefe

Bankgeschäfte sind vertraulich

Zum OVZ-Beitrag “Lustreisen statt Wirtschaftsförderung?” vom 23. März:

Die Belegschaft der Hut und Putz GmbH staunte nicht schlecht, als wir im Briefkasten ein Bettelschreiben des FDP-Landratsanwärters Daniel Scheidel mit der alten Adresse unserer Firma fanden. Dieser hat als Wirtschaftsförderer der Stadt Altenburg offensichtlich noch gar nicht mitbekommen, dass wir von Altenburg nach Lödla gezogen sind. Bei unseren Bemühungen, in Altenburg zu bleiben, hat er uns in keinster Weise geholfen, so dass wir schweren Herzens die Stadt verlassen mussten. Hilfe dagegen bekamen wir von Landrat Sieghardt Rydzewski. Bei der Ansiedlung unseres neuen Firmensitzes hat er entscheidend mitgewirkt.

Noch mehr gewundert haben wir uns über die Aussagen von Herrn Scheidel in der OVZ. Bankangelegenheiten gehören zu den vertraulichsten Dingen eines Unternehmers und dürfen nicht einfach in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Wenn ein Wirtschaftsförderer solche Dinge durch seine Arbeit erfährt, muss er sie für sich behalten können. Wie soll sonst ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden? So ein Mann hat sich als Wirtschaftsförderer ins Abseits gestellt. Für den Job als Landrat gilt dies um so mehr.

Harald Etzold, Lödla