06.04.2006 | OVZ

Scheidel: Ausschuss ohne Sachverstand

FDP-Landratskandidat hält Beschlüsse von wichtigstem Kreistags-Gremium für "starkes Stück"

Altenburg. Die Antwort folgte auf dem Fuß, kaum dass das wichtigste Gremium des Kreistages seine Kritik zurückgewiesen hatte: “Auch wenn der Kreisausschuss der Sparkasse hinter verschlossenen Türen einen Persilschein ausstellt”, machte FDP-Landratskandidat Daniel Scheidel gestern deutlich, “bleibe ich dabei: In punkto Unternehmensfinanzierungen erfüllt die Sparkasse Altenburger Land nicht die an sie gestellten Aufgaben als öffentlich-rechtliches Kreditinstitut.”

In sechs Punkten hatte der Ausschuss nach nichtöffentlicher Sitzung dem Liberalen eine Abfuhr erteilt (OVZ berichtete). Doch Scheidel wirft nun die Frage auf, inwieweit der Kreisausschuss überhaupt in der Lage sei, ohne detaillierte Kenntnis der Materie Beschlüsse zu treffen. “Keines der Mitglieder ist gelernter Banker. Gleichwohl wirft man mir als gelerntem Bankkaufmann und studiertem Diplom-Volkswirt vor, ich wisse nicht, wovon ich rede”, konterte Scheidel. “Ein starkes Stück.”

Fünf Jahre hat der gebürtige Hesse im Auslands- und Kreditgeschäft bei der Commerzbank AG gearbeitet, unter anderem in Siegen, Freiburg, Frankfurt und Madrid. “Danach habe ich die Deutsch-Peruanische Industrie- und Handelskammer in Lima geleitet und die Deutsch-Argentinische IHK in Buenos Aires. Wenn jetzt gelernte Tankwarte, Lehrer, Maschinenbauer die absolut berechtigte Kritik der Liberalen qua Mehrheit abbügeln, zeugt das weder von besonderem Sachverstand noch von gutem Demokratieverständnis”, sagt Daniel Scheidel und lässt sich von seiner Kritik nicht abbringen.

Und nimmt die in der Pressekonferenz am Dienstag genannten Zahlen unter die Lupe: “Wenn Sparkassen-Chef Wagner erklärt, sein Kreditinstitut habe 2005 ein Investitionsvolumen von 100 Millionen Euro begleitet, dann entspricht das bei einer Bilanzsumme von einer Milliarde Euro gerade mal zehn Prozent. Diese Zahl liegt sogar noch weit unter den von uns kritisierten 23 Prozent.” Wenn Sparkassen-Vorstandsmitglied Heiko Dennert dann davon spreche, dass die Investitionsneigung im Landkreis abnehme, irre er sich oder verdrehe wissentlich die Tatsachen.

Laut Scheidel habe es sich bei den Unternehmern herumgesprochen, dass mit der Sparkasse im Altenburger Land kein Blumentopf zu gewinnen sei. “Daher gehen viele Unternehmer von vorn herein gar nicht mehr zur Sparkasse, sondern direkt zu anderen Banken.”

Der Landratskandidat wies in diesem Zusammenhang noch einmal darauf hin, dass sich seine Kritik nicht gegen die Mitarbeiter der Sparkasse richtet, sondern explizit gegen deren Chef Thomas Wagner und den Verwaltungsrats-Chef Sieghardt Rydzewski. “Die beiden bestimmen die Richtlinien und sind deshalb für die Negativ-Schlagzeilen verantwortlich. Die Mitarbeiter der Sparkasse ebenso wie die im Landratsamt machen ihren Job, so gut es der Führungsstil ihrer beiden Chefs zulässt.”