12.04.2006 | ABG-Net

Podiumsdiskussion mit den Landratskandidaten

Schmölln. Der Wirtschaftsverein rief und alle, alle kamen… Der Teilnehmerkreis an der Podiumsdiskussion am 11. April belief sich Schätzungen zufolge auf über 150 Personen.

Leider war jedoch der Eindruck nicht ganz zu verwischen, dass ein beachtlicher Teil der Zuschauer als “Claqueure” des derzeitigen Amtsinhabers zugegen waren.

Immerhin wurden die Zuschauer Zeugen einer über weite Strecken durch die Kandidaten Rydzewski und Scheidel sehr emotional, durch den Kandidaten Tomaschewski eher zurückhaltend geführten Diskussion über wesentliche und zum Teil dramatische Probleme des Altenburger Landes.

Die Argumentation des Kandidaten Sieghardt Rydzewski (SPD) – deutlich unterstützt durch Zuschauer aus dem Lager der PDS und der SPD – schien abgestimmt auf die des Amtsinhabers Sieghardt Rydzewski: Alles, was in den letzten 6 Jahren an Positivem entstanden ist, entstand unter Verantwortung des Landrats und jede Negativdiskussion schadet dem Image des Altenburger Landes und verhindert damit die dringend benötigten Neuansiedlungen. In diese Strategie passt ganz sicher die geäußerte Vermutung, dass die veröffentlichten Statistiken über das Altenburger Land veraltet und nicht zeitgemäß sind und die Lage des Landkreises viel besser sei.

Wenn dem ja hoffentlich so wäre, dann stellen sich immer noch ein paar Fragen:

1. Woher beziehen Investoren eher ihre Informationen, aus veröffentlichten Statistiken oder aus Wahlkampfveranstaltungen? Oder vielleicht gar aus “BILD”, wobei der jüngst erschienene Artikel – wer immer für diesen verantwortlich zeichnet – ganz sicher mehr Schaden verursacht als öffentlich im Wahlkampf geführte Problemdiskussionen.

2. Wie soll sich die Position des Altenburger Landes verbessern, wenn nur Erfolge diskutiert werden sollen und die Fehleranalyse unter Verweis auf den Imageverlust (Negativdiskussion) unterbleibt?

3. Ist es nicht völlig egal, auf welchem hinteren Platz das Altenburger Land in Arbeitsplatz-, demographischen und Wirtschaftsstatistiken liegt, solange es überhaupt hinten liegt?

Die sehr offensiv geführte Argumentation des Kandidaten Daniel Scheidel (FDP) verzichtete nicht auf die Benennung von Schwachstellen und Problemen des Altenburger Landes und sie verzichtete auch nicht auf die Darlegung von Ansätzen, wie damit in Zukunft (anders) umgegangen werden sollte. Der deutliche Grundtenor “Ich kann's besser” war zumindest an vielen Stellen auch mit klaren Aussagen verbunden, wie sich der Kandidat das “besser” konkret vorstellt. Im Gegensatz zum Amtsinhaber konnte der Kandidat der FDP nicht mit unterstützenden Fragen aus dem Zuschauerraum rechnen, tat es wohl offenbar auch nicht.

Die Argumentation des Kandidaten Dr. Tomaschewski (CDU) erschien eher vorsichtig und überzeugte nicht so recht.

Joachim K. Hübner