19.04.2006 | OVZ

Landrats-Wahlkampf

FDP-Kandidat Scheidel legt Programm vor

Altenburg (G.N.). Sein Wahlprogramm hat gestern der Landratskandidat der FDP, Daniel Scheidel, vorgelegt. Auf einer Pressekonferenz erläuterte der stellvertretende Kreisvorsitzende, der beruflich als Wirtschaftsförderer der Stadt Altenburg tätig ist, das siebenseitige Papier mit insgesamt 16 Themenschwerpunkten von Infrastruktur und Kultur bis Wasser/Abwasser und Gebietsreform.

Schwerpunkt des Programmes ist aber die Wirtschaftsförderung. Scheidel kündigte dazu unter anderem ein überregionales Vermarktungskonzept für den Wirtschaftsstandort Altenburger Land und monatliche Treffen mit den wichtigsten Unternehmen, dem Wirtschaftsverein und den Wirtschaftsjunioren an. Die Kreditpolitik der Sparkasse müsse neu ausgerichtet werden, forderte er.

Als nächstes politisches Ziel nannte Scheidel seinen Einzug in die Stichwahl gegen SPD-Amtsinhaber Sieghardt Rydzewski: “Wir wollen einen zweiten Wahlgang, und wir wollen mit dabei sein”, bekräftigte er auf eine Frage unserer Zeitung.

Wird Landrats-Wahlkampf zum Duell?

FDP-Kandidat stellt sein Programm vor

Altenburg (G.N.). “Wir wollen einen zweiten Wahlgang, und wir wollen mit dabei sein.” Ohne sich auf die übliche “plus-x”-Floskel einzulassen, hat FDP-Landratskandidat Daniel Scheidel gestern die Latte für sich sehr hoch gelegt: Der Liberale will nichts weniger, als seinen CDU-Mitbewerber am 7. Mai zu überbieten, um mit SPD-Amtsinhaber Sieghardt Rydzewski die Stichwahl am 21. Mai als Duell austragen zu können.

Scheidel legte dazu gestern auf einer Pressekonferenz ein detailliertes Wahlprogramm vor. Auf sieben Seiten und in 16 Themenfeldern zählt der FDP-Politiker auf, was im Osterland unter seiner Amtsführung anders werden sollte.

“Wie nicht anders zu erwarten, ist der Schwerpunkt die Wirtschaftsförderung. Aus diesem Bereich komme ich und hier liegt auch einiges im Argen.” Scheidel, der selbst im Altenburger Rathaus für diese Aufgabe zuständig ist, plädiert dazu unter anderem für die Entwicklung eines überregionalen Vermarktungskonzepts für den Wirtschaftsstandort Altenburger Land, auch unter Berücksichtigung großer nationaler und internationaler Messen. Monatlich soll es Treffen mit Vertretern der wichtigsten Unternehmen im Kreis, ebenso mit Wirtschaftsverein und Wirtschaftsjunioren geben. Und natürlich steht bei Scheidels “Chefsache Wirtschaft” eine Neuausrichtung der Kreditpolitik der Sparkasse ganz oben.

“Der Flugplatz braucht ebenfalls ein Konzept für seine mittel- und langfristige Entwicklung – statt aller drei Monate die Ankündigung neuer Linien, die dann doch nicht kommen”, so einer der zahlreichen Seitenhiebe Scheidels gegen Amtsinhaber Rydzewski. Weitere Ryanair-Linien seien wichtig, aber auch mit anderen Fluggesellschaften müsse verhandelt und die Infrastruktur für Luftfracht entwickelt werden.

In der Kultur plädiert der Landratskandidat der FDP für den Erhalt aller Museen und des Theaters, bei Wasser und Abwasser langfristig für einheitliche Gebühren auf niedrigem Niveau. “Kostenunterschiede von bis zu 25 Prozent – bei insgesamt hohem Preisniveau – sind nicht akzeptabel.” Altenburg brauche mehr Unterstützung für das StudiumPlus, ein Internat mit internationaler Schülerschaft und einen Sportpark am Waldstadion mit Kombibad, Stadion, Squash- und Tennishalle.

Auch im Landratsamt sollte nach Scheidels Meinung manches anders werden: Mittelklasse-Dienstwagen mit Biodiesel oder Biogas, vor allem aber “Schluss mit Angst und Misstrauen”. Dazu setzt der FDP-Mann auf transparenten Führungsstil, Kooperation mit dem Personalrat und Stellenbesetzungen nach Kenntnissen und Fähigkeiten.

Kommentar

Abgetaucht

VON GÜNTER NEUMANN

Schon jetzt beschwören Parteistrategen hinter vorgehaltener Hand die zu befürchtende dramatisch niedrige Wahlbeteiligung beim Urnengang am 7. Mai. Und blenden dabei aus, wie sehr sie selbst seit langem zu Bürger-Unlust und Polit-Frust beitragen.

So haben die Führungszirkel von Linkspartei und SPD schon vor Monaten ausgehandelt, dass die SED-PDS-Nachfolger die Wiederwahl des sozialdemokratischen Landrats und des Altenburger Oberbürgermeisters nicht durch eigene Kandidaten gefährden. Wie sehr der “Rat” von oben, diesmal bitteschön SPD zu wählen, die Linksparteiwähler motivieren wird, bleibt abzuwarten.

Die CDU hat sich praktisch völlig aus dem Wahlkampf um die beiden wichtigsten kommunalen Spitzenämter des Kreises abgemeldet. In Altenburg fand sich erst gar kein Kandidat, und Landrats-Bewerber Wolfhardt Tomaschewski scheint abgetaucht. Eine einzige Pressemitteilung wurde bisher in seinem Namen gefaxt, von einem Programm ist 18 Tage vor der Wahl immer noch nichts zu sehen. Wie sollen sich mündige Bürger eigentlich über die politischen Alternativen informieren? In Kurzseminaren unterm Infostand-Sonnenschirm?

Einzig FDP-Mann Daniel Scheidel versucht, Amtsinhaber Sieghardt Rydzewski eine Diskussion über Sachthemen aufzuzwingen. Seit gestern liegt sein Wahlprogramm vor und kann mit dem des Landrates verglichen werden. Doch das Altenburger Land war bisher keine liberale Hochburg. Schon der Einzug Scheidels in die Stichwahl wäre eine politische Sensation.

Zu der die anderen dann aber kräftig beigetragen hätten.

Wer ist der beste Landrat?

Großes OVZ-Wahlforum mit allen drei Bewerbern am nächsten Mittwoch ab 19 Uhr in der Altenburger Destille

Altenburg (G.N.). Wer wird der Landrat des Altenburger Landes für die nächsten sechs Jahre? Diese Frage dürfen die Wähler in 18 Tagen entscheiden – am 7. Mai ist in Thüringen wieder Kommunalwahl.

Aber welche Konzepte haben die drei Kandidaten von SPD, CDU und FDP dafür in der Schublade? Was wollen sie anders machen als bisher bei Wirtschaftsförderung, Verkehr und Kultur, bei der Unterstützung für Jugend und Vereine, für Bildung oder Sport? Für welche Ziele wollen sie in der ab 2009 zu erwartenden nächsten Gebietsreform kämpfen?

Und wie schlagfertig können die drei Bewerber um das höchste politische Amt im Landkreis auf Journalistenfragen antworten, wie souverän sind sie in der politischen Debatte mit den unmittelbaren Konkurrenten?

Auf all diese Fragen gibt es nicht erst in 18, sondern schon in sieben Tagen Antwort. Denn am nächsten Mittwoch, 26. April, hat die Osterländer Volkszeitung alle drei Landratskandidaten zum Forum in die Altenburger Destille eingeladen.

Ab 19 Uhr erwartet alle Interessenten dort eine kurzweilige Debatte über Erfolge oder auch Fehler der vergangenen sechs Jahre und die tatsächlichen oder vermeintlichen Probleme des Altenburger Landes samt den mehr oder weniger schlüssigen Lösungsvorschlägen für die nächste Wahlperiode. Auch zu Anfragen aus dem Publikum wird wieder genügend Gelegenheit sein.

Erfreulicherweise haben alle drei Kandidaten ihre Mitwirkung zugesagt: Der Debatte stellen sich der Amtsinhaber, Landrat Sieghardt Rydzewski (SPD), sowie seine beiden Herausforderer Wolfhardt Tomaschewski (CDU) und Daniel Scheidel (FDP). Die Linkspartei hatte zugunsten Rydzewskis auf einen eigenen Kandidaten verzichtet, die Grünen eine Nominierung offenbar nicht einmal erwogen.

Wer – aus welchen Gründen auch immer – am Mittwochabend nicht dabei sein kann, aber seine Fragen an die drei Kandidaten trotzdem loswerden möchte, kann dies vorab bei der OVZ-Redaktion tun. Wir werden alle Anfragen sammeln und versuchen, sie beim jeweiligen Thema mit zur Sprache zu bringen.

Osterländer Volkszeitung, Friedrich-Ebert-Straße 14, 04600 Altenburg, Fax 03447/57 49 19, oder per E-Mail an altenburg.redaktion@lvz.de