20.04.2006 | OTZ

Bekenntnis zu Mehrspartentheater

Gesprächsrunde mit Landratskandidaten und Oberbürgermeister Michael Wolf

Von OTZ-Redakteur Bernd Kemter

Altenburg. “Ein kulturfreundliches Klima” im Kreistag und im Altenburger Stadtrat bescheinigte Frieder Krause, Vorsitzender der Vereinigung der Theaterfreunde für Altenburg und Umkreis e. V., hiesiger Politik. “Somit ist an dieser Stelle ein Dank angebracht.” Schwierigkeiten in finanzieller Hinsicht für das Theater gebe es nur von Geraer Seite als Mitgesellschafter.

1,8 Millionen Euro zahlt der Landkreis jährlich ein, informierte Landrat Sieghardt Rydzewski (SPD) zur Gesprächsrunde der Theaterfreunde “Wir um vier” am Mittwochnachmittag im Bürgersaal des Altenburger Ratskellers. Das Land werde aber seinen Anteil kürzen. Doch wenn der Freistaat kürzt, “müssen wir das nicht automatisch ebenfalls tun”. In dieser Hinsicht war auch die Auswahl des neuen Intendanten wichtig. Das musste ein Theatermann sein, der zugleich etwas vom Umgang mit Geld versteht. Die Kandidaten wurden sehr hart geprüft. Der einstimmig gewählte Mathias Oldag stehe zum Mehrspartentheater. Er habe gesagt, er könne damit leben, wenn der Freistaat die Zuschüsse kürzt. Experimentierfreude, sehr aufwändig – inwieweit können wir sie uns angesichts leerer Kassen leisten?, so Rydzewski, ohne Experimentaltheater generell in Abrede stellen zu wollen. Gefragt sind allerdings vor allem Stücke, die das Publikum sehen will.

Mehrspartentheater ist wichtig, aber das Theater muss besser werden, so Herausforderer Daniel M. Scheidel (FDP). Wenn der Freistaat seine Zuschüsse nicht aufrecht erhalten kann, muss man sich über dieses entstehende Loch Gedanken machen. Betrachtet werden müsse sowohl die Kosten- als auch die Einnahmeseite. Das Einspielergebnis von zehn Prozent sei im ostdeutschen Vergleich recht ordentlich, aber es gebe Theater im Osten und Westen, die lägen darüber. Es müsse gelingen, mehr junge Leute ins Theater zu holen.

Was mit der Theaterfusion seit 1994 passiert sei, schätze er als recht vernünftig ein, so CDU-Landratskandidat Dr. Wolfhardt Tomaschewski. Die Frage sei: Was passiert nach 2008? Die Verhandlungen mit dem Freistaat seien hart zu führen. Es gebe eine Diskrepanz: Weimar und Erfurt sind ohne Fusionsgedanken. “Wir haben zusammengeführt, damit dieses Theater mit vier Sparten existieren kann.” Warum sollen Erfurt und Weimar unbehelligt bleiben? Auch Tomaschewski beschäftigte sich mit der Frage, wie mehr Jugend ins Publikum geführt werden könne.

Mit der Fusion seien seinerzeit durchaus auch Wunden geschlagen worden, räumte Aufsichtsratsvorsitzender Michael Wolf ein. Aber sie war richtig. Eines sei wichtig: ein produzierendes Theater sowohl in Gera als auch in Altenburg. Mit der Fusion sei das größte Theater in Thüringen entstanden. Doch man macht einen Fehler, richtete Wolf seine Kritik an die Landesregierung: Nichts werde entschieden. Der Minister warte ab, bis sich die thüringischen Kommunalpolitiker gegenseitig “weich kochen”. Wenn Theater zu Fusionen, die wir vollzogen haben, nicht bereit seien, dann müsse es Sanktionen bei den Zuschüssen geben. Wenn aber auch für Altenburg-Gera die Zuschüsse sinken, ein Mehrspartentheater aber dennoch erhalten bleiben soll, dann müsse man auch einmal über Privilegien des Orchesters diskutieren dürfen.

Die Runde forderte, dass sich der Freistaat zum Ballett im Sinne eines Staatsballetts bekennt. “Wir sind in Vorleistung gegangen und da wir teuer bezahlt haben, möchten wir das Thüringer Staatsballett, und an dessen Kosten sollen sich alle beteiligen”, bekräftigte Frieder Krause. Anfragen aus dem Publikum beschäftigten sich damit, inwieweit auch Mitarbeiter beider Ämter das Theater besuchen, ob dies Thema sei. Angeregt wurden Openairs, Variete, Kleinkunst, auch Chansonabende; also auch Theater außerhalb des Theaters, denn das sei eine Marktlücke sowie Einbindung des Tourismus.