08.05.2006 | OVZ

Alle Würfel sind gefallen

Keine Stichwahlen im Altenburger Land / Landrat im Amt bestätigt / CDU in Thüringen stärkste Partei

Altenburg/Erfurt (E.P./dpa). Schon im ersten Wahlgang sind gestern bei allen sechs im Altenburger Land anstehenden Wahlen die Würfel gefallen. Kein Kandidat muss in zwei Wochen in die Stichwahl. Doch während in der Region allein drei Sozialdemokraten den Sieg davontrugen, bleibt in Thüringen insgesamt die CDU die stärkste Partei.

Der alte Landrat ist der neue: Bereits im ersten Wahlgang schaffte Sieghardt Rydzewski gestern die Wiederwahl. Der SPD Politiker erreichte Hochrechnungen zufolge 55,6 Prozent der Stimmen, sein CDU-Herausforderer Wolfhardt Tomaschewski kam nur auf 27,2 Prozent, FDP-Kandidat Daniel Scheidel schaffte immerhin 17,2 Prozent. In Altenburg wurde der konkurrenzlose Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) mit 94,5 Prozent für weitere sechs Jahre im Amt bestätigt. Auch in Schmölln war es für Amtsinhaber Herbert Köhler (parteilos) die erwartet klare Sache, obwohl er sich erstmals seit 1994 eines Konkurrenten zu erwehren hatte. Köhler erreichte 86 Prozent, Jürgen Keller von der Linkspartei brachte es auf 14 Prozent. Eine kleine Sensation gab es hingegen in Rositz. Trotz vier Kandidaten bleibt auch hier die Stichwahl aus, weil Steffen Stange (SPD) auf Anhieb auf 50,4 Prozent einfuhr. Ganz klare Sachen waren es in Wintersdorf und Gerstenberg für die Alleinkandidaten Thomas Reimann (94,9 Prozent) und Bertram Schröder (93,7 Prozent).

Die Wahlbeteiligung im Altenburger Land lag mit 34,9 Prozent unter der im Freistaat. Sie wurde gestern bei Redaktionsschluss mit einem Zwischenstand von 42,4 beziffert. Das wäre die niedrigste Wahlbeteiligung seit der Wiedervereinigung in Thüringen.

Im Freistaat hat die CDU bei den gestrigen Kommunalwahlen trotz Verlusten ihre dominierende Position in den Kreisen und großen Städten behauptet. Nach Auszählung fast aller der rund 3000 Stimmbezirke entfielen auf CDU-Kandidaten für die Landrats- und Oberbürgermeisterwahl 41,6 Prozent der Stimmen nach 46,9 Prozent vor sechs Jahren. SPD-Bewerber erhielten 25,4 Prozent (minus 2,9). Die Linkspartei/PDS verbesserte sich im Vergleich zum Votum im Jahr 2000 um 5,3 Punkte auf 18,0 Prozent, konnte jedoch keinen ihrer Kandidaten in Kreisen oder kreisfreien Städten durchbringen.

Landrat schafft souverän die Wiederwahl

Sieghardt Rydzewski (SPD) distanziert Wolfhardt Tomaschewski (CDU) und Daniel Scheidel (FDP)

Altenburg. Der alte Landrat ist der neue: Bereits im ersten Wahlgang schaffte Sieghardt Rydzewski gestern die Wiederwahl. Der SPD Politiker erreichte rund 55 Prozent der Stimmen, sein CDU-Herausforderer Wolfhardt Tomaschewski kam nur auf 27 Prozent, FDP-Kandidat Daniel Scheidel schaffte immerhin 17 Prozent.

Die ersten Ergebnisse kamen wie immer schnell und aus den kleinen Dörfern. Doch meist werden diese, tendenziell eher CDU-freundlichen Zahlen spätestens dann korrigiert, wenn die Meldungen aus den Städten eingehen.
Doch diesmal war alles anders: Bereits kurz vor 19 Uhr, als fast nur kleine Gemeinden ihre Wahlergebnisse gemeldet hatten, lag der Amtsinhaber schon um über 20 Prozent vor dem CDU-Bewerber. Eine Stunde später fast prozentgenau das gleiche Bild: Rydzewski 55 Prozent, Tomaschewski 28, Scheidel 16. Als dann noch Altenburg – wo über ein Drittel der Wähler leben, fast identische Zahlen lieferte, ließ Rydzewski für seine engsten Mitarbeiter den Sekt aus dem Kühlschrank holen.

“Mein Ziel war, es im ersten Wahlgang zu schaffen, und das haben wir geschafft”, freute sich Rydzewski, bevor er zur Wahlparty der Genossen in den “Pub” verschwand. Trotz aller Kampagne hätten die Bürger entschieden: Der hat gute Arbeit gemacht, der soll sie auch weitermachen. Und daran ließ der alte und neue Landrat keinen Zweifel: “Mit so einem klaren Votum gleich im ersten Wahlgang, da lässt sich in Zukunft natürlich ganz anders arbeiten.” Zum Abschneiden seiner Gegner wollte sich der Sieger nicht äußern.

Das fiel umgekehrt auch den Christdemokraten schwer. Immerhin hatte Thüringens CDU-Chef und Ministerpräsident Dieter Althaus gerade den Wechsel im Landratsamt als Ziel vorgegeben. Wenigstens zur Stichwahl hätte es reichen müssen, hatte die Basis gehofft. Nun stand man ziemlich erschüttert vor der Kreisgeschäftsstelle am Kirchberg. “Es ist ein eindeutiges Ergebnis, ich gratuliere dem Landrat”, sagte Wolfhardt Tomaschewski, der Wahlverlierer Nummer eins. Zu den Ursachen wollte er sich nicht näher äußern. “Mit einem eigenen OB-Kandidaten in Altenburg hätten wir aber sicher mehr Wähler mobilisieren können.” Warum es ihm selbst in fast allen Dörfern und Städten nicht gelang, vermochte er nicht zu sagen. “Die Wahlbeteiligung liegt offenbar noch unter dem Thüringer Durchschnitt, das müssen wir jetzt in Ruhe analysieren”, stand ihm Kreisvorsitzender Christian Gumprecht bei. “Schnellschüsse bringen nichts.”

“Sicher bin ich traurig, die Stichwahl war mein Ziel”, bekannte Wahlverlierer Nummer zwei, der FDP-Kandidat Daniel Scheidel. “Die vergangenen sechs Jahre waren keine erfolgreichen für den Kreis, und die nächsten werden es nun wohl auch nicht werden”, kommentierte er Rydzewskis Sieg. Andererseits seien knapp 20 Prozent “aus dem Stand” nun auch wieder kein Grund zur Traurigkeit. An den einst von FDP-Chef Westerwelle propagierten 18 Prozent wollte sich der Liberale aber nicht messen lassen: “Wir hatten größere Ziele.” Und er wollte nicht ausschließen, bei Gelegenheit wieder zu kandidieren.

Dass die FDP nicht aufgeben werde, deutete auch Kreisvorsitzender Karsten Schalla an: Es gebe Überlegungen, Scheidel stärker in die politische Arbeit des Kreisverbandes einzubinden. “Und wir werden weiterhin laut sagen, was uns auf den Nägeln brennt.” Ärger mit dem Landratsamt wegen seiner Wahlkampfattacken fürchtet Scheidel übrigens nicht: “Die Zusammenarbeit war schon bisher nicht gut.”

Günter Neumann

Standpunkt

Kein Wunder

VON GÜNTER NEUMANN

Eigentlich bleibt alles beim Alten, nicht nur in Schmölln und Wintersdorf, sondern auch im Landratsamt, im Altenburger Rathaus und im Rositzer Gemeindeamt. Dennoch wurden wichtige Weichen für die ganze Region gestellt.

Rydzewski ist zum zweiten Mal Landrat von Linkspartei-Gnaden. Das von den Genossen angeblich ohne Gegenleistung angebotene informelle Wahlbündnis hat prächtig funktioniert. Ob es über den Wahltag hinaus Bestand hat, wird sich zeigen. Angesichts leerer Kassen und enormer sozialer Probleme scheint die bereits im Bund sowie in Potsdam, Dresden und Magdeburg zu besichtigende Schwarz-Rote-Koalition eher ein Modell für Erfurt und auch fürs Altenburger Land.

Was zur informellen Großen Koalition bisher fehlte, waren sowieso nur die geeigneten Personen auf der bürgerlichen Seite. Denn meist wird übersehen: CDU und FDP haben im Kreistag seit zwei Jahren eine knappe Mehrheit, sie haben nur noch nichts daraus gemacht. Während die FDP dies längst erkannte und zumindest zu ändern versucht, büßt die CDU immer noch für die Sünden ihrer Vergangenheit. Viel zu spät und mit einem ungeeigneten Kandidaten zog man in die Schlacht. Weil das Desaster von 2000 nie ehrlich analysiert wurde, kann man nun das von 2006 gleich noch mit aufarbeiten.

Dass bei solch schwachen Alternativen immer weniger Bürger zur Wahl gehen, braucht wirklich niemanden zu wundern.