10.06.2006 | Amtsblatt des Landkreises Altenburger Land

Bunter Protest gegen Treffen Rechtsextremer

Altenburg. Altenburg ist eine bunte Stadt, in der Demokraten das Sagen haben. Und die halten zusammen, wenn es gilt, Provokateuren vom rechten Rand Einhalt zu gebieten.

Das zeigte sich am 20. Mai 2006, als Rechtsradikale ausgerechnet in Altenburg den “Thüringentag der nationalen Jugend” abhielten. Auf dem Nordplatz blieben die braunen Rattenfänger, die teilweise in Reisebussen herbeigeschafft wurden, unter sich, die Bevölkerung strafte sie mit Desinteresse. Das Bündnis “ABGemeinsam gegen Rechts”, ein Zusammenschluss demokratischer Kräfte, hatte im Vorfeld vor dem Aufmarsch der Extremisten gewarnt und für den Tag eine Reihe von Gegenaktivitäten angekündigt. Und die Mühen sollten sich lohnen: Mit allerlei Angeboten und unterhaltsamen Aktionen an der Teichpromenade stahlen die Akteure vom Bündnis den Neonazis und deren Sympathisanten die Schau.

Das Areal am Teich belebte sich im Laufe des Vormittags. Parteien, Gewerkschaften, das Christliche Spalatin-Gymnasium und viele mehr bauten Informations-Stände auf. Mehrere Redner warnten vor einem Erstarken rechtsradikaler Organisationen und wachsender Intoleranz. Oberbürgermeister Michael Wolf sagte: “Altenburg ist keine braune Stadt, für Rechtsextreme ist bei uns kein Platz”. Das Stadtoberhaupt appellierte insbesondere an die Lehrer, Jugendliche über die Gefahren, die von neonazistischen Umtrieben ausgehen, aufzuklären.

Darüber hinaus gab es für die Jüngsten eine Reihe ganz unpolitischer Angebote. Das Kinder- und Jugendparlament organisierte einen großen Trödelmarkt. Außerdem lockten Hüpfburg, Kletterwand und eine Riesenrutsche. Ein von vielen mit Spannung erwarteter Höhepunkt war die parteiübergreifende Aktion “Kochen ohne braune Soße”. Drei Prominente, Landrat Sieghardt Rydzewski (SPD), Ex-Landrat Christian Gumprecht (CDU) und Landrats-Kandidat Daniel Scheidel (FDP), stellten sich gemeinsam an den Herd. Vor laufender Kamera – TV-Altenburg zeichnete alles auf – widerlegte das Trio den bekannten Ausspruch, wonach zu viele Köche den Brei verderben […]. Am Ende der humorvollen Einlage kam nämlich ein genießbares Essen auf den Tisch. Eine weitere Aktion sorgte am Nachmittag für Unterhaltung. Unter dem Motto: “Wir halten Kurs – für Toleranz und Menschlichkeit” stachen fünf Teams mit Ruderbooten in See.

Die Zuschauer, die festen Boden unter den Füßen behielten, hatten ihren Spaß. Bunt statt braun – diesem Slogan wurden die vielfältigen Aktivitäten des Bündnisses an dem Tag vollauf gerecht. Den Akteuren aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen ist es gelungen, ein sichtbares Zeichen gegen Rechtsextremismus zu setzen. Das Bündnis hat seine Handlungsfähigkeit unter Beweis gestellt und wichtige Erfahrungen für künftige Projekte gesammelt.

Christian Bettels, Stadtverwaltung Altenburg