09.10.2006 | TA

Zur liberalen Waldesruh

Mit knapp 83 Prozent wurde der Parteivorsitzende wiedergewählt. Die hiesige FDP, scheint es, hat sich stabilisiert. Doch die Frage nach dem samstäglichen Parteitag bleibt: Reicht das?

Steinbach-Hallenberg. Im Haseltal grünt der Wald besonders grün und gibt es besonders wenige Arbeitslose. Und, im schwarz-gelb regierten Steinbach-Hallenberg ist die FDP eine tatsächlich relevante Partei, gar “die Partei mit der höchsten Wirtschaftskompetenz”, wie der schmalkaldische CDU-Landrat im Grußwort kündet.

Die Logik, hier einen liberalen Parteitag stattfinden zu lassen, ist gegeben. Und so steht Uwe Barth in der örtlichen Turnhalle, um sich wiederwählen zu lassen. Zuerst einmal aber arbeitet er sich an der Union ab. “In diesem Zustand ist die CDU alles andere als der natürliche Partner der FDP“, sagt er.

Jenseits derlei Profil-Rhetorik weiß Barth es natürlich besser. Die SPD, der andere, theoretisch mögliche Koalitionär, orientiert sich taktisch gen Linkspartei. Auch übermittelt ihr Chef Christoph Matschie auf Anfrage, dass er die ländliche FDP für “bedeutungslos” halte.

Uwe Barth muss das anders sehen. “Wir sind in einer Expansionsphase”, sagt er. 2009 wird er sein erst jüngst erworbenes Bundestagsmandat aufgeben, um wieder seine Partei in die Landtagswahl zu führen. Scheitert er neuerlich, ist er ebenso am Ende wie sein Verband, dessen außerparlamentarisches Dasein sich dann auf zwei Jahrzehnte verlängerte.

Immerhin, die FDP wirkt nicht mehr peinlich. Die Zeiten, als ein liberaler Landeschef für die CDU Wahlkampf machte, der Vorstand sich in Affären zerrieb und Parteitage im Eklat endeten, scheinen vorerst vorbei.

Fast alle geben sich einig. Parteivize Andreas Möller, als einziger im engeren Vorstand von den Barth-Kritikern übrig geblieben, tritt nicht wieder an, “aus privaten Gründen”. Für ihn rückt neben den bestätigten Stellvertretern Franka Hitzing und Lutz Recknagel der Altenburger Daniel Scheidel nach.

Allerdings wird nun sichtbar, dass das Bizarre das einzige Alleinstellungsmerkmal der Partei war. Das nutzt der Rest der Binnen-Opposition. “Zu viel Ruhe” brauche man auch nicht, sagt Volker Weber, der einst gegen Barth den Kampf um den Vorsitz verlor. Als er ins Mikrofon fragt, wofür die FDP eigentlich stehe, flammt Beifall auf.

“Der entscheidende Parteitag”, sagt Weber später, “ist 2008.” Das klingt wieder ein wenig wie die gute alte Thüringer FDP.

Von Martin Debes