09.10.2006 | OVZ

Altenburger ist FDP-Vize-Landeschef Altenburg

Steinbach-Hallenberg (J.V.). Der Altenburger Daniel Scheidel hat am Wochenende eine politische Blitzkarriere gemacht: Der 47-jährige, der erst 2004 in die FDP eingetreten ist, ist seit Sonnabend stellvertretender Landesvorsitzender seiner Partei. Beim Landesparteitag in Steinbach-Hallenberg erreichte er ein für einen Neuling ungewöhnliches Wahlergebnis von 83 Prozent. Darüber hinaus wurden der Landesvorsitzende Uwe Barth mit 82 Prozent der Stimmen und Generalsekretär Patrick Kurth mit drei Viertel der Stimmen im Amt bestätigt. Barth forderte für Thüringen eine grundlegende Kreis- und Verwaltungsreform.

Parteitag der Thüringer Liberalen mit viel selbstbewusstem Optimismus

Altenburger ist FDP-Vize-Landeschef

Steinbach-Hallenberg. Selten war das Wort Blitzkarriere so anwendbar wie bei Daniel Scheidel: Der 47-jährige Wahl-Altenburger, erst 2004 in die FDP eingetreten, ist seit Samstag stellvertretender Landesvorsitzender – mit einem für einen Neuling sensationellen Wahlergebnis von 83 Prozent. “Liberale können mehr, als die bisherigen Wahlergebnisse ausweisen”, hatte Scheidel vor den rund 200 Delegierten des Landesparteitags betont. Ein selbstbewusster Optimismus, den offenbar nicht nur Landeschef Uwe Barth und Generalsekretär Patrick Kurth zum Markenzeichen ihrer Partei vor dem nächsten Superwahljahr 2009 erheben wollen.

Die Personalentscheidungen markierten auch zwei weitere Linien, in denen sich Parteiführung und –volk der Thüringer Liberalen erkennbar einig sind: zum einen die langfristige Positionierung erfolgreicher Lokalmatadore im Vorstand und für die 2008 anstehende Bewerberkür für Land- und Bundestag. Zum zweiten die Abfuhr für Kritiker, die Thüringens Liberale noch längst nicht so kampfstark sehen, wie die Führung glauben machen will.

Für die neue Liebe zu lokalen Helden der FDP stehen im neuen Vorstand mit Daniel Scheidel, Lutz Recknagel (Christes) und und Dirk Sterzik (Arnstadt) gleich drei Namen, die bei den letzten Bundestags- und Landratswahlen Ergebnisse weit über dem Thüringer FDP-Schnitt eingefahren haben. Mit ihrer Kür, die vom Duo Barth/Kurth ausdrücklich unterstützt worden war, strafte der Parteitag zugleich die wenigen Versuche ab, programmatische Defizite als Problem der Parteispitze zuzuspitzen. Die 83 Prozent Zustimmung für Scheidel als Nachfolger des bisherigen Landes-Vizes Andreas Möller (Erfurt) setzten ein klares Signal, dass die Liberalen nun keinerlei Quertreiber mehr dulden wollen.

Möller hatte am Vorabend des Parteitages aus “persönlichen Gründen” seinen Rücktritt erklärt. Intern jedoch war zuvor durchgesickert, dass er ohne seine Demission von Erfurter Delegierten auf dem Parteitag öffentlich demontiert worden wäre. Die Delegierten werfen ihm wesentliche Mitschuld an der faktischen Lähmung des Kreisverbands vor.

Der alte und neue Landesvorsitzende Barth, der sein Ergebnis gegenüber 2004 um zehn Prozent verbesserte, bewertete den Parteitag als “weiteren Schritt vorwärts” zur Geschlossenheit und Attraktivität der FDP. Die Thüringer Liberalen seien nicht mehr mit sich selbst beschäftigt, sondern “längst in der Expansionsphase”, belegt durch Neueintritte, zunehmende Unterstützung durch Wirtschaft und Verbände sowie gestiegene Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Unter Verweis auf die Probleme der Großen Koalition in Berlin und die Politik der “Problemverschiebung” durch die CDU-Landesregierung betonte Barth, die FDP sei “die bürgerliche Partei im Freistaat”. Zwar gebe es mit der CDU noch die größten politischen Schnittmengen. “Aber dass Dieter Althaus in Thüringen der natürliche Partner der Liberalen ist, das ist angesichts seiner Bilanz keineswegs eine zwingende Logik.”

So zwingend wie logisch indes die liberale Renaissance in Thüringen derzeit erscheint, muss sie nicht zwangsläufig bleiben. Auch Barth und sein Generalsekretär, der in Steinbach-Hallenberg mit einer geradezu autistischen Rede voller Nationaltümelei auffiel, wissen, dass die Stärke der FDP großteils nur aus der Schwäche der Union geborgt ist. Bis 2009 müssen die Liberalen, die am Samstag erste Pflöcke zu Gebiets- und Verwaltungsreform, IHK-Zwangsmitgliedschaft und GEZ-Wucher einschlugen, nicht nur programmatisch die “Betriebstemperatur” erhöhen.

Dem gefühlten Aufschwung der Freigeister müsste bis dahin auch ein zahlenmäßiger folgen. Denn noch bieten nicht nur die Parteifinanzen ein so trauriges Bild, dass Schatzmeister Frank Thies drastisch darauf hinwies, selbst den “PDS-Genossen” sei ihre Mitgliedschaft fast doppelt so viel wert wie den Liberalen. Auch die Mitgliederzahlen spiegeln den selbstgewissen Optimismus der Liberalen längst nicht wider: Vom Wende-Erbe der rund 38 000 sind noch gut 2000 übrig; jährlich verlor die Truppe zuletzt rund 100 Mitstreiter. Insofern war die Dreifelder-Sporthalle als Tagungsort zumindest symbolisch gut gewählt: Fitness könnte der liberale Parteikörper wirklich brauchen.

Jens Voigt

Personalie

"Lichtgestalt" der Liberalen

Daniel Scheidel, Banker und Volkswirt aus Frankfurt/Main, hat deutsche Außenhandelskammern in Peru und Argentinien geleitet. Vom FDP-Landeschef wird der 47-jährige seit Monaten als neue “Lichtgestalt” der Partei gepriesen. Scheidel engagiert sich seit 2004 für die FDP, wo er stellvertretender Kreisvorsitzender ist. Seine Aufgaben als Partei-Vorstand sieht er vor allem auf ihm vertrautem Terrain – also Wirtschaftsförderung und Unternehmensansiedlung. Seit 2002 arbeitet er als Referatsleiter Wirtschaftsförderung und Beteiligungs-Controlling in der Altenburger Stadtverwaltung. Daniel Scheidel wohnt mit Lebenspartnerin und Tochter in Altenburg.