24.01.2007 | OVZ

FDP Altenburger Land

Daniel Scheidel neuer Kreischef

Altenburg (E.P.). Der rasante Aufstieg eines Altenburger Polit-Neulings geht weiter. Daniel Scheidel, erst seit 2004 FDP-Mitglied, hat nicht nur die Landrats-Kandidatur im Vorjahr trotz Niederlage als Erfolg verbuchen können. Seit Oktober 2006 ist der 47-Jährige sogar Landes-Vize seiner Partei und seit vorgestern nun auch Kreisvorsitzender. Der studierte Volkswirtschaftler, der seit fünf Jahren im Altenburger Rathaus für die Wirtschaftsförderung verantwortlich zeichnet, soll die derzeit 54 Freien Demokraten des Kreisverbandes ins Superwahljahr 2009 führen. Der bisherige Kreisvorsitzende Karsten Schalla tritt als neuer Stellvertreter in die zweite Reihe zurück, bleibt aber Fraktionschef im Kreistag. Mit dem Führungswechsel ist jedoch kein Politikwechsel verbunden, betont die FDP.

Die Weichen gestellt

Daniel Scheidel führt die Liberalen des Altenburger Landes ins Superwahljahr 2009

Altenburg. Die Liberalen des Altenburger Landes haben vorgestern Abend mit der Neuwahl ihres Kreisvorstandes die Weichen für die weitere politische Arbeit der nächsten zwei Jahre gestellt – der wichtigsten 24 Monate vor dem mit Bundestags-, Landtags- und Kommunalwahlen ins Haus stehendem Superwahljahr 2009.

Und sie machen das zwar nicht mit einem komplett umgekrempelten und neubesetzten Vorstand wie die Christdemokraten, aber ebenfalls mit einem neuen Mann an ihrer Spitze. Daniel Scheidel, der im Vorjahr mit seiner Landrats-Kandidatur landes-, ja fast republikweit von sich reden machte, will die derzeit 54 FDP-Mitglieder künftig führen. Der 47-Jährige wurde vorgestern Abend einstimmig von den anwesenden 20 Parteimitgliedern in dieses Amt gewählt.

Karsten Schalla, stellv. Kreisvorsitzender: Die FDP hat im Gegensatz zur SPD noch einen Kandidaten, der für weitere Aufgaben zur Verfügung steht.

Der Führungswechsel vollzog sich freilich weit weniger spektakulär als vor zwei Wochen bei der CDU und noch vor vier Jahren bei der FDP selbst, als Karsten Schalla mit seinen Getreuen fast “im Handstreich” die Macht übernahm. Jetzt also tritt Schalla in die zweite Reihe, aber keinesfalls zurück, wie der 40-jährige Unternehmer mehrfach betonte. Er bleibt Fraktionschef der Liberalen im Kreistag. Die Arbeitsteilung zwischen Kreis- und Fraktionsvorsitz solle die FDP noch wirkungsvoller machen.

Öffentliche Wirkung erzielt hat sie zuletzt im Vorjahr mit dem Landrats-Wahlkampf sowie mit ihren klaren Meinungsäußerungen zur Bestellung der zweiten Geschäftsführerin des Altenburger Kreiskrankenhauses, woran Karsten Schalla in seinem Rechenschaftsbericht erinnerte. Im einen wie im anderen Fall stünden der FDP nachträgliche Belastungen in Form von Gerichtsverhandlungen ins Haus, weil Wahlkampfgegner nicht zwischen politischem Meinungsstreit und persönlichen Befindlichkeiten unterscheiden könnten, so Schalla. “Doch wir haben einen Wählerauftrag zu erfüllen, wenn es auch nicht immer der bequemste Weg sein wird, unsere Meinung öffentlich zu sagen.” “Ganz persönlich und hautnah” hätten Scheidel und er die Konsequenzen zu spüren bekommen. Doch die Rückendeckung der Partei haben sie. “Es ist gut, dass die FDP hier den Mund aufgemacht hat. Ein Landrat kann nicht wie ein Herzog oder Monarch regieren”, unterstrich Klaus Kertscher.

Mittlerweile aber komme Bewegung in die politische Landschaft. Schalla machte kein Hehl daraus, dass er die Veränderungen in der CDU mit Freude sehe. Denn die Führung der stärksten politischen Kraft habe seiner Meinung nach in den letzten Jahren bitterlich versagt. Auch den Gesprächsofferten der SPD sehe man erwartungsvoll entgegen. Das wichtigste Ziel der Partei sei es, die FDP wieder zu einer politischen Größe im Altenburger Land werden zu lassen.

Uwe Barth, Landesvorsitzender: Wir hatten mit Daniel Scheidel den erfolgreichsten Landrats-Kandidaten der FDP in den letzten 15 Jahren.

Die gestiegene Aufmerksamkeit für die Liberalen im Kreis sieht auch der Landesvorsitzende mit großer Freude. Uwe Barth, der die FDP im nächsten Thüringer Landtag wieder vertreten sieht, ließ es sich nicht nehmen, bei der Wahl seines Stellvertreters an die Spitze des Altenburger Kreisverbandes zugegen zu sein.

So streitbar die Liberalen in der Öffentlichkeit sind, so harmoniebedürftig schienen sie auf ihrer Mitgliederversammlung. Nachdem der Vorsitzende und seine Stellvertreter mit je 100 Prozent gewählt wurden, geriet die Tatsache, dass es für die sechs Beisitzer sieben Bewerber gab, fast zur kleinen Sensation.

Ellen Paul

Der neue FDP-Vorstand

Vorsitzender: Daniel Scheidel
Stellvertreter: Karsten Schalla, Peter Bugar
Beisitzer: Torsten Grieger, Hans-Jürgen Heitsch, Rolf Hermann, Uwe Klose, Harald Kunze, Lutz Meyner
Schatzmeister: Bastian Schwotzer

Standpunkt

Wechsel

VON ELLEN PAUL

Während den Sozialdemokraten ihr einstiger, sogar erfolgreicher Landratskandidat inzwischen abhanden gekommen ist, halten die Liberalen an ihrem “Verlierer” fest. Kein Wunder. Zwar kam Daniel Scheidel nur auf 17 Prozent, doch dieses “nur” ist relativ. Denn das Osterland war bisher nie für mehr gut als braven liberalen Durchschnitt zwischen fünf und zehn Prozent. Dass Scheidel eine satte Verdopplung und damit fast die einst größenwahnsinnigen 18 Prozent eines Guido Westerwelle erreichte, prädestiniert ihn für weitere Aufgaben. Dass der Name des politischen Newcomers also in zwei Jahren auf der Kandidatenliste der FDP für den Thüringer Landtag wiederzufinden sein wird, gilt als sicher.

Genauso gewiss ist nach der Antrittsrede des neuen Kreisvorsitzenden, dass die Freien Demokraten des Altenburger Landes weiter unbequem sein und sich mit Sachverstand und durchaus auch mit Emotionen in die politische Diskussion einmischen werden. Führungswechsel bedeutet in diesem Fall also keinen Politikwechsel. Angesichts der Tatsache, dass die Winde für derart Unbequeme immer rauer wehen, keine Selbstverständlichkeit.

Personalie

Rasanter Aufstieg eines Polit-Neulings

Geboren in Frankfurt am Main, studierte Daniel Scheidel nach Abitur und Bankkaufmann-Lehre Volkswirtschaft. Fünf Jahre war er für die Commerzbank tätig, unter anderem im Länderreferat Nahost und in der Filiale Madrid. Ab 1993 fungierte Scheidel als Geschäftsführer von Handelskammern in Lima und Buenos Aires. Seit 2002 ist er Referatsleiter Wirtschaftsförderung im Altenburger Rathaus.

Mitglied der FDP ist Scheidel erst seit 2004, doch schon 2005 wurde er zum stellvertretenden Kreisvorsitzenden gewählt. Von sich reden machte der passionierte Motorradfahrer endgültig im Vorjahr mit seiner Landrats-Kandidatur. Die Liberalen wurden dadurch thüringenweit auf ihn aufmerksam und wählten den Polit-Neuling im Oktober zum Vize-Landeschef.

Daniel Scheidel ist 47 Jahre alt, geschieden und wohnt mit Lebenspartnerin und Tochter in Altenburg.