24.01.2007 | OTZ

Karsten Schalla rückt in 2. Reihe

Liberale im Altenburger Land wählen turnusmäßig ihren neuen Kreisvorstand

Von OTZ-Redakteurin Ulrike Grötsch

Altenburg. Die Liberalen im Altenburger Land haben am Montagabend turnusmäßig ihren neuen Kreisvorstand gewählt.

Karsten Schalla, der bisherige Vorsitzende der FDP trat den Rückzug an. Er kandidierte nur noch für das Amt des Stellvertreters. Neuer Mann an der Spitze der FDP ist nun Daniel Scheidel, Wirtschaftsförderer der Stadt Altenburg und jüngst erst zum FDP-Vize des Landes Thüringen gekürt.

Wie der scheidende Kreisvorsitzende Karsten Schalla in seinem Bericht darstellte, soll der Wechsel des Staffelstabes an der Spitze der FDP als weitere Weichenstellung für die politische Arbeit der Liberalen anzusehen sein.

Mit einem politisch Unbekannten war die FDP, so Schalla selbst, in die Landratswahl des Jahres 2006 gegangen. Und wenn man weiß, wo der Schuh drückt, so formulierte er, dann konnte man auch ein so gutes Wahlergebnis erzielen. Allerdings bemängelte Schalla, dass manche wohl nicht zwischen Wahlkampf und persönlichen Dingen unterscheiden könnten. “Rydzewski und Wagner (Sparkassenchef), werden noch schlaflose Nächte bekommen”, fuhr Schalla fort. Im Gegensatz zur SPD, ging die Schelte weiter, hat die FDP ihren Landratskandidaten noch, zielte er auf den Austritt von Landrat Sieghardt Rydzewski (parteilos) aus der SPD Ende des Jahres 2006 ab.

Mit Daniel Scheidel, nun auch als Kreisvorsitzender, will die FDP im Altenburger Land einen Mann in Stellung bringen, der nach der Wahlniederlage als Landratskandidat künftig weitere kommunale Aufgaben übernehmen könnte. Dabei denken die Liberalen im Landkreis vor allem an die künftigen Kommunalwahlen.

Die FDP habe sich qualifiziert in die Kreistagsarbeit als neue Fraktion eingebracht, schätzte Karsten Schalla ein. Zwar können sie die Kreistagsarbeit noch nicht auf breite Schultern verteilen (3-Mann-Fraktion), aber dass sich das zur nächsten Wahl der Kreisräte ändern könnte, zeigten sie sich optimistisch. Bezüglich der CDU zeigte Schalla keine Schadenfreude, wie er sagte, jedoch seien die Liberalen erfreut über den Ausgang der CDU-Wahl. Positiv bewerteten sie den Wechsel an der CDU-Spitze. “Die CDU-Führung der letzten Jahre hat bitterlich versagt”, konstatierte Schalla. Man müsste sich nur einmal die Stimmabgabe innerhalb der CDU-Kreistagsfraktion anschauen. Er wünschte sich, dass die CDU nun auch den Führungswechsel in der Fraktion anstreben sollte, damit der Altenburger und Schmöllner Flügel dort wieder funktioniere. Schalla verwies auf von der SPD angekündigte Gespräche mit der FDP und sprach von neuen Gesichtspunkten auf der Kreistagsebene, was Mehrheiten im Kreistag betrifft. Auch die Linke scheint Schalla “nicht mehr so “verschweißt” mit Landrat Rydzewski, denn sie habe zu einer Debatte über die Kreistagsgeschäftsordnung aufgerufen. “Das hat mich erstaunt”, formulierte Schalla. Stolz ist die FDP, fünf neue Mitglieder gewonnen zu haben. 54 davon gibt es nun im Landkreis, 20 waren zur FDP-Wahl erschienen.

Auch das Thema Krankenhaus und Bestellung des zweiten Geschäftsführers beleuchtete Schalla nochmals. Wolfgang Kertscher wunderte sich, dass alle anderen demokratischen Parteien bei diesem Thema auf Tauchstation gegangen waren. “Der Landrat könne nicht wie ein Monarch handeln, so seine Schlussfolgerungen dazu. Im Krankenhaus sei vieles gut gemacht worden, aber vieles sei auch verkorkst worden, schloss er seinen Diskussionsbeitrag.

Uwe Barth, FDP-Landesvorsitzender und Bundestagsabgeordneter, zeigte sich von der Aufbruchsstimmung und Weichenstellung an der Basis angetan. Er verwies auf die während der Fußball-WM-Zeit durchgepeitschten Beschlüsse wie Mehrwertsteuer und Gesundheitsreform im Bundestag und deren weitreichende Folgen.

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Besonders bissig

Von Ulrike Grötsch

Die Liberalen im Landkreis haben gewählt. Mit Daniel Scheidel haben sie nun einen Mann an ihre Kreisspitze gebracht, der sich anders als Karsten Schalla auch der politischen Wahl für weitere hauptamtliche Gremien im Kommunalbereich stellen will. Schalla hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass ihm seine Firma alles bedeutet. Und schon die Kandidatur seinerseits zur Landtagswahl war nur eine pro forma. Für das Amt als Chef einer Kreisverwaltung hätte er nie kandidiert. Hier hatte er mit Daniel Scheidel einen Mann gefunden, der den Landrat hart attackierte, so hart, dass man sich derzeit auf Gerichten herumschlägt.

Mit ihm hat man nun zudem jemanden gefunden, der trotz oder gerade wegen der Wahlschlappe durchaus auch weiter den engen Amtsstuben eines Rathauses entfliehen möchte. Mit seiner Wahl zum Landesstellvertreter der FDP hatte er Ende 2006 schon erste Weichen gestellt in Richtung politischer Karriere. Mit der Niederlage als Landratskandidat im jüngsten Kommunalwahlkampf scheint der Westimport der Liberalen nun offenbar Blut geleckt zu haben. Zu erwarten ist, dass einige Liberale, so wie bisher, weiter auf allen Parteien herumhacken werden. Aber so ist das nun. Die Kleinen sind oft bissiger als die Großen. Wie bei den Hunden, so bei den Parteien.