22.02.2007 | OVZ

Altkirchener Kindergarten schließt

Bürgermeister-Beschluss wegen ausufernder Kosten / Elternvertretung fühlt sich überrollt

Altkirchen/Mehna/Rolika. Die Verwaltungsgemeinschaft (VG) Altenburger Land schließt aus finanziellen Gründen im März den Kindergarten Altkirchen. Darauf verständigten sich die Bürgermeister jener sieben Mitgliedsgemeinden, die zur Betreibung von drei Kitas eine Zweckvereinbarung unter Regie der VG abgeschlossen hatten. Das Landratsamt hat Kritik an der Art und Weise der Schließung geübt. Die Elternvertretung fühlt sich ohnehin überrollt.

Der amtierende VG-Chef Hans-Jürgen Heitsch (FDP) bestätigte gestern gegenüber der OVZ die Schließungspläne. Gründe seien sinkende Kinderzahlen sowie die ausufernden Kosten für die Gemeinden. Ausschlaggebend sei insbesondere die von der CDU-geführten Landesregierung im Juli 2006 auf den Weg gebrachte Familien-Offensive. Diese habe dazu geführt, dass sich der Kostenanteil der betroffenen Gemeinden von 150 Euro auf 316 Euro pro Kind und Monat erhöht habe. Dazu komme eine schlechte Auslastung der drei Kitas. Einer Kapazität von 100 Plätzen stünden 66 Kinder gegenüber, ab September sogar nur noch 57. “Dem konnten wir nicht mehr tatenlos zusehen”, sagte Heitsch. Durch diese Entscheidung blieben die Gebühren für die Eltern stabil bei 75 Euro. Ohne die Schließung wären sie auf 165 Euro in die Höhe geschossen. Die sieben Bürgermeister hätten sich darauf geeinigt, die von 18 Kindern besuchte Einrichtung in Altkirchen zu schließen. Offen blieben Rolika und Röthenitz, die die Altkirchener Knirpse übernehmen. Zwar übersteige das eine Zeitlang deren Kapazität, doch dafür würde man eine Ausnahmegenehmigung erhalten. Auch werde keine von den sechs Angestellten in Altkirchen entlassen. Es könne aber sein, dass die betroffenen Mitarbeiter, die auf Rolika und Röthenitz aufgeteilt würden, auf weniger Stunden kommen. Mit der Konzentration auf Rolika und Röthenitz würden sich auch die Einzugsgebiete für die Grundschulen in Posa und Altkirchen endlich angleichen, sagte Heitsch. Die Gruppen blieben zusammen und würden dann gemeinsam die Schule besuchen. Deswegen würde man auch die Einrichtung in Rolika im Norden der VG behalten und auf Altkirchen verzichten, mit der es ansonsten zwei Kindergärten in einer Gemeinde gegeben hätte.

Der VG-Chef bestätigte, dass die Kita in Rolika allerdings noch einen Notausgang und eine Außentreppe als Fluchtweg bekommen müsste, um noch mehr Kinder aufnehmen und um die Kapazität auf 30 erhöhen zu dürfen. Dies werde von der Gemeinde Dobitschen finanziert. Erst wenn die Investition fertig gestellt sei, werde Altkirchen geschlossen. Heitsch rechnet dabei mit Mitte bis spätestens Ende März.

Altkirchens Bürgermeister Hubert Fritz (CDU) bedauerte die Schließung, sieht dazu jedoch keine Alternative, wie er der OVZ sagte. Spätestens seit 2006 sei klar gewesen, dass einer von den drei Kindergärten geschlossen werden müsste. Trotz Zweckvereinbarung, Zuschüssen und Gebühren habe Altkirchen jährlich 200.000 Euro für die Kindergärten allein aufbringen müssen.

Auf harte Kritik stießen die Schließungspläne bei der Elternvertretung. “Wir fühlen uns überrollt und sind nicht einverstanden”, sagte Elternsprecher Daniel Krüger der OVZ. Alles sei unter Zeitdruck und zu kurzfristig über die Bühne gegangen. Zwar sehe man ein, dass drei Einrichtungen nicht erhalten werden können, allerdings hätte man sich mit einer Schließung wenigstens bis August Zeit lassen müssen, damit die Kinder vor ihrer Einschulung nicht auseinandergerissen werden.

Dies sei von der VG zwar in Aussicht gestellt worden, jedoch nur unter der Bedingung, dass sich für alle Eltern die Gebühr bis August auf 165 Euro pro Monat erhöhe. “Das grenzt an Erpressung”, sagte Krüger. Für ihn sei klar, dass viele Eltern ihren Nachwuchs nun nach Schmölln bringen und dort auch einschulen. Damit verliere die VG die Kindergartenkinder und die Schüler, warnte Krüger.

Das Landratsamt hat die VG-Leitung unterdessen aufgefordert, die Eltern bei der Entscheidung der Schließung besser zu beteiligen. Auch erscheine der Schließungs-Termin zu kurzfristig, wie OVZ aus dem Landratsamt erfuhr.

Unterdessen haben sich Altkirchener Bürger für eine außerordentliche Gemeinderatssitzung eingesetzt, in der das Thema diskutiert und sogar die Kündigung der Zweckvereinbarung eingefordert werden soll.

Jens Rosenkranz