25.04.2009 | OVZ

“Wir sind nicht schuld”

Absage des Skatbrunnenfestes: Altenburgs OB reagiert erbost auf Vorwürfe

Altenburg. Oberbürgermeister Michael Wolf ist sauer. Und zwar richtig. „Wenn private Sponsoren abspringen, kann man nicht den OB dafür verantwortlich machen“, sagt er mit Blick auf die Schelte, die der SPD-Politiker dieser Tage von CDU und FDP für die Absage des Skatbrunnenfestes einstecken musste (OVZ berichtete).

Die Stadtverwaltung, so Wolf, habe bereits vor Jahren eindeutig entschieden, kein Skatbrunnenfest mehr zu veranstalten und dafür alle Kräfte und finanziellen Mittel auf das Altstadtfest zu konzentrieren. Dennoch sei die Stadt auch in diesem Jahr bereit gewesen, das von einem Altenburger Gastwirt wiederbelebte und organisierte Skatbrunnenfest mit Leistungen im Wert von satten 8000 Euro zu unterstützen. So viel nämlich kommen für die kostenlose Bereitstellung von Buden, für Elektrik oder Bastelstraßen für Kinder zusammen. Außerdem schlagen auch das lebende Skatbild und ein Begleitorchester mit rund 750 Euro zu Buche, erläutert der Oberbürgermeister vor der Presse. Als dann im Februar das Signal kam, dass dem Geschäftsmann aufgrund der Finanzkrise Sponsoren abgesprungen sind, habe die Stadt sofort Entgegenkommen signalisiert. Sie sei bereit gewesen, zusätzlich auch die vier Wenzel zu bezahlen und alle Marketingofferten zu übernehmen – noch mal ein Wert von rund 1500 Euro. Dennoch sei am 27. März die Absage gekommen. Es fehlte noch immer Geld. Doch Bares könne die Stadt einem Privaten nicht geben, das gehe nur bei Vereinen, betont Wolf. „Ich weise daher kategorisch zurück, dass wir daran schuld sind.“

Weil die Absage so kurzfristig kam und schon so viel vorbereitet ist, will der OB die für das Skatbrunnenfest geplanten kulturellen Offerten nun auf den Autofrühling am kommenden Sonntag umleiten. „Der Veranstalter Eberhard Eckardt hat sich über die Bereicherung schon sehr gefreut.“ Wolf nennt unter anderem den Auftritt des Altenburger Blasorchesters und der vier Wenzel, eine Scherenschnitt- und eine Kartenwerkstatt. „Es wird am 3. Mai in der Innenstadt für die gesamte Familie etwas geboten“, verspricht Michael Wolf.

Und die Chefin der Altenburger Tourismus GmbH, Christine Büring, legt noch nach. „Auch wenn das Skatbrunnenfest in diesem Jahr nicht stattfindet, werden wir am ersten Maiwochenende das Thema Spielkarten aktiv aufgreifen. Die Besucher des verkaufsoffenen Sonntags der Werbegemeinschaft und des Autofrühlings sollen die traditionell zum Skatbrunnenfest von uns organisierten Angebote im Jubiläumsjahr nicht ganz vermissen“, sagt sie. Ganz wichtig für alle Spielkartenfans sei der Verkauf der Jubiläumseditionen in und um den Spielkartenladen in der Tourismus-Information während des ganzen Wochenendes. Zwei neue, „alte“ Spielkarten wurden in der Spielkartenfabrik produziert. Zum einen eine Neuauflage der historischen „Kaiserkarte“ mit sehr edel gestalteten Motiven deutscher Kaiser und Kaiserinnen, zum anderen „Historischen Spielkarten der letzten 500 Jahre“. Sammler Gerd Matthes stand hier Pate und stellte die schönsten Motive zur Verfügung. Beide Editionen sind mit jeweils 1000 Exemplaren schon jetzt Raritäten. Der Verkauf startet am Samstag 10 Uhr.

Last but not least müssen auch die Skatfans nicht auf die Turniere verzichten, die traditionell zum Skatbrunnenfest von der hiesigen Verbandsgruppe organisiert werden. Am Sonnabend geht es im Saal der Brauerei ab 10 Uhr um den Pokal der Spielkartenfabrik. Zeitgleich startet in der VR-Bank am Brühl die 7. Drei-Ländereck-Schülermannschaftsmeisterschaft.

Ellen Paul

Kommentar

Eine Büchse Mitleid aufmachen?

Von Ellen Paul

Da wurde den Altenburger Stadtvätern aber wieder mal bitter Unrecht getan. Die Verantwortlichen im Rathaus, allen voran der Oberbürgermeister persönlich, gaben sich so viel Mühe, um das in Privatinitiative wiederbelebte Traditionsfest zu unterstützen, und müssen sich dann von der politischen Konkurrenz und den Medien derart abwatschen lassen. Böse, böse.

Da scheint es doch wirklich angezeigt, eine große Büchse Mitleid aufzumachen. Denn schon wieder einmal ist eine gutgemeinte Sache gründlich in die Hose gegangen. Vielleicht sollte man deshalb im Altenburger Rathaus endlich einmal vorher (!) überlegen, welche möglichen Konsequenzen eine Entscheidung oder eine Handlung haben könnte. Warum beispielsweise engagiert man sich derart für das privat initiierte Fest, wenn man es sich doch eigentlich gar nicht mehr leisten kann und will? Warum sitzt ein führender Rathaus-Mitarbeiter in einer Arbeitsgruppe zur Vorbereitung des Festes? Warum sagt man offiziell auf einer städtischen Pressekonferenz das Skatbrunnenfest ab und überlässt das nicht dem Organisator? Warum lässt man dort zudem die Gelegenheit ungenutzt, um der Öffentlichkeit alle Hintergründe zu erhellen?

Wer so unprofessionell und konzeptionslos eine Sache händelt, hat Mitleid allerdings nicht wirklich verdient. Jedenfalls nicht in dieser Gehaltsgruppe.